Vom Wald an die Wursttheke

Die Nahrung der Schwäbisch-Hällischen Landschweine sollte zu rund 20 Prozent aus Eicheln bestehen.  Spaziergänger wie Frieder Wieland sammeln die Nüsse auf.

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Frieder Wieland sucht in Begleitung seiner Hündin Fleurie nach Eicheln. Diese werden verkauft und an Schweine verfüttert. Die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft zahlt 60 Cent für jedes Kilogramm Eicheln.  Foto: 

Die Hündin Fleurie rennt zügig einen Spazierweg auf den Einkorn hinauf, sein Herrchen ist etwas gemächlicher unterwegs. Aufmerksam durchkämmt Frieder Wieland den Wegesrand und bückt sich immer wieder, um Eicheln aufzuheben. Zu einem guten Drittel ist sein Weidenkorb schon gefüllt. Doch der Naturfreund hat noch nicht genug. „Drei, vier Zentner Eicheln kriege ich in einer Saison zusammen“, erzählt der Sammler, der in der Hohenloher Ebene bei Schwäbisch Hall spazieren geht. Seinen Korb müsste er für diese Menge allerdings mindestens zehn Mal voll machen. Aber Fleurie will schließlich auch jeden Tag Gassi gehen.

„Wie Butter auf der Zunge“

Die vollen Körbe bringt Wieland zum Regionalmarkt ins nahe gelegene Wolpertshausen. Den Schweinebauern in der Region tut er damit einen großen Gefallen. Die Schwäbisch-Hällischen Landschweine sind eine Delikatesse, laut Wieland zergeht deren Fleisch „wie Butter auf der Zunge“. Wichtig für die Konsistenz des Fleisches ist die Nahrung der Schweine: Sie sollte zu rund 20 Prozent aus Eicheln bestehen. Diese müssen von Spaziergängern wie Wieland aufgelesen werden.

Fährt man weiter durch die hügelige Ebene, gelangt man an eine Weide. Mehr als 20 „Mohrenköpfle“, wie die oft schwarzköpfigen Schweine hier in der Region heißen, tummeln sich auf dem Abhang. Manche ruhen sich in ihren Holzhütten aus, andere drängeln sich um das Futter aus dem großen Trog am Rande der Weide. Auf der Speisekarte stehen Getreideschrot, Bohnenschrot – und natürlich Eicheln. Urteilt man nach dem Andrang am Trog, scheint es den Tieren zu schmecken.

Optimales Schweinefutter

Ihr hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren macht die Eicheln zum optimalen Schweinefutter. Sie bleiben auch nach der Schlachtung der Tiere im Fleisch enthalten und sind wichtig für die menschliche Ernährung und auch für den Geschmack. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Metzgerin Gabriele Baumgärtner, die sich Baden-Württembergs erste, von einer Akademie zertifizierte Fleisch-Sommelière nennen darf. „Fleisch aus der Eichelmast hat einen sehr feinen, aromatischen, leicht nussigen Geschmack.“

Die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft zahlt 60 Cent für jedes Kilogramm Eicheln. „Reich wird man davon nicht“, sagt Wieland und lacht. „Man macht das aus Spaß – und, weil man au’ ma’ so a Sau vespern will.“

Ab Anfang Oktober und bis zum ersten Schnee packt vor allem Schulklassen und Senioren jedes Jahr aufs Neue die Sammelwut. 15 bis 20 Tonnen kamen in den vergangenen Jahren im Durchschnitt bei den Bauern an. Die Eicheln werden getrocknet und gepresst, damit sie sich länger halten und bis ins Frühjahr hinein verfüttert werden können.

In dem regionalen Supermarkt in Wolpertshausen hängen die großen Eichelmastschinken und Koteletts zum Verkauf bereit. Die Metzger lassen ihre Kunden gern probieren. Nebenan, im Restaurant „Mohrenköpfle“, sitzt Frieder Wieland. „Ich bin für alles zu haben, was mit Genuss in Hohenlohe zu tun hat“, sagt Wieland – und lässt es sich schmecken.

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