Viel hilft viel

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Eine Frau cremt sich ein, denn sie weiß: Die Haut muss vor Sonne geschützt werden. Die meisten Menschen aber verwenden zu wenig Schutzmittel.  Foto: 

Der Sommer kommt gerade so richtig in Schwung, für viele steht der Urlaub am Strand bevor. Bei all der Vorfreude auf unbeschwerte Tage in der Sonne darf heutzutage der Sonnenschutz nicht vergessen werden. Denn schon längst ist auch in unseren Breitengraden das Risiko, Hautschäden durch Sonneneinstrahlung zu bekommen, immens hoch.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 224 000 Menschen an Hautkrebs, davon 26 000 am besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebs. Die einzige Möglichkeit, einer solchen Erkrankung vorzubeugen, ist konsequenter Sonnenschutz vor allem für Babys und Kinder, aber auch für Erwachsene.

Sechs verschiedene Hauttypen

Leider gibt es keine Formel, mit der sich ausrechnen lässt, ab welcher Strahlenintensität und Bestrahlungsdauer sich die Haut rötet oder gar verbrennt. Denn jede Haut ist anders, und die Schutzmechanismen, über die der Körper verfügt, sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Eine grobe Einordnung ist jedoch möglich. „Anhand äußerer Merkmale und der Reaktion der Haut auf UV-Strahlung werden sechs verschiedene Hauttypen unterschieden. Zur Bestimmung des Typs sind Haut-,­ Haar- und Augenfarbe genauso ausschlaggebend wie die noch wichtigere Frage, wie schnell die Haut bräunt“, erklärt Carmen Stooß, PTA in der Frasch-Apotheke im Gaildorfer Ärztehaus.

In der Regel gilt: Umso heller die Haut, umso schneller bekommt man Sonnenbrand. Bei Babys und Kindern muss außerdem bedacht werden, dass die Schutzmechanismen noch nicht ausgereift sind, weshalb hier zusätzlicher Schutz gefragt ist.

Der erste Impuls – und der ist nicht falsch – ist es natürlich, sich im Schatten aufzuhalten. Immerhin rund 50 Prozent der UV-Strahlung kann durch Bäume, Sonnenschirme oder Markisen abgefangen werden. Auch Sonnenschutzkleidung mit UV-Schutz, wie sie vor allem für Kinder angeboten wird, ist dann sinnvoll, wenn die Sonneneinstrahlung besonders stark ist – etwa am Strand, aber auch in den Bergen.

Mit Schatten und richtiger Kleidung sollte aber immer das Sonnenschutzmittel kombiniert werden. Egal, ob als Creme, Gel oder Lotion – es schwächt die gesundheitsschädigende Wirkung der UV-Strahlung auf den Körper ab und erlaubt den verlängerten Aufenthalt in der Sonne. Bedenkt man, dass der Körper sich je nach Hauttyp gerade einmal fünf bis zehn Minuten selbst schützen kann, wird deutlich, wie wichtig es ist, ihm diesen Schutz zukommen zu lassen.

Zwei Arten des Schutzes

Angeboten werden zwei unterschiedliche Arten des Sonnenschutzes: ein chemischer und ein physikalischer. Während der erste durch organische Verbindungen wirkt wie ein Filter, wirkt der zweite nach dem Prinzip der Reflektion. Die Wirksamkeit beider Ansätze ist in etwa gleich gut, doch gibt es Unterschiede in der Verträglichkeit. Allergiker oder Menschen mit empfindlicher Haut sollten also unbedingt ausprobieren, welchen der beiden sie besser vertragen.

Zwar findet sich auf jeder Sonnenschutzmittel-Packung die Angabe des Lichtschutzfaktors, der eigentlich angibt, um wie lange sich der Sonnenschutz bei der Anwendung verlängert.

Doch natürlich kann dies nur ein Richtwert sein. Ist die helle Haut bei Lichtschutzfaktor 20 nur ein wenig länger als eine Viertelstunde geschützt, kann ein dunkler Hauttyp damit fast eine Stunde länger in der Sonne bleiben.Wichtig ist es deshalb, den eigenen Typ zu kennen und sich entsprechend von Fachleuten beraten zu lassen.

Für Babys und Kleinkinder rät Carmen Stooß: „Meist sind spezielle Kindercremes frei von Parabenen, Duft- und Konservierungsstoffen und haben einen Lichtschutzfaktor von mindestens 30. Für Baby- und Kinderhaut ist außerdem ein Sonnenschutz mit mineralischem Filter zu empfehlen, der auf der Haut eine Schutzschicht bildet, an der die Strahlen abprallen.“

Vergessen werden darf außerdem nicht, dass bei Sonnenschutzmittel eher das Prinzip gilt: viel hilft viel. Tatsächlich verwenden die meisten Menschen viel zu wenig davon. Eine Faustregel besagt aber: Für ein zweijähriges Kind benötigt man etwa einen großen Esslöffel voll Sonnencreme, für einen Erwachsenen die vierfache Menge. Ein voller Teelöffel reicht beim Erwachsenen also gerade einmal für das Gesicht.

Gerne wird auch vergessen, dass die Haut an den Ohren, den Fußrücken oder der Innenseite der Knie besonders empfindlich ist. Auch hier sollte darauf geachtet werden, dass an diesen Stellen gründlich gecremt wird. Die Beraterin der Apotheke betont außerdem: „Bei längerem Aufenthalt in der Sonne oder nach dem Baden muss unbedingt nachgecremt werden.“

Sollte sich die Haut trotz aller Schutzmaßnahmen dennoch röten oder verbrennen, dann rät die Gaildorfer Fachfrau zu folgenden ersten Maßnahmen: aus der Sonne gehen, viel Wasser trinken und die Haut kühlen, zum Beispiel mit Quark oder wassergetränkten Tüchern.

Kühlende Cremes oder Sprays helfen anschließend, die Schmerzen zu lindern und Infektionen zu vermeiden. Ein Arztbesuch ist anzuraten, wenn es zu Blasenbildung kommt, denn dann liegt eine richtige Verbrennung vor.

Wer vorbeugen will, der hat auch die Möglichkeit, die körper­eigenen Schutzmechanismen zu unterstützen. Vitamin C und E, Beta-Carotin und Lycopin können zusätzlich den Schutz und Aufbau der Haut unterstützen. Entsprechende Präparate gibt es in der Apotheke. Allerdings betont Carmen Stooß: „Dies dient nur als Unterstützung und ersetzt keinesfalls den Sonnenschutz durch Cremes und Lotionen.“

In Australien lernen Kinder schon von klein auf einen Slogan, der alles vereint, was beim Sonnenschutz wichtig ist. Er lautet: „Slip, slop, slap, seek shadow and slide“. Das bedeutet: „slip“ – zieh’ ein Shirt an; „slop“ – klatsch’ die Sonnencreme drauf; „slap“ – patsch’ dir einen Hut auf den Kopf, suche Schatten; „slide“ – zieh’ dir eine Sonnenbrille auf. Wer sich an diese Vorgaben hält, der kann eigentlich nichts falsch machen, weder bei sich noch bei seinen Kindern. juvo

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