Vom Zauber der Kräuter

Für 24 Teilnehmer stand beim Kräuterspaziergang mit Heidrun Laidig Lernen, Staunen und Schmunzeln auf dem Programm. So wurden früher Kräuter nackt gesammelt - wegen des Zaubers.

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Heidrun Laidig hält Baldrian in der Hand. Die Kräuterexpertin erklärt, dass die Pflanze unter Naturschutz steht.  Foto: 

Die examinierte Kräuterpädagogin Heidrun Laidig wusste den Weg rund um die Burg Maienfels über 90 Minuten hinweg unterhaltsam zu gestalten.

Ihre Führung ging teilweise weit in die Vergangenheit zurück. Dabei gab sie auch feine Rezepte preis. Nur an die Regeln mittelalterlicher Kräutersammler mussten sich die Teilnehmer nicht halten. "Damals ging man allein und nackt auf Kräutertour", wusste Laidig. Und warum? Weil sonst der Zauber der Kräuter nicht gewirkt hätte. Apropos Wirkung. "Es gibt gegen alles ein Kraut, nur nicht gegen Dummheit", zitierte sie zur Einstimmung aus einem Gedicht.

Schon der Beginn der Tour am Wanderparkplatz Maienfels barg eine Überraschung. Fand die Kräuterexpertin dort doch ein Exemplar des seltenen Tausengüldenkrauts. Das übrigens in mystischer Vergangenheit griechische Zentauren zur Hufpflege benutzt haben sollen. Oder unsere Vorfahren gegen Blitzschlag ins Haus gehängt haben. Ein paar Meter weiter dann einige Büschel Wiesenknopf, die erfahrene Gärtner auch in der veredelten Form als Pimpinelle kennen. "Deren Vitamin-C-Gehalt ist 20-mal höher als der von Salat", erzählte Laidig den staunenden Zuhörern.

Gut für Leber, Galle und Magen

Den Weg von der Wild- zur Kulturpflanze zeigte sie auch bei der Wegwarte. Daraus haben findige Gärtner den Chicorée gezüchtet. Beide sind übrigens etwas bitter. Das wiederum bedeutet: Sie sind gut für Leber, Galle und Magen. Dass Kräuter und Hexen früher eine sehr enge Verbindung eingegangen sind, erfuhren die Teilnehmer gleich an mehreren Stationen. Etwa beim Dost, der heute noch zum Würzen oder gegen Depressionen eingesetzt werden kann. Früher aber auch ein probates Mittel gegen Hexen gewesen sein soll.

"Warum heißt das Sängerkraut wohl so?", wollte Laidig wissen und erhielt einige Vermutungen über Stimmbänder zur Antwort. Richtig. Doch wer hätte gedacht, dass man mit ein paar Blättern davon in der Tasche auch eloquenter wird beim Chefgespräch oder beim Kennenlernen der Schwiegereltern? Selbst Hildegard von Bingen war davon begeistert, und zwar als Kopfwaschmittel gegen Wahnsinn.

Den nächsten Abstecher in die Mystik lieferte eine im Burggraben stehende Königskerze. Immerhin soll ein fränkischer König, der in Rom in die dunklen Katakomben geworfen worden war, nach dem Anzünden der Pflanze den Weg in die Freiheit gefunden haben. Heute werden die getrockneten Blüten als Spülung für blonde Haare oder gegen Bronchialschleim genutzt.

Baldrian steht unter Naturschutz

Doch nicht nur Tipps gab es, sondern auch Warnungen. Etwa den Hinweis, nie eine Herkulesstaude bei Sonnenlicht mit der Haut zu berühren. Und beim Thema Baldrian erinnerte Laidig daran, dass diese Pflanzen unter Naturschutz stehen. Dass die Wurzeln also in freier Natur nicht ausgegraben werden dürfen. Es sei denn, man legt sich eine eigene Kultur im Garten an.

Als eifrige Fotografin aller interessanten Kräuter nahm Ella Schneider-Blaser aus Brackenheim teil. "Ich bin auf der Palliativstation in Heilbronn für die Aromapflege der Patienten zuständig", erklärte sie. Da sei es für die Kranken interessant, einmal die Pflanzen nicht nur zu riechen, sondern auch zu sehen.

Info Weitere Angebote in Wüstenrot: Am 30. August von 14 bis 17 Uhr ist Aktionstag zu Flechtkunst aus Weide für Haus und Garten im Haus Frachtbot in Neuhütten. Am 27. September ist das letzte Natur-Erlebniscamp am Finsterroter See.

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