Von dynamisch bis leicht schwebend

Unter dem Motto "Irgendwo auf der Welt" nahm der Gesangverein Eintracht Hall seine Zuhörer mit auf eine musikalische Reise von Heymann bis Brahms.

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Dirigentin Julia Krämer übertrug ihre Energie auf die Sängerinnen und Sänger des Gesangvereins Eintracht Hall.  Foto: 

"Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen Glück". Dieses sehnsuchtsvolle Lied des deutsch-jüdischen Komponisten Werner-Richard Heymann steht zwar nicht gänzlich stellvertretend für den gesamten Inhalt des Abendkonzertes, doch wurde dieser Satz durchaus nicht ohne Berechtigung als Titel und Leitgedanken für das recht emotionale Abendkonzert des Gesangvereins Eintracht Schwäbisch-Hall-Steinbach erkoren, der unter der Leitung von Julia Krämer sang.

In den Ablauf eingeschobene Wortbeiträge von Renate Kleinholz machen mit dem Leben dieses bedeutenden Filmmusik-Komponisten aus der Zeit der Weimarer Republik vertraut, der persönlich nicht sehr bekannt ist, von dem jedoch auch heute noch viele Ohrwürmer wie "Ein Freund, ein guter Freund", geläufig sind und der wegen des Nationalsozialismus emigrieren musste. Das genannte Lied, ganz dezent in vom Jazz beeinflusster Harmonik gehalten, erfuhr einen ausdrucksvollen, elegischen Vortrag, durchweg am Flügel von Mechthild Schmücker einfühlsam begleitet.

Alle Chorvorträge - auch die A-capella-Stücke - werden durch ein Klaviervorspiel der Pianistin eingeleitet, wie das bei der Eintracht schon seit Jahren der Brauch ist. Doch heuer hat die Frau an den Tasten viel zu tun, viele Werke des Abends sind als klavierbegleitet konzipiert. Zum Beispiel Karl Loewes beliebte Ballade "Die Uhr", die Bariton Roland Schmid mit sanft-wohlklingender Stimme solistisch gut gestaltet. Oder drei von Andrea Zippel auf der Blockflöte lebhaft dargebotene Stücke von Daniel Hellbach. Ihr besonderer Reiz liegt nicht nur im Unbekannten; auch satztechnisch sind die syncopenreichen Stücke deutlich vom Jazz beeinflusst, geistreich komponiert und hervorragend von Flötistin und Pianistin ausgeführt. Ein weiterer geglückter instrumentaler Einschub sind von Alexander Schalow rhapsodisch bearbeitete russische Volksweisen. Hier finden sich neben sehnsuchtsvollen Pußta-Elegien auch wild-tänzerisches, die Instrumentalpartien von Balalaika und Klavier sind aufs detailierteste ausgearbeitet, bis ins virtuose gehend. Trotz bedeutender Tempovariabilität bis zu heftigen Strettopassagen ist das Zusammenspiel von Balalaika, gespielt von der Dirigentin, und Mechthild Schmückers Klavierpart perfekt.

Einen weiteren Höhepunkt bildet ein umfangreiches Potpourri von Otto Groll, das beliebte Wiener Melodien versammelt. Die Dirigentin Julia Krämer versprüht bei diesem charakterlich sehr wechselhaften Auftritt viel "taktische" und dynamische Energie. Dennoch haben die eher marschmäßigen Nummern immer eine gewisse Eleganz und etwas leicht schwebendes, bei aller Präzision. Klangschön und mit Noblesse vorgetragen runden etliche choristische Repertoirestücke das wohlgelungene Konzert ab.

Nach teils gereimten Schluss-und Dankesworten des Vorsitzenden Wolfgang Ruoff stimmen alle gemeinsam in "Kein schöner Land" ein. Als Zugabe erklingt vom Chor Johann Straußens "Ja, das alles auf Ehr" aus dem "Zigeunerbaron", das wir im Medley der Wiener Lieder bereits genießen konnten.

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