Viel Gespür für deutsches Liedgut

Der gemischte Chor des Gesangvereins Mittelfischach 1883 e.V. feiert am 1. April sein 50-jähriges Bestehen. Vorher war der Verein reine Männersache.

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Auch als Schauspieler machen die Mitglieder des Gesangvereins Mittelfischach eine gute Figur. Bei den Jahresfeiern geht es traditionell sehr humorvoll zu.  Foto: 

Damals war es und auch noch heute ist es üblich, dass der Chor bei Beerdigungen singt. „Als in den 60er-Jahren hier auf dem Land die Industrialisierung eingesetzt hat und viele Männer dann auswärts arbeiteten, gab es tagsüber für die Beerdigungen nicht mehr genügend Sänger“, berichtet Reinhold Horch, der seit 1972 Vereinsmitglied und seit 1984 Vorsitzender ist. Aus dem 1966 gegründeten Beerdigungschor, dem Männerchor, wurde in der Jahreshauptversammlung vom 18. März 1967 deshalb der gemischte Chor.

Waltraud Reber war eine der 16 Frauen, die zu dem Männerchor stießen. „Für ein paar wenige Herren war das ein Grund, dem Gesangverein fernzubleiben. Die meisten blieben aber und haben die Vorteile von uns Frauen als Chormitglieder zu schätzen gewusst“, erzählt sie und lacht. Etwa bei den zwei- und dreitägigen Festen, die der Verein damals einführte, um Geld für Noten und zur Bezahlung des Dirigenten einzunehmen.

Höhepunkt beim SWR

Ab Ende der 60er-Jahre erlebte der gemischte Chor mit rund 50 Aktiven seine Blütezeit. „Ein Highlight war, als der Süddeutsche Rundfunk im März 1972 den Chor für die Stunde des Chorgesangs aufnahm. Gesendet wurde das am 2. Juli 1972. Davon gibt es sogar eine Schallplatte“, berichtet Reinhold Horch. Damals seien viele junge Frauen in den Gesangverein eingetreten. „Unser damaliger Chorleiter, Oberlehrer Herbert Kittlaus aus Obersontheim, hat das unterstützt und brachte Schülerinnen mit guten Stimmen in den gemischten Chor“, erinnert er sich.

Oft war die ganze Familie im Verein aktiv. Waltraud Reber war 1967 knapp 18. Auch ihr Vater und etwas später die Schwester sangen im Verein. Bis auf zwei Jahre Kinderpause ist sie dem Verein bis heute treu geblieben. „Die zwei Jahre habe ich als Schriftführerin wieder aufgeholt“, meint sie. Sie übernahm das Amt von ihrem Vater und hatte es 36 Jahre inne. In ihrer gleichmäßigen Schrift hat sie alle Feiern, Auftritte und Ausflüge festgehalten. „Bei unseren Vereins­ausflügen waren auch immer viele Nicht-Sänger dabei. Denn damals haben die meisten Leute noch keinen Urlaub gemacht und dann diese Gelegenheit genutzt, um mal aus dem Fischachtal herauszukommen“, schildert Waltraud Reber.

Nach und nach ist der Anteil der Männer im gemischten Chor zurückgegangen. 24 waren es noch zur 100-Jahr-Feier 1983. 2008 zum 125-jährigen Jubiläum sangen noch 14 Männer im gemischten Chor. „Heute sind wir acht Männer, vier Bässe und vier Tenöre“, so Horch. Und wo liegt jetzt der Altersdurchschnitt des Chors? „Wie viele haben wir noch unter 60? Vier oder fünf?“, antwortet Reber selber und muss lachen. Die meisten seien Rentner. „Beim Beerdigungssingen sind wir jetzt immer genug“, meint sie.

Der Chor singt überwiegend weltliche Lieder. „Es ist alles deutsches Liedgut“, betont Waltraud Reber. Ihre Chorleiterin Helga Sommer, die früher einfaches Chormitglied war, habe ein gutes Gespür, die passenden Lieder für ihre Sängerinnen und Sänger auszusuchen. „Sie weiß, was sie uns zutrauen kann“, erklärt sie.  Wichtig sei ihr auch der Text. „Sie achtet bei uns auf deutliche Aussprache und dass der Text die Zuhörer anspricht“, so Reber.

Und wie steht es um den Nachwuchs? Ein schwieriges Thema. Seit 2001 gibt es den jungen Chor „Summer & Friends“. „Einige haben gehofft, von dort jüngere Mitglieder für den gemischten Chor zu bekommen, aber das funktioniert nicht“, so Horch.

Der Gesangverein Mittelfischach feiert das 50-jährige Jubiläum des gemischten Chors am 1. April um 19.30 Uhr mit einem Konzert in der Weinberghalle, Mittelfischach. Neben dem gemischten Chor treten „Summer & Friends“ sowie die Gesangvereine Oberfischach, Obersontheim und Untersontheim auf. Der Verein lädt auch alle ehemaligen Sänger ganz herzlich ein.

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