Von Anfang an ein Räuber

Die Proben für die Aufführungen im Sommer haben begonnen: Kulissenbauer, Regisseur und Schauspieler Martin Wolfram ist beim Laienschauspiel Mainhardt dabei.

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Martin Wolfram. Er hat die Kulissen auf der Spielwiese am Gögelhof gefertigt und ist dort Schauspieler und Regisseur.  Foto: 

Ja, so ist es gut“, ist Martin Wolfram zufrieden. Zuvor schien das Puzzle schier unlösbar. Auf der Spielwiese am Gögelhof schraubt er die Einzelteile des über den Winter abgenommenen Wappens zurück aufs Fürstenfass.

Es ist eine der sieben Bühnen des Stationentheaters vom Laienschauspiel Mainhardter Wald. Die Proben für die dritte Saison des „Aufstands im Mainhardter Wald“ haben vor kurzem begonnen. „Pfrr“, dreht Wolfram eine weitere Schraube durch die Wappenteile. Er hat diese aus Styrofoam geschnitzt und anschließend bemalt. Die historische Vorlage steht im Weinbaumuseum in Pfedelbach. Das Fass selbst bildete er in Teilstücken aus Holz nach. „Gott sei Dank hatte ich erst ein Viertel. Sonst wären wir kaum mehr aus der Scheune rausgekommen“, erinnert er sich schmunzelnd an die Bauphase der riesigen Kulisse. „Es ist mit 4,60 Metern größer als das Original“, verrät er mit einer Spur Stolz.

100 Menschen helfen mit

Wolfram ist seit der Gründung 2003 Mitglied in der rund 100 Mann starken Truppe Laienschauspiel Mainhardter Wald. Der freiberufliche Bühnenmaler und begeisterte Theaterspieler hat bereits damals die Kulissen für „Die Räuber im Mainhardter Wald“ und 2015 für deren zweites Stück, den „Aufstand im Mainhardter Wald“ gebaut und bemalt.

Bis 2014 spielte er die Rolle des einfältigen Kaspar aus Gmünd, der sich den Räubern anschloss. Mit einer Puppe im Arm, deren Haare aus Stroh gefertigt waren. „Und beim Applaus hab‘ ich mich gewundert, wer da so rupft“, erzählt Wolfram lachend. Das sei eines der Pferde aus dem Stück gewesen, es habe wohl Appetit bekommen.

Auch „Seminare“ unter den Laienschauspielern habe er gehalten: „Über ganz banale Dinge zur Rollenfindung, Sprache und Bühnenpräsenz“, sagt Wolfram bescheiden.

Den Fürsten, seine neue Rolle seit 2015, sieht man ihm unter der Schirmmütze nicht an. Geschminkt, mit silberner Perücke und rotem Gewand verkörpert er den dekadenten Adeligen. „Ich bin Fürst Joseph zu Hohenlohe und Waldenburg-Pfedelbach“, deklamiert er die Inschrift auf dem Wappen. Seine helle, klare Stimme passt zur Rolle. „Ah, der ist knuffig“, scherzt er über die historische Figur. Der Fürst sei böse, cholerisch und homosexuell. „Ein dekadenter Mann, der nur sich selbst feiert“, schließt Wolfram.

In der Truppe werde er gern mit der Rolle aufgezogen. Eigentlich habe er per Kutsche zum Auftritt kommen sollen – daraus wurde eine Sänfte. Wolfram tätschelt sich liebevoll den Bauch: „Aber mein Gewicht.“ Da habe er zur Entlastung der Träger eine Schubkarre umgebaut – verdeckt mit Tüchern.

Die jetzige Hauptbühne, die „Laukenmühle“, sei im Vorgängerstück eine Gefängniskulisse gewesen. „Ich habe den Steinfries draufgemalt, um die Wand aufzulockern“, erzählt er vom Recycling der Bühnenelemente. Aus der Metalltür wurde eine Holztür. Meist benutze er dafür Acryl- und für spezielle Effekte auch Ölfarben.

Beim Kinderstück auf der Gögelwiese führt Martin Wolfram mit Angelika Tröster Regie. „Ich gehe pragmatisch vor, schaue zu und mache mir Skizzen“, erläutert er die Arbeit mit den Schauspielern zwischen vier und 70 Jahren. Heuer wird „Der Froschkönig“ aufgeführt. „Mit Nixen, Wassermännern und Umweltschutz“, macht er neugierig. Die Kulissen dazu stammen von ihm.

Dann wendet Wolfram sich erneut dem Fürstenfass zu: Es fehlen noch die Löwen. Abends wird dann wieder auf der Spielwiese geprobt – die Aufführungen beginnen Mitte Juni. Karten allerdings gibt es nur noch für „Der Froschkönig“. Der „Aufstand“ ist längst ausverkauft.

Martin Wolfram wurde 1962 in Stuttgart geboren und wuchs in Marbach auf. Er lernte Maler und Lackierer und ist freischaffender Bühnenmaler (www.martin-malt.de). Durch seine langjährige Tätigkeit bei Gerhards Marionettentheater in Schwäbisch Hall kam er zur Regie, Kulissenbau und Malerei. Seit 2001 malt er für die Freilichtspiele und verschiedene Figuren-Theater. Er lebt mit seiner Frau Nele in Eschental im Hohenlohekreis. Sie haben drei erwachsene Kinder (28, 26 und 24 Jahre). Wolfram spielt in seiner Freizeit Theater und arbeitet als Regisseur – so beim Laienschauspiel Mainhardter Wald oder bei seiner Theatergruppe „In Fraxino Vallium“ in Eschental. may

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