Vielgestalte Klangcollagen: Ensemble „Sax’n Strings“ beim Kultursommer

Das junge Ensemble „Sax’n Strings“ begeistert im Schlosshof Döttingen. Und bietet eine „Collage – Kammermusik mit neuem Reiz“.

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Johann Sebastian Bach kann als der Karl May der Musikgeschichte bezeichnet werden. Warum? Weil er unter anderem englische und französische Suiten sowie ein italienisches Konzert schrieb – obwohl er Zeit seines Lebens nie aus der „DDR“ herausgekommen war. Launig und kenntnisreich begrüßt Georg Oyen, Violoncellist von „Sax’n Strings“, das Publikum in Döttingen. Das fünfköpfige Ensemble gastierte mit teilweise „stilübergreifender“ Musik, vielfach aus zeitgenössischer Feder.

Ganz aus der Zeit fällt Bachs Sinfonie aus der Kantate BWV 156 (1729). Saxophonist Guntram Bumiller trägt die ursprünglich als Oboenstimme konzipierte Solostimme beseelt vor. Die Streicher Stefan Schubert und Moritz von Bülow (Violinen), die ungarisch-amerikanische Bratschistin Anna Pleczer und Cellist Georg Oyen stammen alle nicht aus „Sax’n“ – wie der Gruppenname missverstanden werden könnte. Dieser rührt daher, dass das Quartett durch ein Saxophon angereichert wird. Der einzig „echte“ Sachse ist nur Johann Sebastian Bach, dessen Genius in den meisten Werken dieses Konzertes mitschwingt. Unüberhörbar etwa bei den „Four Jazz Pieces“ des Wieners Friedrich Gulda. Die leichtfüßige Thematik des fugierten ersten Etüdenstückes wird kontrapunktisch durchgeführt. Der synkopenhafte Duktus des musikalischen Einfalls führt zu perfektem Swingen. Das Ganze endet romantisch-schmalzig. Die Leichtigkeit einer Tarantella verbrüdert sich beim zweiten Stück mit der Art des Ragtimes. Chromatisch und polyphon baut sich Nr. 3 über einem Chaconne-ähnlichen Marching Bass des Cellos auf. Das vierte Stück stellt hohe Anforderungen, denen alle Streicher genügen. Im Original sind die Miniaturen für Klavier gedacht – Oyen hat die Partitur streicherisch „zerlegt“.

Bei der „Suite im alten Stil“ (Nikolai Kapustin) herrscht ebenfalls Polyphonie und romantisch-harmonischer Geist. Auch bei den von den „Pariser Folies Bergèreres“ beeinflussten „Broadway Follies“ von Benedikt Brydern entsteht „barockes Feeling“.

Astor Piazollas „Primavera Portena“ in der Art des „Tango nuevo“ beginnt „modern“: Das Saxophon wird von den Streichern quietschend begleitet, wird aber nach und nach klassischer und ergibt sich in der melodischen Schönheit romantischen Gefühls.

Maurice Ravels „Habanera“ bietet dem Saxophonisten eine Plattform für sein gestalterisches Können. Alexander Kreins „Esquisses Hébräiques“ werden mit der Klarinette und der Viola klagend-elegisch gestaltet.

Der Popkultur und der Filmmusik widmen sich die „Adiemus-Variations“ von Karl Jenkins. Das Quintett für Altsaxophon und Streicher hat freitonalen, doch angenehmen Charakter und ist erfüllt von rasanten, bebophaften Saxophonkadenzen sowie elegischen Duetten des Saxophons mit dem einen oder anderen Streicher. Als Zugaben erklingen eine Habanera von Astor Piazolla und „Only time“ von Enya.

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