Filmdreh im Hohenloher Freilandmuseum

Ein Besuch am Set: Im Hohenloher Freilandmuseum wird bis Ende Oktober der Film „G‘stätten“ unter der Regie von Peter Evers gedreht.

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Gerade sind die Hauptdarsteller Maria, Gregor und die Badnerin vom Feld gekommen. Vor ihnen laufen einfach gekleidete Mägde und Knechte – sie sind Komparsen aus dem Raum Schwäbisch Hall und den Aufrufen per Plakat, Zeitungsmeldung und Internet gefolgt. Denn im Hohenloher Freilandmuseum wird gerade der historische Kinofilm „G‘stätten“ gedreht.

Regisseur Peter Evers überprüft die kurze Sequenz am Monitor und entscheidet: „Nochmal.“ Die Truppe geht wieder zurück Richtung Steigenhaus. Merlin Rose (Gregor) setzt sich auf das alte, schwarze Motorrad. Das knattert so laut, dass es einige Museumsbesucher neugierig macht. Sie bleiben stehen und gucken zu. „Das alte Ding hat uns schon einen halben Tag gekostet“, seufzt Produzent Rüdiger Heinze. „Denn es sprang nur an, wenn es lustig war.“ Damit das nicht mehr passiere, sei extra ein Techniker ans Set geholt worden.

„G’stätten“, so der Filmtitel, heiße soviel wie verwildertes Brachland oder auch „da ist etwas in Unordnung“, erläutert der Regisseur und Drehbuchautor Evers. 2014 erhielt der Waiblinger auf der Berlinale für „G‘stätten“ den mit 20 000 Euro dotierten Drehbuchpreis der MFG Filmförderung Baden-Württemberg (Thomas-Strittmatter-Preis). Doch wirklich Zeit für Nachfragen zum Film hat er nicht. Er setzt bedauernd hinzu: „Uns läuft sonst die Zeit davon.“

Kein Flüstern, kein Rascheln

Der erste Drehtag im Freilandmuseum soll um 18.30 Uhr enden. Schon kommt die nächste Szene dran. Auf Kommando verstummen alle Geräusche. Kein Flüstern, kein Rascheln ist mehr zu hören. Für Sekunden erstarrt jeder an Ort und Stelle, bis die Szene im Kasten ist. Nur die Flugzeuge und ein wummernder Traktor in der Ferne hören nicht auf das eindringliche „Ruhe bitte, Ton ab“.

Er sei selten bei den Dreharbeiten dabei, erzählt der Produzent. „Die sollen in Ruhe arbeiten.“ Im Vorfeld hätten die Darsteller einiges mit Trainern lernen müssen, etwa das Motorrad- und Traktorfahren, das Melken oder den Dialekt. „Denn alles soll authentisch rüberkommen“, so Heinze.

Etwa 30 Leute arbeiten nun auf der Obstbaumwiese hinter dem Steigenhaus. Die einen hängen Äpfel an den bereits abgeernteten Baum, die anderen stapeln Holzkisten als Requisiten an die richtigen Stellen, die nächsten feilen an Licht- und Kameraeinstellungen oder helfen den Schauspielern beim Ankleiden. 

Der Aufbau ist gestaffelt: Während im Hintergrund Stroh auf den Hänger geworfen wird, arbeiten Bauer und Knecht und schütten das geerntete Obst in die Steigen. „Ich krieg’ noch einen Eimer“, ruft der „Bacherbauer“ (Thomas Sarbacher) laut zur Ausstatterin. Im vorderen Bildbereich steht Maria (Svenja Jung) auf der Leiter, die alte Magd (Eleonore Weisberger) nimmt die Früchte entgegen. Aus der Totale und im Detail folgen nun mehrere Aufnahmen, der Hintergrund wird mit Schwarzfolie abgeschirmt.

„Allein beim Abenddreh ,Feuerwehrfest’ werden 110 Leute gebraucht“, berichtet Heinze von der Filmproduktion „Zum Goldenen Lamm“ über die Suche nach Komparsen. Das Freilandmuseum sei perfekt für den Kinofilm. „85 Prozent spielen hier im Ländlichen“, freut er sich über „den kompakten Elfmeter“ – die auf wenig Raum konzentrierten Schauplätze auf dem Gelände und in den Häusern.

Mit 400 000 Euro wird das Filmdrama „G‘stätten“ von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) gefördert. „Das Budget für den Kinofilm entspricht etwa dem eines Tatorts“, so Heinze lächelnd. Genauer wird er nicht. In der Geschichte selbst geht es um eine verbotene Liebesbeziehung zwischen zwei Geschwistern in einem Schwarzwalddorf in den 1950er Jahren.

„Wie weit sind wir?“, wird der Lichttechniker unruhig und warnt: „In drei Minuten kommt eine Wolke.“ Schnell werden die Steigen geleert, kommen die Äpfel zurück an den Baum. Dann heißt es wieder: „Ruhe bitte, Ton ab.“ Und das Obstpflücken beginnt erneut.

Nach dem Dreh in Wackershofen folgen Schnitt und Musik ab Ende Oktober. Die Kinofilm-Premiere wird im Sommer 2018 sein.

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