Wie Getreide die Geschichte beeinflusste

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Das Urgetreide Dinkel.  Foto: 

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Manfred Rapp aus Mühlacker mit der Geschichte von Nahrungspflanzen. Am vergangenen Mittwoch sprach er im Römermuseum über „10 000 Jahre Getreide – Lebenselixier oder Stoff der Macht?“

Vor knapp 10 000 Jahren endete die letzte Eiszeit in Europa. Die Lebensbedingungen änderten sich radikal. Durch die höheren Temperaturen regnete es mehr. Auf den ehemaligen Eisflächen breiteten sich Wälder aus, in denen die großen Tiere der Eiszeit nicht leben konnten. Stattdessen entstanden kleinere Tierarten. Neben dem Fleisch dieser Tiere waren Beeren und Wurzeln die Hauptnahrungsmittel der damaligen Bewohner Europas.

Die Urform des Weizens war das Einkorn, das zuerst im Taurus-Gebirge in der heutigen Osttürkei kultiviert wurde. Durch Mutation entstand aus dem Einkorn der Emmer, und aus diesem der Dinkel, den es nicht nur in weiß-grauer Farbe gibt, sondern auch in Schwarz und Rot. Der heute häufig verwendete Weizen ist eine spezielle Dinkelsorte.

Der Getreideanbau verbreitete sich zunächst im „fruchtbaren Halbmond“, zu dem Ägypten, die Levante und das Zweistromland gehören. Nun konnten sich mehr Menschen auf kleinerem Raum ernähren. Kehrseite dieser Entwicklung war, dass mit der Lagerung von Getreide der Grund für kriegerische Auseinandersetzungen geschaffen wurde, da nun einige Menschen etwas besaßen, was andere dringend brauchten.

Das erste Getreide im Bereich des heutigen Deutschlands ist für die Epoche der Bandkeramik-Kultur (5500 bis 4900 vor Christus) nachgewiesen, berichtete Manfred Rapp. Gekommen sind dabei nicht nur die Anbaumethoden des Nahen Ostens, sondern auch Menschen von dort, wie die Genetik nachweisen konnte. Die Sesshaftwerdung der Menschen nennt man die neolithische Revolution. Auch in unserem Raum kam mit dem Getreide die Gewalt unter Menschen, wie jungsteinzeitliche Massengräber bei Talheim und Obereisesheim im Heilbronner Raum belegen.

Das römische Reich ist ohne Getreide nicht vorstellbar. In dieser Gegend entwickelte sich das Neckartal zwischen Heilbronn und Stuttgart zu der am dichtesten besiedelten Region mit zahlreichen römischen Gutshöfen. Dennoch musste zusätzlich Getreide importiert werden. Transportiert wurde es am kostengünstigsten über die Flüsse, wobei Boote mit geringem Tiefgang eingesetzt wurden. In Italien wurde hauptsächlich Emmer angebaut, in Germanien hingegen Dinkel, der aufgrund seiner dickeren Schale Vorteile bei der Lagerung aufweist und zudem auch besser schmeckt.

Autor ist Torsten Pasler, Betreuer des Römermuseums Mainhardt

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