Weilerwiese: Parkplätze kontra Sportpark

Der Sportpark Weilerwiese steht auf der Kippe. Die Stadtwerke wollen dort eine vergrößerte Tiefgarage bauen. Nun ist geplant, die angedachten Spiel-, Sport- und Freizeitelemente in der Stadt zu verteilen.

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Ruhig, sachlich, bestimmt: Wer den Oberbürgermeister bei Auftritten beobachtet, der wartet meist vergebens auf Emotionen. Am Montag, bei der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses, zeigt Hermann-Josef Pelgrim eine andere Seite: Er schlägt auf den Tisch, fährt seinen persönlichen Referenten an: "Jetzt reichts aber, schmeißen Sie die Leute endlich raus." Auslöser sind Besucher der Sitzung, die mit einem meterlangen Transparent protestieren. Darauf steht: "Weilerwiese: Jugend in Hall wäre so schön, wenn sie nur ein Auto wäre!" Ihre Forderung ist der Bau des Sportparks Weilerwiese - so, wie er 2013 vom Rat beschlossen worden war. Konzipiert hatten ihn Bürger und Verwaltung gemeinsam.

Der Gemeinderat hatte vor den Sommerferien die Ausschreibung aufgehoben, weil nur ein überteuertes Angebot eingegangen war. Zwischenzeitlich ist ein weiteres Projekt in unmittelbarer Nähe genehmigt: ein Ärztehaus samt Zwillingsbau. Darunter wollen die Stadtwerke eine große Tiefgarage bauen. Konsequenz: Die Fläche, auf der der Sportpark entstehen sollte, wird während der mehrjährigen Bauzeit benötigt.

"Das Ärztehaus ist in trockenen Tüchern", so Pelgrim. Der Zwillingsbau, realisiert von der Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft, sei kurz davor. Nicht beschlossen ist der Bau der Tiefgarage. Pelgrim warnt vor einem enormen Parkplatzmangel, wenn die Tiefgarage im Landratsamt und die Stellflächen am Haalplatz wegen des Umbaus wegfallen. Statt 2730 Stellflächen gebe es ab 2017 nur bis zu 2300. "Wir brauchen die Tiefgarage. Alles andere ist eine strategische Fehlplanung."

Nun will die Verwaltung die Elemente des Sportparks umsiedeln: Vogelnestschaukel auf den Unterwöhrd; Hartplatz, Sprunggrube und Laufbahn an der Auwiese. Für die Skater soll die Anlage am Schulzentrum West erweitert werden. Die Stadt habe mit Jugendlichen gesprochen. "Es herrscht ein hohes Maß an Verständnis", so Pelgrim. Den Jugendlichen sei nur wichtig, dass bald eine Lösung kommt - nicht wohin. Zudem könne nach dem Bau der Tiefgarage dennoch eine Freizeitfläche auf der Weilerwiese entstehen.

Thomas Weber (CDU) begrüßt die Pläne der Verwaltung. Hall sei ländlicher Raum, wo viele mit Auto unterwegs seien. Seine Fraktion habe nur Bedenken bei der Auwiese als Fläche für die Sportelemente.

Thema nicht an den Rand schieben

Wut herscht dagegen bei Helmut Kaiser, Fraktionssprecher der SPD. "Die unendliche Geschichte der Weilerwiese wird tragisch-komisch." Eineinhalb Jahre lang sei das Thema diskutiert worden. Man dürfe das Angebot "nicht an den Rand schieben. Das macht mich betroffen."

Andrea Herrmann, Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen, hinterfragt die Glaubwürdigkeit des Gemeinderats. Das Ergebnis des Workshops sei ein stimmiges Gesamtkonzept. Es dürfe nicht sein, wegen Parkplätzen dieses zu verwerfen. "Planloser und konzeptloser geht es nicht mehr", schimpft sie und erntet Applaus von Besuchern. Jutta Niemann, ebenfalls Grüne, geht weiter: "Die Vorlage ist beschämend." Von Grundschulkindern erwarte man, dass sie einen Kilometer zur Laufbahn an der Auwiese spazieren sollen, "Touristen wird der Weg von dort, wo es viele kostenlose Parkplätze gibt, nicht zugemutet".

Rückhalt bekommt Pelgrim von Hartmut Baumann (Freie Wählervereinigung): Städteentwicklung sei ein Prozess. Seit der Bolzplatz Weilerwiese 2008 zum Parkplatz umfunktioniert wurde, habe sich die Parkplatzsituation weiter verschärft. "Da muss man an die Wirtschaft denken, die ihre zahlungskräftigen Kunden braucht." Statt Laufbahn und Sprunggrube an die Auwiese zu verlegen, bittet Baumann aber darum, Flächen in unmittelbarer Nähe zu den Schulen am Langen Graben zu suchen.

Auch Kristian Neidhardt (FDP) steht hinter Pelgrims Plänen. "Wenn die Skateranlage im Westen ertüchtigt wird, ist den Skatern doch genüge getan." Die Stadt könne nicht jedem eine Spieleinrichtung vor das Haus setzen. Hall sei eine Touristenstadt: Bei der Umgestaltung solle daher der Fokus auch auf Wohnmobil-Stellplätze gerichtet werden.

Den Antrag von Helmut Kaiser, die Arbeiten für den Bau des Sportparks Weilerwiese erneut auszuschreiben, ignoriert der OB. Er lässt abstimmen, ob die Tiefgarage größer gebaut werden soll. CDU, FWV und FDP stimmen geschlossen dafür, SPD und Grüne dagegen. Dass der Skaterpark im Westen erweitert werden soll, sieht Ernst Michael-Wanner (SPD) kritisch: "Wir sollten nicht woanders bauen, damit die Option Weilerwiese bleibt." SPD und Grüne (außer Damiana Koch) enthalten sich daher, die anderen stimmen für die Erweiterung. Letzlich muss noch der Gemeinderat am 13. Oktober darüber abstimmen.

Kommentar: Fatales Signal

Es mag berechtigt sein, dass die Verwaltung wirtschaftliche Aspekte bei der Umgestaltung der Weilerwiese vorzieht: Hall lebt von Bewohnern, Touristen und Unternehmen. Zudem ist das Engagement Privater, ein Ärztehaus zu bauen, grundsätzlich zu begrüßen.

Es bleibt aber ein fatales Signal gegenüber der Jugend. Seit Jahren wartet sie auf die Wiederbelebung des Bolzplatzes, der ein Sportpark werden sollte. Manche sind längst erwachsen. Für kommende Generationen sieht es mau aus - auch, weil die geplanten Elemente an den Stadtrand abgeschoben werden sollen.

Dringend nötig ist aber ein konzentriertes Angebot in der Innenstadt - daran mangelt es mehr als an Parkplätzen. Die Verwaltung sollte ihren Blick schärfen: Um eine attraktive Stadt zu werden, müssen alle Altersgruppen berücksichtigt werden - nicht nur die zahlungskräftigen.

THUMILAN SELVAKUMARAN

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