Warum der Solpark kein Park wird

Die Firma Optima stellt ihre Erweiterungswünsche zur Diskussion. Das Konzept „Arbeiten im Grünen“ von vor 20 Jahren passt nicht mehr in die Zeit. Es gibt wenig, aber vehementen Widerstand.

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Solpark – im zweiten Teil des Namens steckt heute ein Problem. Dabei diskutierten die Haller Stadträte vor rund 20 Jahren hitzig über den ersten Teil, erinnert sich Roland Heckelmann, damals FWV-Stadtrat. Der damalige Baubürgermeister Klaus Grabbe schlug Solepark vor, änderte den Namen aber auf Solpark, da ja oben auf dem Berg kein Salz gefunden wurde.

Mit  „Sol-“ als Anlehnung an die Sonne hat heute wie damals niemand ein Problem. Mit dem „Park“ aber schon. „Damals ging man von großen Freiflächen aus, um ein Arbeiten im Grünen zu ermöglichen“, erläutert Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim bei einer Bürgeranhörung zu den Bebauungsplanänderungen am Montag in der Feuerwache Ost. „Doch der Bedarf war ein anderer.“ Es kamen keine kleinen Betriebe, die sich um einen Park gruppierten, sondern große Unternehmen wie Würth mit seiner Solarfabrik.

Daher soll nun die Konsequenz gezogen werden. Im Innenbereich des Solparks werden die genau definierten Grünflächen so nicht mehr vorgegeben. Stattdessen soll lediglich vorgeschrieben werden, 20 Prozent der Grundstücksfläche unbebaut zu lassen. Im Solpark sollen sich nach den Plänen der Stadtverwaltung darüberhinaus weitere Dinge verändern: Die Gebäude sollen bis zu 16 Meter hoch gebaut werden dürfen. Als man von einem „Industriepark“ ausging, waren sie auf 12 im Außenbereich und 9 Meter im Innern beschränkt.

Das stößt bei der Bürgeranhörung, zu der 30 Anwohner und Stadträte kommen, auf geringen, aber vehementen Widerstand. Das Unternehmer-Ehepaar Walenzik ist dagegen. Das Gebäude für ihre Firma Antewa in der Alfred-Leikam-Straße wurde 2011 bezogen. Für den Spezialisten für Ventilatoren und Strömungstechnik galten die alten Höhenbeschränkungen von neun Metern.

„Nicht nur bei uns, sondern bei vielen anderen Firmen wurden die Beschränkungen strikt ausgelegt“, erinnert sich Gabriele Walenzik. Und nun soll alles anders sein. Der Blick werde mit einer Höhenfreigabe bis 16 Meter verbaut. „Lex Bühler“, nennt es Gabriele Walenzik.

Hans Bühler, Geschäftsführer und Gesellschafter der großen Haller Maschinenbaufirma Optima, kontert die Einwände seiner Nachbarn im Solpark. Es ist ihm sichtlich anzusehen, wie er versucht bei seiner Antwort möglichst ruhig zu bleiben. „Sie haben ein Grundstück mit freier Aussicht gekauft“, sagt er. Doch in einem Industriegebiet sei damit zu rechnen, dass die restlichen Flächen bebaut werden.

Im Übrigen sei die Optima von der restriktiven Höhenbeschränkungen bisher auch betroffen gewesen: „Wir mussten uns auch einschränken: Willkommen im Club.“

Fakt sei auch: Vor dem jetzt geplanten neuen Optima-Gebäude soll eine rund zwölf Meter breite Grünfläche entstehen. Das komme den Mitarbeitern der Antewa zu Gute, denn in einem so großen Abstand falle die Sichteinschränkung nicht in so großem Maße ins Gewicht.

  Über diese Einwände und einzelne Nachfragen hinaus wird bei der Anhörung keine grundsätzliche Kritik an den Bebauungsplanänderungen und den Plänen der Optima geäußert. Geplant ist dabei immerhin, die Otto-Hahn-Straße ins neue Firmengelände zu integrieren. Eine Verbindung zwischen Solpark und Ostumfahrung würde damit wegfallen.

„Dass diese Straße ein besonderes Stück Erde ist, weiß jeder. Auch mir ist das klar“, sagt der Firmeninhaber. Er begründet die geplante Umwidmung der Straße so: 50 Millionen Euro würden in den nächsten fünf Jahren vor allem im Haller Osten in neue Optima-Gebäude gesteckt. Das sei nötig, da etliche Mitarbeiter sogar in Containern arbeiten müssten. Wenn man schon investiert, müsse man auf Effektivität setzen. Alles soll möglichst nah beieinander sein.

Die Optima stehe im internationalen Wettbewerb und da mache es schon einen Unterschied, ob mehrere hundert Mitarbeiter täglich Umwege gehen müssten oder eben nicht. Auch für die Materialströme sei es wichtig, dass keine öffentliche Straße das Firmengelände durchschneide. Mit der Straße als Hürde müssten 1000 Teile täglich verpackt, aufgeladen, mit LKW transportiert, abgeladen und wieder ausgepackt werden. Ohne die Straße als Hindernis könne ein Werkfahrzeug, das 5 Kilometer pro Stunde fährt, die Präzisions- und Oberflächenbehandelten Teile viel einfacher von A nach B bringen. Das leuchtet vielen im Saal ein.

In den nächsten Wochen können Bürger noch Einwände gegen die Pläne bei der Stadtverwaltung vorbringen. Danach werden diese bewertet und der Gemeinderat entscheidet, ob die Straße aufgegeben und die Regeln fürs Bauen gelockert werden.

Der Standort am Steinbeisweg soll erstens saniert werden. Das ist zum Teil bereits erfolgt, erläutert Firmenchef Hans Bühler. Zweitens soll im Solpark der Materialeingang samt Lager entstehen und als drittes die Teilefertigung. Punkt vier und fünf seien ein neues Büro für die Tochterfirma Inova und ein neues Haus für die Zentralabteilung im Solpark. Kosten: 50 Millionen Euro. Bauzeit: fünf Jahre. 

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