Wildschäden trotz Zäune

Die Population der Wildschweine sei in der jüngsten Vergangenheit angestiegen, berichten Jäger. Ein Grund dafür soll der vermehrte Maisanbau sein.

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Ein Jäger lauert neben einem Maisfeld bei Oberfischach. Mit einer Drückjagd versuchen sie, in dem drei Hektar großen Acker Wildschweine aufzuspüren. Die Jagd bleibt allerdings erfolglos.  Foto: 

Wildschweine machen Landwirten und Jägern erheblich zu schaffen. Die Population hat sich nach Beobachtungen deutlich vermehrt. Der vergangene milde Winter und der gestiegene Maisanbau spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Der Mais – das „Schweinegold“, wie ihn manche nennen – liefert den Tieren im Spätsommer und Herbst ausreichend Nahrung und Schutz. Eine paradiesische Situation für die Schwarzkittel, die in den Feldern genügend zu fressen finden und vor den Blicken nicht nur der Jäger und Landwirte geschützt sind.

Die Jäger versuchen durch Drückjagden und teilweise sogar Einzäunen der Maisfelder den Wildschaden zu minimieren. Doch die Tiere sind schlau und lernen auch dazu. Wolf-Dieter Haug, seit 40 Jahren erfahrener Jäger, berichtet: „Sie umkreisen sogar manchmal im Maisfeld die Treiber und lassen sich aus dem Acker nicht vertreiben.“ Außerdem gibt es zu wenige gut ausgebildete Jagdhunde für die Wildschweinjagd.

Nie Richtung Feld schließen

In jüngster Zeit häufen sich Berichte, dass bei diesen Treibjagden bis zu 20 Wildschweine erlegt werden. Doch nicht immer sind solche Treibjagden erfolgreich. Günter Broß aus Oberfischach hat seine Jagdfreunde am vergangenen Montag zu einer Drückjagd nach Oberfischach eingeladen. 26 Jäger sind seiner Einladung gefolgt, sein drei Hektar großes Maisfeld zu bejagen. Günter Broß hat vermutet, dass sich die Wildsäue trotz Einzäunung in dem Maisfeld aufhalten. Hinweise haben sich daraus ergeben, dass etwa zwei Meter hinter dem Elektrozaun frische Trittsiegel und angefressene Maiskolben zu sehen waren.

Die Aktion selbst war generalstabsmäßig geplant. Das Feld wurde von den Jägern umstellt. In der Vorbesprechung wies Günter Broß noch einmal auf die wichtigsten Regeln hin. Die Treiber, die durch das Maisfeld gehen, tragen keine Waffen und sind, wie auch teilweise die Hunde, mit orangeroten Signalwesten ausgestattet. Geschossen werden darf niemals in Richtung des Maisfeldes, um weder die Treiber noch Hunde oder die Jäger auf der anderen Seite des Feldes zu gefährden. Nur das ausbrechende Borstenvieh, das sich vom Maisfeld wegbewegt, ist zum Abschuss freigegeben. Da eine Gewehrkugel eine Reichweite von bis zu sieben (normal fünf) Kilometern hat, darf auf keinen Fall ohne Kugelfang  geschossen werden.

Die Jäger, konzentriertes Stillsitzen und Abwarten gewöhnt, hatten sich teilweise auf ihren Klapphockern niedergelassen und harrten der Dinge, nachdem die Treiber mit ihren Hunden das Maisfeld betreten hatten. Die Treiber schreien und lärmen, die  Hunde kläffen und bellen. Das Rauschen im Maisfeld und ein ab und zu vorbeihechelnder Jagdhund sorgen für Hochspannung. Doch nach einem ersten Durchkämmen ist klar: es geschieht nichts. Es werden zwar Spuren gefunden, doch keine Sau lässt sich blicken. Auch der zweite Durchgang bleibt erfolglos und die Jagd wird abgebrochen.

Der ganze Aufwand ist umsonst. Die Jäger waren teilweise aus größerer Entfernung angereist. Aber schon im Vorfeld war klar, dass die Jagd erfolglos enden könnte. Die Schwarzkittel sind ausgesprochen schlau. Sie sind sehr mobil und legen nachts bis zu 40 Kilometer zurück. Es gibt keine Garantie, dass sie in einem bestimmten Maisfeld bleiben. Hans Pfisterer aus Bühlertann sagt: „Ich habe mit der Kamera feststellen können, dass Wildschweine nachts in das  Maisfeld eingedrungen sind, aber morgens gegen 4 Uhr das Feld wieder verlassen haben.“ Und erst wenn es hell wird, kommt der Jäger. Mancherorts werden, wie die Jäger berichteten, Drohnen eingesetzt, um Wildsauen im Maisfeld aufzuspüren. Eine zurzeit noch teure Variante, bei der es einige bürokratische Hürden zu überwinden gilt.

Die Wildschweine walzen in einem Maisfeld viel nieder, um an die für sie so schmackhaften Maiskolben zu kommen und verursachen erheblichen Wildschaden. Aber wer steht für den Schaden gerade? Im Jagdgesetz heißt es, dass der Jagdausübungsberechtigte genauso wie der Eigentümer oder Nutzungsberechtigte eines Grundstücks zur Verhütung von Wildschäden das Wild von den Grundstücken abhalten oder verscheuchen darf. Zum Ersatz des Wildschadens an den Geschädigten ist zunächst die Jagdgenossenschaft verpflichtet. Diese überträgt die Schadenersatzpflicht an ihre Jagdpächter. ri

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