Wasserspiele in blauem Glanz

Der Mond lugt hinter dem Neubau hervor, schimmert durch die Wolkenschicht. Rumms, die erste Rakete kracht. Der Höhepunkt des 60. Sommernachtsfests in Schwäbisch Hall steht am Samstag um 23 Uhr an.

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So blau ist das Wasser im Kocher selten. LED-Lichter strahlen den Fluss und die historischen Gebäude der Altstadt bis hoch zum Neubau an. Die Stadtwerke haben die Beleuchtung in diesem Jahr für mehrere Tausend Euro gesponsert. Foto: Ufuk Arslan

Tausende Besucher blicken zum Himmel. Mancher wundert sich: So mickrige Leuchteffekte? Doch nach der ersten ruhigen Minute legt der Feuerwerker richtig los. Mehr als zehn Minuten lang lässt das Brillantfeuerwerk die Besucher staunen - sie applaudieren, freuen sich am recht warmen und trockenen Abend.

Das Fest steht Stunden vor der Eröffnung auf der Kippe. Um 16.15 Uhr prasselt ein Schauer auf Hall nieder, begleitet von Donnerschlägen, die nicht von den Kanonen der Sieder stammen. Die ehrenamtlichen Helfer bringen aber bis 20 Uhr die 33000 Lichter zum Leuchten.

So erhält Jerome Umminger ein gutes Fotomotiv. Er schraubt in den Ackeranlagen seine Canon auf ein Stativ. "Ich glaube, ich könnte heute Leihgebühr für das Stativ verlangen", sagt er. Denn etliche Festgäste versuchen, den Lichterzauber mit Handy-Kameras einzufangen.

Die Fotos von Jerome Umminger gelingen. "Ich bin Hobbyfotograf", erzählt der 28-Jährige, der seit Anfang August in Hall wohnt und bei der Bausparkasse arbeitet. "Ich könnte mit dem Chip noch über 1000 Fotos machen. Wenn ich das täte, wäre meine Freundin aber nicht einverstanden." Die ist mit dabei - und etwas Romantik soll am Abend schon aufkommen. Dazu bietet das Fest auch Gelegenheiten.

Ein Pärchen küsst sich vor zwei aufgeblasenen Herzen, die rot und weiß beleuchtet sind. Drei Mädchen stehen mit ihren Handys davor, fotografieren den Kuss und kichern. "Das ist süß", ruft eine aus. Auch an einer zweiten Stelle sind Herzen nachgebildet, die Pärchen zu Liebesbekundungen einladen. "Jetzt kommt gleich der Heiratsantrag", kommentiert eine ältere Frau, als sich die jungen Liebenden küssen. Der Antrag lässt auf sich warten - auch unverheiratet kann man auf dem Fest einiges erleben.

"Auf Schwäbisch Hall. Was ist los? Kommt!", ruft Andrew Lauer von der Band Heatwave aus. Die Gruppe spielt auf der mittleren Bühne im Park. Der Aufruf fruchtet, zahlreiche Fans reißen die Arme in die Höhe. Während sich einige Zuhörer vor der Bühne scharen, sitzt um halb zehn Uhr noch kaum jemand an den Biertischen dort.

"Die Besucher sind erst sehr spät gekommen, um 20 Uhr war noch wenig los", bilanziert Robert Spoden hinterher. "Wir sind aber noch mit einem hellblauen Auge davongekommen", erzählt der Festorganisator. Genaue Zahlen kann er noch nicht nennen. Die sonst übliche 10 000er-Marke werde sicher nicht erreicht. "Es kommen wohl halb so viele wie sonst", schätzt Spoden. Für die ist das Fest aber besonders schön, da sie sich nicht - wie es sonst auch schon mal vorkommt - die Wege entlangschieben müssen.

Neu in diesem Jahr: Die Stadtwerke haben die Turbine im E-Werk gedrosselt, viel Wasser fließt über das Stadtmühlenwehr, das auch noch blau angestrahlt wird. Zudem beleuchten LED-Lichter, gesponsert von den Stadtwerken, vom Grasbödele aus die Altstadtkulisse.

"Ich als Amerikaner finde die beleuchtete Stadt sehr schön", sagt Ken Swiers, der seit Jahren in Hall lebt. "Ich bin schon zum 15. Mal hier. Romantisch war das Lichterfest schon beim ersten Mal, als wir noch nicht verheiratet waren." Ehefrau Claudia nickt zustimmend.

Pech haben die Festorganisatoren dann doch noch: Platzregen beim Platzkonzert am Sonntag: Die Sieder spielen vor 50 durchnässten Zuhörern. Neu wäre der Tanz der kleinen Sieder am Sonntag gewesen. Doch der wird abgesagt. Auch beim "Chill & Grill", kommt einfach niemand, um im Park Würstchen zu braten. Spoden: "Es ist einfach kein Kurze-Hosen-Grillwetter."

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