Von Tränen und Scham, Engeln und Bläsern

Zur Eröffnung des Haller Weihnachtsmarkts strömen Massen von Menschen auf den Marktplatz. Ein Rundgang und viele Eindrücke vom ersten Abend.

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  • Musizieren am Abgrund: Zur Eröffnung des Haller Weihnachtsmarkts spielen Alphornbläser aus dem süddeutschen Raum auf der großen Treppe vor der Michaelskirche. Gut 50 Stufen weiter unten drängeln sich die Besucher zwischen den Ständen.  1/2
    Musizieren am Abgrund: Zur Eröffnung des Haller Weihnachtsmarkts spielen Alphornbläser aus dem süddeutschen Raum auf der großen Treppe vor der Michaelskirche. Gut 50 Stufen weiter unten drängeln sich die Besucher zwischen den Ständen.  Foto: 
  • Krippenbauer zeigt Kunstwerk. 2/2
    Krippenbauer zeigt Kunstwerk. Foto: 
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Felix Nadler (4) beißt in ein Steak, das  zwischen zwei Brötchenhälften steckt. Seine Schwester Sophie (2), auf den Armen ihres Vaters Andreas sitzend, hält eine Rostbratwurst in der Hand.

Am Stand von Monika Gräter kauft Marion Fuchs zwei kleine Engel, die weiße Mützen auf dem Kopf haben. Monika Regner-Vogt erwirbt an dem Kunsthand werkerstand  handgefertigte Schnecken, die die Michelbacherin in den Adventskalender für ihre erwachsene Tochter und ihre Nichte steckt.

„Klein aber fein, echt süß. Da kommt richtige Weihnachtsstimmung auf.“
- Kathrin Schnauffer aus Herrenberg über den Weihnachtsmarkt

Monika Gräter zeigt einer anderen Kundin den etwa sieben Zentimeter großen Koala-Bär, den die 50-Jährige in gut drei Stunden hergestellt hat.

Roland Jackisch ist mit seiner Frau vom Teurershof gekommen und nippt jetzt, um kurz nach 18 Uhr, an einer Tasse voll Glühwein.

Auf der Großen Treppe spielen Alphornbläser aus Süddeutschland ihre Lieder – und ernennen das erste Ehrenmitglied des Freundeskreises: Bettina Wilhelm. „Ich bin beschämt“, sagt Halls Erste Bürgermeisterin. Emilia Schuffert aus Westheim strickt in ihrer Bude Handstulpen. An ihrem Wechselstand, für den sie samstags und sonntags je 40 Euro Miete zahlt, verkauft die 57-Jährige Gestricktes und Gebackenes.

Der Kleine Siedershof tritt auf, unter ihnen Jonas (15) und Joshua (14). Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim spricht, als er von der Treppe auf den Markt schaut, von einem „grandiosen Bild“ und davon, „Gemeinschaft in einer Stadt zu erleben“.

Ein 64-Jähriger muss mehrmals hüsteln, als er heißen Met mit Schuss zu sich nimmt. „Aber schmeckt“, sagt der Haller.

Thomas Vadala füllt Apfelringe aus Schokolade in die Auslage, während Enkelin Laila (11) und Schwiegersohn Marco Ventura Süßes verkaufen – etwa gebrannte Nüsse. 100 Kilo davon habe er für diesen Abend vorbereitet, erzählt Vadala.

Heidi und Gerd Meicherek, Oma und Opa aus dem thüringischen Gera, stehen mit der Wolpertshausener Familie ihres Sohnes in einem Kreis. Was ihnen besonders gut an dem Haller Weihnachtsmarkt gefalle? „Das Essen und die Geschenke vom Nikolaus“, antworten die Enkel Sven (11) und Lars (10), die ihren Kumpel Steven mitgebracht haben.

Die Herrenbergerin Kathrin Schnauffer besucht gerade den Waldenburger Sebastian Nelitz. Die beiden 22-Jährigen unterhalten sich am Rand des Platzes. „Klein, aber fein, echt süß“ findet die Besucherin aus dem Kreis Böblingen den Haller Markt: „Da kommt richtige Weihnachtsstimmung auf“.

Die hat Astrid Schrade in Florida nicht. „Gestern bin ich noch in Shorts herumgelaufen“, sagt die 80-Jährige mit einem Glühwein in der Hand und einem Mantel um den Körper. Von 1946 bis 1961 lebte sie in Hall. Es folgte die Auswanderung in die USA. Gestern kam Astrid Schrade mal wieder in ihre alte Heimat. Auf dem Weihnachtsmarkt steigen ihr die Tränen in die Augen, als sie die kleinen Sieder sieht. „Das ist Heimat, das sind Erinnerungen.“

Künstler und Handwerker bieten ausschließlich selbst gefertigte Arbeiten an und führen am Stand vor, wie sie hergestellt werden – das ist das Konzept des kunsthandwerklichen Weihnachtsmarkts. Die 35. Auflage beginnt am heutigen Freitag um 13 Uhr (Ende um 19 Uhr) in der Hospitalkirche, im Goethe-Institut und im Hospital-Hof. Weitere Veranstaltungstage sind der morgige Samstag (10 bis 19 Uhr) und der Sonntag, 27. November (11 bis 19 Uhr). Kerzenzieher und Glasbläser, Holzschnitzer und Steinbildhauer beispielsweise zeigen ihre Arbeit. Die Besucher des Markts sehen etwa Schmiede- und Metallkunst, Musikinstrumente, Keramik, Springerlesmodelle und Holzspielzeug. Zu dem Programm gehören auch Drechselwerke, Kerzenfärben und Denkspiele.

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