Würth zeigt Kunst im Dreiländereck

Die Ausstellungen „Im Blick des Sammlers“ in Arlesheim und „Von Kopf bis Fuß“ in Erstein werben auch für die Kunsthalle in Schwäbisch Hall.

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  • Die Arbeit „Große Maske“, die der Künstler Stephan Balkenhol im Jahr 2005 aus einer libanesischen Zeder anfertigte, zieht in der Ausstellung in Arlesheim viele Blicke auf sich.  1/3
    Die Arbeit „Große Maske“, die der Künstler Stephan Balkenhol im Jahr 2005 aus einer libanesischen Zeder anfertigte, zieht in der Ausstellung in Arlesheim viele Blicke auf sich. Foto: 
  • Die lichte Architektur des Würth-Forums Arlesheim ist in das gewerbliche Geschehen des Unternehmens eingebunden. 2/3
    Die lichte Architektur des Würth-Forums Arlesheim ist in das gewerbliche Geschehen des Unternehmens eingebunden. Foto: 
  • Sylvia Weber vor einer Arbeit Bill Woodrows und Richard Deacons.  3/3
    Sylvia Weber vor einer Arbeit Bill Woodrows und Richard Deacons.  Foto: 
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Arbeiten und Kunst erleben an einem Ort: Die Würth-Gruppe hat daraus ein Charakterzeichen gemacht; sie praktiziert die Symbiose von Gewerbefleiß und Kultur an 14 Standorten in Europa. Im französischen Erstein und im schweizerischen Arlesheim wurden in der vergangenen Woche neue Ausstellungen eröffnet. Sie sind auch Werbeträger für die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall.

Es gibt wenige Regionen, in denen sich öffentliche Museen und private Kunstsammlungen in solcher Dichte und Vielfalt finden wie am Basler Rheinknie im Dreiländereck Frankreich, Deutschland, Schweiz. Dort lebt bis heute der Bürgersinn wohlhabender Familien, der bis ins 15. und 16. Jahrhundert zurückgeht. Der Unternehmer und Mäzen Reinhold Würth, in Arlesheim und Erstein präsent in Werken seiner Kunstsammlung, passt gut zu dem Landstrich, in dem Gewerbefleiß, Handelsgeschick und Lebensfreude einander nahe sind. Ein Kleinod der Sammlung Würth hat in Basel seinen Ursprung: die Madonna, die der Bürgermeister Jacob Meyer zum Hasen vor 500 Jahren bei Hans Holbein dem Jüngeren in Auftrag gegeben hat.

Kunst im Gewerbegebiet

Arlesheim vor den Toren Basels ist Firmensitz der Schweizer Würth AG. Im 17. Jahrhundert bauten dort die Basler Bischöfe, nach ihrer Vertreibung aus der Stadt durch die Reformation, einen vom Barock ins Rokoko spielenden Dom samt Silbermannorgel. Alle Herrschaften hinterließen im Dreiländereck ihre Spuren – Franzosen, Schweizer, Stauffer, Freiburger und Basler Bischöfe, Landsknechte, Bilderstürmer und Domherren. An den Hängen des Jura Weinberge, im heute urbanen Dorf  Arlesheim aristokratische Landgüter, in Neubaugebieten die Villen wohlhabender Mitarbeiter der Basler Chemieindustrie, anthroposophisch inspirierte Kliniken, eine Eremitage als erster und größter englischer Landschaftspark der Schweiz, darüber zwei mittelalterliche Burgen. Und immer wieder Ausblicke in die Burgundische Pforte, über das Rheinknie hinweg zum Schwarzwald und im Nordwesten zu den Vogesen. Hier lebt der Begriff Kulturlandschaft.

