Waldorfschule darf wachsen

Die Freie Waldorfschule kann sich auf dem Teurershof vergrößern. Der Gemeinderat genehmigte zusätzliche Flächen. Zudem wird der Erbpachtzins von 106393 Euro auf einen symbolischen Euro pro Jahr reduziert.

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Geplante bauliche Entwicklung der Freien Waldorfschule in Schwäbisch Hall.  Foto: 

Fabian Stoermer, Lehrer und Geschäftsführer der Haller Waldorfschule, hält es nach der Abstimmung im Gemeinderat nicht mehr auf seinem Besucherstuhl. Er springt auf und bedankt sich bei den Räten. Eine solche Unterbrechung kommt nur selten vor.

Die Pläne der Schule, die neben Kinderbetreuung einzügig Hauptschulabschluss, Mittlere Reife und Abitur anbietet, sind ehrgeizig. Die bestehende Fläche von 27231 Quadratmeter soll in Richtung Teurerweg um 9460 Quadratmeter erweitert werden. Neubauten sind geplant, etwa für Kindergarten und Kinderkrippe, außerdem eine Außensportanlage, die bislang fehlt. Zudem soll die Turnhalle vergrößert werden, wo der Circus Compostelli eine dauerhafte Bleibe hätte.

Grund für die Erweiterung: Die Schule will einen Ganztagesbetrieb ermöglichen. Zudem muss der Verein die Räume im Anwesen Bier aufgeben, wo derzeit die Kinderkrippe untergebracht ist. Neben Neubauten setzt der Verein auch auf die Sanierung des kaum genutzten und unter Denkmalschutz stehenden Südbaus. Dort sollen Lehrer- und Schüler-Aufenthaltsräume entstehen.

"Bürgerpreisträger verdienen immer einer Förderung"

"Es geht um die Zukunftssicherung der Waldorfschule", wirbt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Das Vertrauen sei über Jahre angewachsen. Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm ergänzt: "Das pädagogische Konzept ist aus der Stadt nicht mehr wegzudenken."

Damit die Schule erweitert werden kann, muss aber auch die Stadt tief in die Tasche greifen. "Wir können ohne Zuschüsse das Vorhaben nicht umsetzen", sagt Stoermer, der keine Mittel aus der pädagogischen Arbeit der Schule nehmen will.

Dem Verein wird für die bisherigen Flächen ein jährlicher Erbpachtzins von 106.393,42 Euro berechnet, wovon die Stadt 54984,17 Euro bezuschusst. Die Schule muss 51.409,25 Euro selbst tragen. Nun will die Stadt auf die Zahlungen verzichten und nur noch einen symbolischen Euro verlangen.

"Der Unterschied zwischen einer staatlichen Schule und einer in freier Trägerschaft soll deutlich werden", fordert Helmut Kaiser, Fraktionschef der SPD und pensionierter Schulleiter. "Wir wollen keine Überförderung." Solange die Schule aber ein ganzheitliches Angebot schaffe und die Schülerzahlen nicht stiegen - derzeit sind es 495 bei 70 Angestellten - könne seine Fraktion das Vorhaben unterstützen.

Ruth Schmalzriedt von der Freien Wählervereinigung ist überzeugt, dass das Projekt unterstützt werden muss, "weil einige Eltern gerade wegen der Schule nach Hall ziehen". Zu diesen gehört Werner Feucht von den Grünen. "Ohne die Waldorfschule würde ich nicht hier im Gemeinderat sitzen." Thomas Preisendanz (FDP) ist überzeugt, dass "Bürgerpreisträger immer eine Förderung verdienen". Michael Rempp (SPD) kritisiert, dass an staatlichen Schulen in der Ganztagesbetreuung Geld fehle, ein freier Träger aber großzügig bezuschusst werde.

Unklar bleibt die künftige Nutzung des Anwesens Bier. Die Stadt will es nach dem Auszug der Schule verkaufen und vom Erlös bis zu 300.000 Euro der Schule zuschießen.

Das wird von den Fraktionen abgelehnt. "Uns ist es wichtig, dass dieses Anwesen in städtischer Hand bleibt", sagt Andrea Herrmann, Fraktionssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, die sich dort ein stationäres Hospiz vorstellen kann. Uta Rabe (CDU) will die Anwesen-Frage vom Antrag streichen. Die Förderung über 300000 Euro soll unabhängig vom Verkauf bezahlt werden. Die Räte stimmen bei zwei Enthaltungen (Michael Rempp, SPD; Walter Frank, CDU) für diesen Vorschlag.

Damit sind die Weichen für die Waldorfschule gestellt. "Die bauliche Entwicklung kann jetzt beginnen", so Stoermer. Zunächst soll nach Plänen des Architekten Wolfgang Kuhn Kindergarten und Krippe sowie Außensportanlage entstehen. Der Rest müsse etappenweise folgen. "Wir wollen so schnell wie möglich starten, schon im neuen Schuljahr." Im Herbst oder Frühjahr könnten die Bagger rollen.

Eltern tragen Kosten mit

Beitrag Die Freie Waldorfschule hat sich als Verein organisiert. Die öffentliche Schule in freier Trägerschaft wird vom Land mit 75 Prozent der Betriebskosten bezuschusst. Den Rest müssen die Eltern tragen - zwischen sieben und zwölf Prozent des Nettoeinkommens samt Kindergeld. Im Schnitt sind das 214 Euro pro Monat und Haushalt. Zusätzlich werden 2500 Euro Baudarlehen verlangt, die nach Ausscheiden aus der Schule zurückgezahlt werden.

SWP

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