Von Mondenschein und Party-Resten

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  • Im Stehen schlafen – geht das? Luca Lehnert (Zweite von links) will es ausprobieren. Franziska Schuster, Vasilios Manis und Gerald Michel assistieren und warten gespannt. Das ist eine der wenigen Spielszenen in der Revue „Blue Moon“ im Haller Theaterzelt, die ansonsten weitgehend als Liederabend daherkommt. 1/5
    Im Stehen schlafen – geht das? Luca Lehnert (Zweite von links) will es ausprobieren. Franziska Schuster, Vasilios Manis und Gerald Michel assistieren und warten gespannt. Das ist eine der wenigen Spielszenen in der Revue „Blue Moon“ im Haller Theaterzelt, die ansonsten weitgehend als Liederabend daherkommt. Foto: 
  • Auf die Live-Band aus Ekki Busch (Keyboard und Akkordeon), Johannes Weik (Gitarre), Roberto Volse (Bass) und Marko Klotz (Schlagzeug) können sich die Sänger voll und ganz verlassen (Bild oben links). Franziska Schuster hat als Space-Lady ein tolles Outfit (oben rechts). Während Anne Weinknecht singt, zeigt Darsteller Gerald Michel, dass er auch am Saxofon ein Könner ist (unten links). Und wenn alle Sänger zeigen, in welcher Liegeposition sie am liebsten einschlafen, entsteht ein ganz schönes Kuddelmuddel. 2/5
    Auf die Live-Band aus Ekki Busch (Keyboard und Akkordeon), Johannes Weik (Gitarre), Roberto Volse (Bass) und Marko Klotz (Schlagzeug) können sich die Sänger voll und ganz verlassen (Bild oben links). Franziska Schuster hat als Space-Lady ein tolles Outfit (oben rechts). Während Anne Weinknecht singt, zeigt Darsteller Gerald Michel, dass er auch am Saxofon ein Könner ist (unten links). Und wenn alle Sänger zeigen, in welcher Liegeposition sie am liebsten einschlafen, entsteht ein ganz schönes Kuddelmuddel. Foto: 
  • Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Spielzeit 2017, - Szenenfotos zu der Produktion "Blue Moon - Unter dem blauen Mond" im Haller Theaterzelt 3/5
    Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Spielzeit 2017, - Szenenfotos zu der Produktion "Blue Moon - Unter dem blauen Mond" im Haller Theaterzelt Foto: 
  • Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Spielzeit 2017, - Szenenfotos zu der Produktion "Blue Moon - Unter dem blauen Mond" im Haller Theaterzelt 4/5
    Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Spielzeit 2017, - Szenenfotos zu der Produktion "Blue Moon - Unter dem blauen Mond" im Haller Theaterzelt Foto: 
  • Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Spielzeit 2017, - Szenenfotos zu der Produktion "Blue Moon - Unter dem blauen Mond" im Haller Theaterzelt 5/5
    Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Spielzeit 2017, - Szenenfotos zu der Produktion "Blue Moon - Unter dem blauen Mond" im Haller Theaterzelt Foto: 
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Singen können sie, die Darsteller der Revue „Blue Moon – Unter dem blauen Mond“ im Theaterzelt der Freilichtspiele Schwäbisch Hall. Und Ekki Busch, der den Fans des viel geliebten Haller Theaterspaziergangs seit Jahren als musikalischer Leiter ein Begriff ist, hat wieder eine sehr anregende Songliste zusammengestellt, eine breite Mischung aus Bekanntem wie „Mr. Sandman, bring me a dream“ und Originellem wie „Das Scheußliche“. Mit „Blue Moon“ wollen die Freilichtspiele in diesem Sommer an das Flair des Theaterspaziergangs anknüpfen – aber das gelingt ihnen dann doch nicht ganz. Schon allein, weil man nun mal im Zelt ist und nicht im Freien (was je nach Witterung auch ein großer Vorteil sein kann), weil man sitzt und nicht spaziert.

Und die Revue enthält nur wenige Spielszenen (Regie: Anne Spaeter). Oft stehen die Protagonisten halt da und singen. Das aber machen sie, wie gesagt, sehr gut. Sie starten vielstimmig mit „Die kleine Stadt will schlafen geh’n“ und „The Lion Sleeps Tonight“. Dazu gibt es persönliche Assoziationen von Manuel Dengler, Luca Lehnert, Vasilios Manis, Gerald Michel, Franziska Schuster und Anne Weinknecht zu den Themen Nacht und Schlaf, zudem ein paar etwas alberne Becken- und Atemübungen, die das Einschlafen erleichtern sollen – und die Demonstration der Liegepositionen, in denen die Mitwirkenden gerne einschlafen – daraus wird ein Kuddelmuddel, in dem bestimmt nicht einmal Luca Lehnert einschlafen könnte, die doch behauptet, sie könne auch auf Stühlen und Fensterbänken schlafen.

