Wer für die Wildschäden aufkommt

Ein ausgeklügeltes System zwischen Flächeneigentümern, Jägern und Landwirten soll die Schäden durch Wild verursachten Zerstörungen gering halten.

|

In der April-Sitzung des Obersontheimer Gemeinderats stand die Jagdverpachtung auf der Tagesordnung. In anderen Gemeinden wie etwa in Bühlerzell muss sich der Gemeinderat nicht mit diesem Thema beschäftigen. Und zwar, weil die flächenstarke Gemeinde Bühlerzell eine Jagdgenossenschaft hat, die sich selbst verwaltet. Alle Eigentümer von Wald-, Acker- und Wiesenflächen, also Flächen, auf denen die Jagd erlaubt ist, sind automatisch Mitglieder einer Jagdgenossenschaft. „Und zwar kraft Gesetz“, stellt Obersontheims Kämmerer Jonathan Richter im Gespräch mit dem HT klar. Es sei aber möglich, sich von dieser Verpflichtung befreien zu lassen, so Richter.

Selbstverständlich gibt es auch im Hauptort der Gemeinde Obersontheim Besitzer nicht eingefriedeter Grundstücke. Sie sind Mitglieder der Jagdgenossenschaft Obersontheim. Da es hier keinen eigenen Vorstand gibt, ist der Gemeinderat verpflichtet, die Jagdgenossenschaft zu verwalten. Ähnliches gilt für den Jagdbezirk Mittelfischach, wo der Ortschaftsrat für die Verwaltung der Jagdgenossenschaft zuständig ist.

Aber wozu gibt es überhaupt Jagdgenossenschaften? Ein Jagdgenosse besitzt das Jagdrecht, darf es aber in der Regel nicht selbst ausüben. Die Jagdausübung, also das Recht, tatsächlich Wild zu jagen, vergeben die Jagdgenossen für ihren Jagdbezirk meist per Vertrag an Jagdpächter. Um diese Verträge, die für die beiden Jagdbezirke Obersontheim und Mittelfischach 2018 ablaufen, ging es in der jüngsten Obersontheimer Gemeinderatssitzung. Wenn möglich, sollen die aktuellen Verträge mit den Jagdpächtern verlängert werden. Darin waren sich Jagdgenossen und Gemeinderäte einig. „Das hat den Vorteil, dass das örtliche Jäger sind und man sich kennt“, so Richter.

Im Raum Obersontheim ist vor allem das Schwarzwild eine Gefahr für Äcker und Grünland. Aufgabe der Jagdpächter ist es, Wildschäden zu verhindern, indem sie den Bestand regulieren. Kommt es trotzdem zu Wildschäden, müssen die Jagdpächter dem Bewirtschafter der Fläche in der Regel eine Entschädigung zahlen. Bewirtschafter ist ein Jagdgenosse, der seine eigene Fläche bestellt, oder ein Landwirt, der die Fläche gepachtet hat. Der Jagdbezirk Obersontheim hat für die Zahlungen einen Wildschadensfonds, in den die Jäger einzahlen, während in Mittelfischach jeder Jäger seinen Wildschaden selbst übernimmt.  „Wichtig ist, dass die Landwirte in engem Kontakt zu ihrem Jäger stehen, um gemeinsame Wildschadensvorkehrungen festlegen zu können“, so Jonathan Richter. Damit meint er etwa Zäune, die dem Wild den Zugang zum Acker erschweren und Korridore zwischen Feld- und Waldrand, um den Jägern den Abschuss der Wildschweine zu ermöglichen.

Pauschale in Bühlertann

Auch in Bühlertann verwaltet seit ein paar Jahren der Gemeinderat die Jagdgenossenschaft. Wildschäden begleicht die Gemeinde aus den Pachtzahlungen der Jäger sowie aus einem Pauschalbetrag, den jeder Jäger entsprechend seiner Jagdfläche entrichtet. „Diese Regelung haben wir seit 2014. Damit sind die Jäger außen vor, bekommen aber auch nichts zurück, falls etwas von der Pauschale übrig bleibt“, stellt Bühlertanns Kämmerer Wolfgang Ziegler fest. Im Moment reiche die Pauschale nicht, aber man müsse das längerfristig sehen, erklärt er. Der nächste Schritt der Gemeinde wäre, eine Umlage von den Jagdgenossen zu verlangen.

Anders läuft es in der Jagdgenossenschaft Bühlerzell. „Bei uns bezahlen die Jäger die Wildschäden bis zu einem Höchstbetrag selbst. Aber viele Landwirte stellen auch gar keinen Schadensersatzanspruch, da ihnen bewusst ist, dass in der Natur nicht jeder Schaden verhindert werden kann“, erklärt Kassierin und Schriftführerin Ulrike Schmid.

In der Jagdgenossenschaft Untersontheim übernehmen die Jäger nur bis zu einem Maximalbetrag den Ausgleich von Wildschäden. „Was darüber hinausgeht, übernimmt die Genossenschaft. Dabei werden wir bleiben, das hat sich bewährt“, schildert der Vorsitzende Alfred Keller.

Jagdgenossenschaften wachen über die korrekte Jagdausübung und kontrollieren die ordnungsgemäße Erfüllung der Hege- und Pflegepflichten der in ihnen organisierten Grundeigentümer. Oft stellen sie freiwillig den Jagdertrag für Gemeindeaufgaben wie Wegebau oder ökologische Maßnahmen zur Verfügung. Sie übernehmen die Pflege der Wald- und Feldwege und tragen so dazu bei, Strukturen in ländlichen Regionen aufrechtzuerhalten, zu verbessern und zu gestalten. Sie pflegen die natürlichen Lebensräume etwa durch die Anlage von Hecken, Feuchtbiotopen oder die Ansaat von Stilllegungsflächen. (Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer)

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Bürgerpreis für Wolfgang Rosenzweig

Der Mitbegründer des Jugendtheaterfestivals erhält den Bürgerpreis für sein Engagement im Bereich des Jugendtheaters. Bei der Verleihung äußert er auch Wünsche. weiter lesen