Verfahren startet: Bestatter steht vor Gericht

Ein Haller Bestatter, dem pietätloses Verhalten vorgeworfen wird, steht am Donnerstag vor Gericht. Es geht zunächst nur um Vorsorgeverträge.

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Ein Sarg wird in die Brennkammer gefahren. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Das Landgericht Heilbronn plant im 30-Minuten-Takt mit drei Verhandlungen. Beginn ist am morgigen Donnerstag um 9 Uhr vor der Zivilkammer.

Diese schnelle Taktung trotz der hohen Schadensumme - insgesamt geht es um einen sechsstelligen Eurobetrag - spricht dafür, dass der Fall recht eindeutig ist. Letztlich hatte der Beschuldigte, ein Haller Bestatter, einige Vorwürfe eingeräumt, wie er über seinen Haller Verteidiger Michael Fust erklären ließ.

Mit manchen seiner Kunden vereinbarte der 32-Jährige Vorsorgeverträge. Die Kunden legten mehrere 1000 Euro bei ihm an, um für die eigene Bestattung finanziell vorzusorgen. Das Geld sollte auf Treuhandkonten gezahlt werden.

"Manche wurden treuhänderisch angelegt, eine Vielzahl aber nicht", sagt Fust über die Arbeitsweise seines Mandanten. Statt auf dem Treuhandkonto landeten die Beträge zum Teil auf dem Privatkonto des Bestatters - und sind nun verschwunden. Der 32-Jährige wurde bereits im Frühjahr wegen Insolvenzverschleppung verurteilt. Geld sei keines mehr da, erklärt sein Verteidiger auf Nachfrage. Sein Mandant biete aber den Betroffenen die Durchführung der Bestattung über Dritte an.

Für den Haller Rechtsanwalt Elko Röhrich, der mehrere Betroffene vertritt, klingt das wie blanker Hohn. "Wer will sich von jemandem bestatten lassen, dem Pietätlosigkeit vorgeworfen wird?"

Verstorbene nicht gekühlt

Grund: Der Bestatter hatte teure Särge verkauft und Leichen später in billige umgebettet. Die Asche in Urnen wurde vertauscht. Beides hat der Angeklagte über seinen Anwalt bestätigt - allerdings handle es sich bei Letzterem nicht um Vorsatz. Dem 32-Jährigen wird noch mehr vorgeworfen: Er habe Verstorbene über Tage nicht gekühlt, habe sich auch sonst pietätlos verhalten.

Dazu wurden die Ermittlungen in den vergangenen Tagen abgeschlossen. Die Akten liegen nun bei der Staatsanwaltschaft, die den Sachverhalt noch prüft. Bis zur Anklageerhebung könne es sich aufgrund der Masse an Dokumenten noch Wochen hinziehen, so Oberstaatsanwalt Peter Bracharz.

Beim nun anstehenden Prozess wegen der Vorsorgeverträge will Röhrich eine deliktische Haftung geltend machen. Dann erlösche die Forderung seiner Mandanten nicht mit dem Ende des Insolvenzverfahrens nach sieben Jahren, sondern erst nach 30 Jahren. Nur so bestehe Hoffnung auf eine Entschädigung.

Neben den drei Klägern gibt es allerdings noch viele weitere Betroffene. "Es gab rund 50 Vorsorgeverträge. 30 sind Bestandteil der Ermittlungen", berichtet Michael Fust.

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