Wie gut können Kinder in der Stadt frei spielen?

Wo in Hall können Fünf- bis Neunjährige frei und unbeaufsichtigt spielen, wo nicht gut? Darum geht es in der Studie "Raum für Kinderspiel". Zwei Fachleute für Kinderanliegen in Hall nehmen dazu Stellung

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Im Sommer wurde auf dem Holzmarkt Fußball gespielt, auch auf dem Haal und in der Gelbinger Gasse. "Und wo wir nicht hinter dem Ball herjagen durften, geschah es meist aus Furcht (...) vor Bürgern und vor allem Bürgerinnen, die um ihre Fensterscheiben bangten." Diese Szene, die sich vor Jahrzehnten zutrug, beschreibt Erhard Eppler in seinem Buch "Als Wahrheit verordnet wurde".

Markus und ein Freund spielen auf dem Vorplatz des Landratsamts Fußball. Aber es gibt Konflikte: "Die Leute, die schimpfen hier halt auch, wenn der Ball mal zu hoch geht, gegen die Scheibe oder so." Dieses Zitat eines Jungen stammt aus der Studie "Raum für Kinderspiel", deren Ergebnisse kürzlich veröffentlicht wurden (wir berichteten).

Doppeltes Lob für Spielplatz auf dem Unterwöhrd

Anwohner können ebenso ein Hindernis für spielende Kinder in der Innenstadt sein wie Verkehr, dichte Bebauung, wenig Fläche. Das ist ein Ergebnis der Studie. Ein anderes: In den Teilorten können Fünf- bis Neunjährige - das war die Zielgruppe der Studie - meist sehr gut frei und unbeaufsichtigt spielen. Wie aber sehen Haller, die täglich mit Kinderangelegenheiten in der Stadt zu tun haben, die Situation in Hall, auch in der Innenstadt?

Kirsten Zahn-Massing von der Haller Initiative "Kleinstadtkinder" lobt den Spielplatz auf dem Untwerwöhrd, der künftig "auch für bis zu Zwölfjährige ein schöner Ort zum Spielen und Treffen" sein könne. Kinderfreundliche Räume in der Innenstadt beschränkten sich darüber hinaus "auf den institutionellen, formellen oder privaten Bereich", also auf Musikschule, Vereine, Ganztagesschulen, Volkshochschule. Schon die Kleinsten würden die Stadt "als verdichteten, von Konsum, Eile und Verkehr dominierten Raum" erfahren: "Freies, selbstbestimmtes Spielen informeller Natur ist direkt in der Innenstadt kaum möglich", sagt Zahn-Massing.

Es gebe kaum kostenlose Ruheorte. Und was es momentan gebe - "vereinzelte Bänke am Kocherquartier, Bouleplätze ohne Sitzmöglichkeiten, eine einsame Balancierstange, Geräte am Sparkassenplatz, die die Bedürfnisse nicht erfassen" -, sei "nicht integriert, sondern lieblos dazwischen gedrängt", so das "Kleinstadtkinder"-Mitglied.

"Wir begrüßen es grundsätzlich sehr, dass sich die Stadtverwaltung Gedanken um die Situation der Kinder in der Stadt macht. Doch Studien und Erhebungen allein reichen nicht aus". In Hall gebe es "ein grundsätzliches Problem, ohne dessen Lösung alle weiteren Bemühungen scheitern werden: Es gibt kein allgemeines Interesse, Kinder und Jugendliche in die Gesamtheit der Stadtplanung miteinzubeziehen", sagt Zahn-Massing.

Die Spielmöglichkeiten in der Stadt "hängen sehr stark von dem sozialen Hintergrund" ab, sagt Dr. Kerstin Kern, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Haller Schulen. Beispiel Hessental: Richtung Flugplatz, "wo die sozial Schwächeren" wohnen, oder bei den Wohnblocks Richtung Lidl "sehe ich wenig Spielpotential, während in der Siedlung mit den Einfamilienhäusern ein Spielplatz vorhanden, die Straße verkehrsberuhigt ist und auch im Garten Spielgeräte stehen". Als zweites Beispiel nennt Kern Sulzdorf. Auf Spielplätzen, in privaten Gärten, in den Feldern und am Bach gebe es genug Spielmöglichkeiten. Aber rund um die Sozialwohnungen nahe der BAG Hohenlohe gebe es keinen Kinderspielplatz. Der Sportplatz gegenüber "bietet keine Spielgeräte für die Kleineren, das Gebiet drumherum ist wenig ansprechend zum Draußenspielen. Kinder aus sozial schwächeren Schichten oder manche Kinder mit Migrationshintergrund sind im Grundschulalter selbst in Sulzdorf öfters 'auf der Straße' sich selbst überlassen", so Kern.

Auch die Gesamtelternbeiratsvorsitzende lobt den neuen Spielplatz auf dem Unterwöhrd, auch einzelne Spielgeräte in der Innenstadt wie die Balancierbrücke am Kocherquartier: "Die Entwicklung, die die Stadt begonnen hat, finde ich gut." Wichtig sei aber, "dass man dieses Thema nicht als abgeschlossen betrachtet". Kern plädiert dafür, "Erlebnispfade" zu den großen Spielplätzen hinzuführen und Spielorte so zu vernetzen. "Die Erreichbarkeit von Schulen und Spielplätzen mit dem Fahrrad halte ich für wichtig. Hier gibt es noch Handlungsbedarf", sagt Kern auch. Vom Rückbau konventioneller Gerätespielplätzen, wie in der Studie erwähnt, hält Kern nichts.

Info Die Stellungnahmen der Fraktionen lesen Sie demnächst im HT.

Rathaus: Hall schneidet im Vergleich anderer Städte gut ab

Vergleich Die Studie "Raum für Kinderspiel" wurde in den Städten Schwäbisch Hall, Ludwigsburg, Offenburg, Pforzheim und Sindelfingen durchgeführt. Die Haller Stadtverwaltung betont, dass Hall im Vergleich zu den vier anderen Städten gleiche oder bessere Ergebnisse erzielt hat - etwa beim Wohnumfeld oder bei der Aktionsraumqualität. Der Initiator der Studie hatte auf HT-Nachfrage erklärt, dass ein Vergleich zwischen den Städten schwierig sei.

WD

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