Ein ulkig-futuristisches Dings

Nur im Stehen könne sie nicht schlafen, meint Lehnert – und gleich wird ausprobiert, ob das nicht doch geht. Dazu bekommt sie ein ulkig-futuristisches Ding auf den Kopf, das aus einem Haushaltssieb, Schläuchen, Kabeln und Lichtchen besteht und an Hauben zur Gehirnstrommessung erinnert. Und dann ist Warten angesagt. Doch den „Wissenschaftlern“ auf der Bühne und dem Publikum geht es wie Eltern, die darauf hoffen, dass die Kinder endlich schlafen: Immer, wenn man denkt, jetzt ist mal Ruhe, kommt ein „Ich bin so aufgeregt!“. Das ist schon lustig, dauert aber ein bisschen zu lang. Wirklich lustig ist, dass Luca Lehnert einmal als „Luna“ angesprochen wird – war das ein Versehen? Wenn nicht, spielt Anne Weinknecht den kleinen Schreck, als sie ihren Fauxpas bemerkt, sehr glaubhaft. Später, als Luca Lehnert den Song „Es geht nur um Sex heute Nacht, es geht nicht um Gefühl“ des Liedermachers Thomas Pigor singt, erntet sie weitere Lacher.

Ebenfalls witzig, dazu noch ein sängerischer Höhepunkt ist ein Beitrag, in dem Manuel Dengler seine Beherrschung verschiedener Stimmtechniken zeigen kann: Was beginnt wie der verzweifelte Gesang eines frisch Verliebten, der es nicht erwarten kann, wieder mit der Angebeteten zu telefonieren, mündet in „Das Scheußliche“, das Sebastian Krämer vertont hat. Die Frau wird nicht angerufen, weil sie so begehrenswert ist, sondern, weil sie etwas hinterlassen hat: „Im Klo ist was ganz Scheußliches.“

Überraschungen und Wendungen

Weitere musikalische Höhepunkte steuert Franziska Schuster bei, die ihre schöne Stimme zur Rockröhre ausbaut. Vasilios Manis hat im Popgesang eine kräftige Stimme. Und dann bringt er eine unerwartete Wendung ins Programm: Er legt sein Mikrofon weg und singt „Die Mondnacht“ von Robert Schumann. Seine Interpretation des schlichten Stückes ist ein bisschen zu opernhaft-schwülstig und gerät auch ein paarmal aus dem Takt, aber Ekki Busch, der am elektronischen Klavier begleitet, reagiert hervorragend und fängt den Sänger wieder ein. Und vor allem: Das Publikum greift diese innige Stimmung gerne auf, lässt sich verzücken und bejubelt den Bariton.

Für einen weiteren Überraschungseffekt sorgt Gerald Michel: Als Anne Weinknecht im Stil von Hildegard Knef „Ich bin zu müde, um schlafen zu gehen“ singt, bringt er, zunächst nur als Schattenriss hinter dem Vorhang zu sehen, ein tolles Saxofon-Solo. Später zeigt er sich mit dem Instrument auch auf der Bühne.

Viele Titel werden in der Art eines Liederabends dargeboten, mit nur kleinen Andeutungen von Schauspiel. Etwas mehr Requisite und Kostüme (Ausstattung: Martin Dolnik) gibt es nach der Pause: Eine Rakete steht am Bühnenrand, Theaternebel und rote Beleuchtung symbolisieren ihren Start, die Kleidung der Schauspieler glänzt silbern, die Frauen haben gigantische spitzige Busen. Diese skurrile Szene kommt dem Theaterspaziergang noch am nächsten.

Aber auch mit einfachen Mitteln kann man tolle Effekte erreichen: Wenn die Sänger Neon-Leuchtbrillen tragen und es im Zelt ganz dunkel ist, reichen wenige Kopfbewegungen, um die Zuschauer zu faszinieren. Die klatschen, jubeln und pfeifen begeistert.

Info Weitere Aufführungen gibt es am heutigen Mittwoch sowie am 3., 4., 15., 16., 17., 18., 19., 20. und 22. August jeweils um 20 Uhr. Das Theaterzelt befindet sich an der Breiteichstraße auf dem Teurershof. Karten gibt es bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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Die Freilichtspiele Schwäbisch Hall zeigen in ihrer 92. Spielzeit unter anderem Goethes „Wahlverwandtschaften“ und das Reformationsstück „Brenz 1548“. Es ist die erste Saison unter dem neuen Intendanten Christian Doll.

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