Wallanders allerletzter Fall

In Tübingen feiert eine Wallander-Oper Premiere. Auf der Bühne steht ein Großaltdorfer, der an der Eberhard-Karls-Universität Skandinavistik studiert.

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Kurt Wallander ist an Alzheimer erkrankt. Im letzten Roman der Krimireihe kämpft der Kult-Kommissar des schwedischen Autors Henning Mankell gegen den Gedächtnisverlust. Seine Vorliebe für die Oper hat er nicht verloren. In seinem Auto lauscht er dem Gesang von Maria Callas. Dass der schwedische Kommissar nun selbst zur Opernfigur wird, hat er einer internationalen Ko-Produktion der Städte Tübingen und Ystad zu verdanken, die Wallander in „W – The Truth Beyond“ zur Hauptfigur einer Kriminaloper macht.

Initiator der Wallander-Oper war der Musikdirektor der Universität Tübingen, Philipp Amelung. Unter seiner Leitung wird der akademische Chor der Universität mit dem aus Großaltdorf stammenden Hannes Hofer als Opernchor auf der Bühne stehen und gemeinsam mit den Solisten das Stück aufführen. Regie führt die Opernregisseurin Julia Riegel. Die Partitur komponierte der schwedische Komponist Fredrik Sixten, das Libretto verfasste der schwedische Dramatiker Klas Abrahamsson.

Die Handlung der Oper ist keine Kopie eines bestehenden Romans. Sie knüpft vielmehr an den letzten Wallander-Roman „Der Feind im Schatten“ an und wird damit zum allerletzten Fall von Kurt Wallander: Auf seinem Abschiedsfest anlässlich seiner Pensionierung wird der an Alzheimer erkrankte Kommissar Wallander (Mathias Boccio) von Tobias Jonsson (Gustavo Martín Sánchez) angesprochen. Diesen hatte Wallander vor 15 Jahren des Mordes am eigenen Vater überführt. Auch nach jahrelanger Haft beteuert Jonsson seine Unschuld. Damit ist Wallanders Neugierde geweckt und er beschließt, den Fall mit Hilfe seiner Tochter Linda (Lisbeth Rasmussen Juel) neu aufzurollen.

Der achtstimmige Chor hat innerhalb der Oper unterschiedliche Aufgaben. Manchmal übernimmt er ohne Text eine atmosphärische Funktion, manchmal wird er in die Handlung eingebunden. Gelegentlich bekommt er auch eine narrative Funktion und tritt gewissermaßen aus der Handlung heraus. Ohne begleitende Orchesterstimmen ist die Oper eine gesangliche Herausforderung, die der Chor aber gerne annimmt.

Auch Komponist Fredrik Sixten zeigt sich leidenschaftlich: „Es ist mir nicht schwergefallen, mich für dieses faszinierende Projekt zu entscheiden“, sagt der Schwede. „Dank des genialen Librettos von Klas Abrahamsson hat die Wallander-Oper alles, was sich Komponisten wünschen: große Gefühle, eine spannende Krimihandlung, eine zeitgemäße Botschaft und daher viele Gelegenheiten, die Ausdrucksstärke meiner Musik in ihrer ganzen Bandbreite zu präsentieren.“ Dabei sticht vor allem die literarische Qualität des lyrischen Librettos heraus. Kein Wunder, schließlich greift die Krimioper den gesellschaftskritischen Ton von Henning Mankell auf.

Während die intensive Probenphase des Mammutprojekts fast beendet ist, steigt die Aufregung vor der zweieinhalbstündigen Premiere am Freitag, 15. Juli. Über Monate hinweg hatten Solisten, Chor und Orchester das Stück einstudiert, dessen tonale Musik neben den Leitmotiven einzelner Figuren auch Elemente des Polizeialltags erkennen lässt. Besondere Ehre wird dem Projekt durch die geplante Anwesenheit von Ex-Bundespräsident Horst Köhler bei der Aufführung in Tübingen zu Teil. Der Honorarprofessor der Universität Tübingen stand in engem Kontakt mit dem 2015 verstorbenen Henning Mankell, nicht zuletzt aufgrund des gemeinsamen Engagements in Afrika.

Henning Mankell selbst hatte seine Unterstützung des Projektes zugesagt. Er war gespannt, wie seine Romanvorlage als „Trampolin“ genutzt werden würde, um in das tiefe Wasser der Wallander-Welt zu springen.

Von 8. bis 22. August wird das Ensemble ins schwedische Ystad reisen und die Oper in der Heimat Wallanders im dortigen Theaterhaus aufführen. Die Opernpremiere seiner Figur Wallander wird der an Krebs verstorbene Mankell  leider nicht mehr miterleben. Sein Vermächtnis lebt jedoch ohne Zweifel weiter.

Info Der Autor des Texts ist Hannes Hofer, der an der Oper mitwirken wird.

Termine und Tickets

Vorstellungen Premiere der Wallander-Oper ist am Freitag, 15. Juli, 19.15 Uhr im Festsaal Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz. Weitere Vorstellungen sind am Samstag, 16. Juli, und am Montag, 18. Juli, jeweils zur gleichen Zeit und an gleichem Ort.

Sprache Die Oper wird in englischer Sprache aufgeführt, in Tübingen gibt es dazu deutsche Übertitel.

Tickets gibt es im Internet auf www.wallander-opera.com

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