Würth hat in Arlesheim Kunst dort angesiedelt, wo die Anmut des Ortes unsichtbar ist, wo Lastwagen Güter an- und abfahren, Baufirmen und Metallverarbeiter schaffen – in die Betriebsamkeit eines reizlosen Gewerbegebietes, in dem die aus dem Jura zum Rhein fließende Birs gerade renaturiert wurde. Hier wird der Anspruch umgesetzt, den der Geschäftsführer der Schweizer Würth AG, Marc Baumgartner, bei der Begrüßung der Ausstellungseröffnung formuliert: Kunst und Wirtschaft vereinen sich zu Triebkräften für Kultur. Das findet seinen Niederschlag auch in der lichten Architektur, die in Arlesheim noch mehr als in Erstein in das gewerbliche Geschehen eingebunden ist.  17 000 Artikel, von der kleinsten Schraube bis zum elektronischen Messinstrument, hält das Würth’sche Lager in Arlesheim bereit, alles, was Handwerker brauchen, die etwas zusammenfügen müssen. Marc Baumgartner erinnert die Gäste an das Geschäft, ohne das es die kulturelle Großzügigkeit des Unternehmens nicht geben könnte.

Spannendes Panorama

„Im Blick des Sammlers“ heißt die Ausstellung exemplarisch; sie lässt erleben, was Sylvia Weber, die Direktorin der Kunstsammlung Würth, bei der Eröffnung als die Motivation und Herausforderung des Sammlers beschrieb: Neugier auf die Welt, assoziative Zuwendung zur Kunst, zupackende Entschiedenheit bei der Auswahl der Käufe. Die Sammlung „bezieht ihren Ausgangspunkt immer im subjektiven Interesse, dem Blick des Sammlers, ... verbindet sich mit ernsthaftem Anspruch und ausgeprägter gesellschaftlicher Verantwortung“. Weber greift die Zahl der kommerziellen Produkte auf: Mehr als 17.000 Werke umfasst die Kunstsammlung heute.

Daraus entsteht im Arlesheimer Forum Würth ein kleines und spannendes Panorama mit Werken, die exemplarisch Entwicklungen der Moderne in der bildenden Kunst aus ihren Anfängen und in ihren Zuordnungen zu Strömungen der Zeit erkennen lassen.

Kleine und große Formate mit andauernden Nachwirkungen, geläufige Namen neben neuen Bekanntschaften – Jackson Pollok, Horst Antes, Emil Schumacher, Stephan Balkenhol, Georg Baselitz, Tony Cragg, Max Beckmann, Georg Baselitz, Christo, Anselm Kiefer, Jean Tinguely und andere – keiner fehlt. Dazwischen ein Mysterienbild Gotthard Graubners, spontan Mark Rothko aufrufend. Fast daneben die in Verfremdungen mündenden Materialexperimente von Bill Woodrow und Richard Deacon.

Keine Themenausstellung wie in Erstein, wo Menschenbilder im Fokus der Sammlung Würth gezeigt werden. Die Ausstellung „Von Kopf bis Fuß“ war auch schon in Hall zu sehen, jetzt ergänzt um Neuerwerbungen. Sie erweitert die Revue der Moderne um einen „szenischen Diskurs“, an dem ein großer Teil der in Arlesheim vertretenen Künstler teilnimmt. Sie setzen sich mit der Gestalt und dem Wesen des Menschen, mit seinem Umgang mit sich selbst und mit der Konfrontation von Mensch und Technik auseinander.

Der Parcours der Moderne in Arlesheim hat willkommene Lücken – sie lassen Raum für die großzügige Ordnung der Werke, laden zu Innehalten, Betrachten, Besinnen ein.

In einer der Verständnishilfen in kleinen Texten zwischen den Bildern entdeckt sich der Besucher in einem Zitat des Malers und Filmemachers Julian Schnabel als zentrale Figur jeder Ausstellung: „Das ganze Kunstwerk ist tot, bevor nicht einer davor steht und es anschaut.“ Das passt zu den Intentionen der Sammlung Würth: Vielen Menschen in der Begegnung mit Kunst ihren Lebensraum erweitern.

Forum Würth Arlesheim (Schweiz): Im Blickpunkt des Sammlers – Werke der Sammlung Würth von Beckmann bis Kiefer. Bis 13. Januar 2019.
www.wuerth-ag.ch
Musée Würth France, Erstein (Elsaß): Von Kopf bis Fuß – Menschenbilder im Fokus der Sammlung Würth. Bis 10. September 2017.
www.musee-wurth.fr

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