Vorbereitungen für Weilertunnel: Neue Reifensteige wird vorbeugend verstärkt

Die Neue Reifensteige, eine der Hauptverkehrsachsen in Hall, wird saniert. Durch den Bau des Weilertunnels wird dort eine höhere Belastung erwartet.

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Spurrillen, Risse in der Fahrbahndecke, eine fehlende Bindeschicht: Die Neue Reifensteige ist durch Autos und Schwerlastverkehr stark beansprucht.  Foto: 

Ein Knopfdruck, eine laute Explosion: Es ist der 22. Mai 1987, ein Freitag, als Ilse Binder mit der ersten Sprengung den symbolischen Baustart des Tunnels markiert. Ein Jahr später ist das 120 Meter lange Bauwerk, benannt nach seiner Patin „Ilse“, die Gattin des damaligen Oberbürgermeisters Karl-Friedrich Binder, fertig.

Heute, 28 Jahre später, gilt die Neue Reifensteige samt „Ilse-Tunnel“ weiterhin als wichtige Achse in Hall. Sie verbindet neben der rund einen Kilometer entfernten Stuttgarter Straße die Stadt mit den Wohngebieten auf den westlichen Höhen. Wenn ab 2017 der Weilertunnel an der Stuttgarter Straße gebaut wird, erwarten die Planer daher, dass die Neue Reifensteige als Ausweichstrecke stärker frequentiert wird.

Zwar seien Sperrungen an der Stuttgarter Straße nicht vorgesehen, „es kann aber vereinzelt dazu kommen“, so Peter Klink, städtischer Fachbereichsleiter Planen und Bauen, in der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses. Daher habe die Verwaltung außerhalb der regelmäßigen Straßenkontrollen potenzielle Umleitungsstrecken gesichtet. Es sei davon auszugehen, dass gerade Ortskundige den Baustellenbereich umfahren werden.

Reinhold Goisser, Abteilungsleiter Tiefbau, erläutert, dass bei einer Begehung der Neuen Reifensteige Risse und Verdrückungen aufgefallen seien. „Wenn man bei Regen über die Fahrbahn fährt, sieht man Spurrillen. Der rechte Fahrbahnrand ist brüchig.“ Zunächst sei eine Bohrkernprüfung in Abständen von rund 100 Metern erstellt, dann mittels Georadar die Strecke vollflächig abgetastet worden. Es gebe große Teile, wo die Bindeschicht fehlt – ein Mangel, der vermutlich bereits beim Bau der Strecke entstanden ist. Jetzt könne die Stadt aber noch mit „relativ überschaubaren Mitteln“ dafür sorgen, dass die Straße dennoch lange genutzt werden kann. 445 000 Euro soll das Vorhaben kosten.

Thomas Weber von der CDU fragt sich, „ob seit der Eröffnung der Strecke nichts gemacht wurde“. Goisser bestätigt. Und Nikolaos Sakellariou (SPD) will als „Nicht-Sachverständiger“ nicht so recht erkennen, dass die Straße schon „fällig wäre“.  Man wisse ja, dass mehr Verkehr kommt. „Wieso macht man das nicht alles schön, wenn der Tunnel fertig ist und die Belastung abnimmt?“

OB Pelgrim: Im Grunde eine Vorsichtsmaßnahme

Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim entgegnet: „Wenn jetzt zusätzliche Autos und Schwerlastverkehr auf die Straße kommen, dann geht sie total kaputt.  Dann reicht diese Maßnahme nicht, dann geht es in die komplette Sanierung.“ Ziel sei nicht, die Straße schöner zu machen. Es gehe um Sicherheit, besonders in der Hanglage, wo auch Abbrüche drohen könnten. „Dann wird es richtig teuer.“ Es sei „im Grunde eine Vorsichtsmaßnahme“.

Sakellariou indes warnt davor, mit großen Zahlen bei Umleitungen zu hantieren. Er nennt die große Sperrung in Untermünkheim. „Die Befürchtungen waren ein bisschen hochgerechnet.“ Goisser erklärt, dass die Belastung der Neuen Reifensteige bereits durch die Westumgehung deutlich zugenommen habe.

Hansjörg Stein (SPD) bemerkt, dass durch die geplante Sanierung von Neuer Reifensteige und Heimbacher Dorfstraße (470 000 Euro) der gesamte Haushaltsposten für Straßensanierungen verbraucht sei. Das sei korrekt, so Pelgrim „Viel mehr bekommen wir dieses Jahr aber auch nicht mehr umgesetzt.“

Wann die Arbeiten beginnen, steht noch nicht fest – frühestens in den Herbstferien, so Stadt-Sprecher Robert Gruner. Derzeit arbeite der Fachbereich  Pläne aus. Dabei werde auch geprüft, ob und wie lange die Strecke gesperrt werden muss.

Andrea Herrmann, Bündnis 90/Die Grünen, fordert eine Abstimmung mit dem Stadtbus. „Wird an eine Bushaltestelle gedacht?“ Abstimmungen fänden regelmäßig statt, erklärt Goisser. Der OB antwortet: „Da ist kein Anlieger. Allenfalls oben an der Reifenhofstraße.“ Der Ausschuss stimmt letztlich für das Vorhaben.  Andrea Herrmann und Jutta Niemann (beide Grüne) enthalten sich.
 

Strecke war im Instandsetzungskonzept nicht vorgesehen

Tunnel Im Frühjahr soll der Löwenkeller an der Stuttgarter Straße abgerissen werden. Anschließend wird der Weilertunnel teilweise durch Sprengungen hergestellt. Die Kosten belaufen sich auf mehr als 40 Millionen Euro. Der Bund zahlt den Tunnelbau.

Sanierung Die Neue Reifensteige war im Straßeninstandsetzungskonzept aus dem Jahr 2013 nicht enthalten. Wegen dem geplanten Bau des Weilertunnels wurde die Strecke aber geprüft. Es zeigte sich, dass die Fahrbahngeometrie und die Linienführung den technischen Anforderungen entsprechen, die Fahrbahndecke aber Defizite aufweist, heißt es in einer Vorlage der Stadtverwaltung. Ohne eine Korrektur der Schäden erhöhe sich der Erneuerungsaufwand jedes Jahr und führe mittelfristig zu Schäden im Unterbau. thumi

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