Vier Sprachen und viel Erfahrung

Diana Pankau arbeitet seit 1. September als Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Schwäbisch Hall. Ihr eigener Migrationshintergrund hilft ihr dabei, sich einzufühlen.

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Diana Pankau lebt und arbeitet in Schwäbisch Hall. Ihre Aufgaben in der Integrations- und Flüchtlingsarbeit: informieren, vernetzen und Doppelstrukturen vermeiden.  Foto: 

Die neue Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte kann mitfühlen, welche Sorgen und Probleme Ausländer haben, die in Schwäbisch Hall neu anfangen. Denn auch Diana Pankau, deren Mutter aus Rumänien stammt, hat einen Migrationshintergrund. Anders als heute üblich, war sie damit in ihrer Kindheit so ziemlich die Ausnahme.

In Sachen Internationalität hat sich viel getan: In der Kocherstadt leben Menschen aus 115 Nationen. Auf Platz drei liegen die Italiener (357 Personen), auf Platz zwei die Türken (489) und Spitzenreiter sind die Rumänen.  Viele der 554 rumänischstämmigen Einwohner Halls kennt Diana Pankau persönlich. Dass sie die Sprache fließend spricht, kommt ihr zugute.

Neben Deutsch und Rumänisch beherrscht sie Englisch und Spanisch. Ihre Sprachkenntnisse waren einer der Gründe, weshalb sich die Stadtverwaltung für die 33-Jährige entschieden hat. Der andere Pluspunkt, erzählt der Fachbereichsleiter für Jugend, Schule und Soziales Edgar Blinzinger, ist ihre Berufserfahrung. Ein Jahr lang hat Diana Pankau  eine Integrations- und Vorbereitungsklasse am Schulzentrum Ost unterrichtet. „An der Schule war mein erster intensiver Kontakt mit dem Thema Integration.“

„Einige hätten Eins-zu-eins-Betreuung gebraucht.“

Der Unterricht stellte sie vor Herausforderungen. Die Fluktuation in der Klasse war hoch, die Altersspanne von Klasse 5 bis 10 sehr breit, die Schülerzahl von 5 bis 16 schwankend, das Leistungsniveau sehr unterschiedlich – auch Analphabeten waren darunter. „Einige Schüler waren verhaltensauffällig. Sie hätten eigentlich eine Eins-zu-eins-Betreuung gebraucht“, erzählt sie. Die meisten Kinder waren Flüchtlinge – aber nicht alle. Auch Italiener, Rumänen, Spanier und Portugiesen waren darunter. Diana Pankau unterrichtete nicht nur Deutsch, sondern half auch beim Übersetzen von Behördenbriefen, die die Kinder von ihren Eltern mitbekamen. „In solchen Momenten dachte ich mir: Da fehlt jetzt ein Ansprechpartner bei der Stadt, den ich um Rat fragen kann.“

Dieser Ansprechpartner ist jetzt sie.

„Sie soll als Nahtstelle zwischen haupt- und ehrenamtlichen Akteuren dienen und dazu beitragen, Doppelstrukturen (zum Beispiel drei Ehrenamtliche, die sich um den Kita-Platz für ein Kind kümmern) zu verhindern.“ So heißt es in einer Pressemitteilung des Landes Baden-Württemberg. Das Land fördert die Halbtagesstelle in den ersten drei Jahren mit 52 500 Euro. Die Gesamtkosten betragen 82 000 Euro.

Diana Pankau arbeitet sich zur Zeit noch ins Thema ein. Sie führt zum Beispiel Gespräche mit allen wichtigen Akteuren, etwa Volkshochschule, Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie und Freundeskreis Asyl. Ihr Zwischenfazit: „In Hall läuft schon vieles gut.“

Die drängendsten Probleme der in Hall lebenden Flüchtlinge – derzeit sind es 500 – betreffen die Versorgung mit Sprachkursen und Wohnungen. „Auch unsere Regeln müssen viele erst lernen“, sagt Diana Pankau. Damit hat sie in der Vorbereitungsklasse Erfahrungen gemacht: Einige Jungs wollten sich anfangs nichts von ihr sagen lassen. Doch ihre Beharrlichkeit, erzählt sie, hat sich ausgezahlt. Am Schuljahresende hatten die Jungs verstanden: Die Frau an der Tafel hat genauso viel zu melden wie ein Mann.

Diana Pankau wurde am 19. September 1983 im sächsischen Stollberg im Erzgebirge geboren. Sie hat einen älteren Bruder. Als sie ein Jahr alt war, zog sie mit ihrer Familie nach Mainhardt. Dort besuchte sie zunächst die Helmut-
Rau-Schule und wechselte danach aufs ernährungswissenschaftliche Gymnasium an der Sibilla-Egen-Schule. Nach dem Abitur studierte Diana Pankau in Jena Romanistik, Spanisch sowie Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Im Anschluss arbeitete sie ein Jahr lang als Deutschlehrerin am Goethe-Institut Schwäbisch Hall. Danach unterrichtete sie für ein Schuljahr ausländische Kinder und Jugendliche in einer Integrations- und Vorbereitungsklasse am Schulzentrum Ost. Seit 1. September ist sie nun als Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Schwäbisch Hall tätig und hat eine 50-Prozent-Stelle inne. Die 33-Jährige ist liiert und hat zwei Kinder (vier und zwei Jahre alt). Sie lebt in Hall. 

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