Verbundenheit bewiesen

Die Ateliergruppe des Frauenzentrums ist in dem neuen Domizil des Club Alphas aktiv. Jetzt zeigte die Gruppe ihr erstes Projekt.

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Bei der Kunstnacht im Alten Schlachthaus: die Künstlerinnen der Frauenzentrum-Ateliergruppe vor ihrer Installation „Geflecht“ (von links) Nika Seibert, Eva Brand, Beate Baumann, Martina Roet, Eliska Matousek, Lydia Jordan und Ingrid Mettert.  Foto: 

Fünf Stunden verbringen die sieben Kunstschaffenden im Erdgeschoss des Alten Schlachthauses. Sie gehören zur Ateliergruppe des Frauenzentrums. Vor ihnen fließt der Kocher, in ihren Köpfen fließen kreative Gedanken. Um sie herum liegen allerlei Dinge, die sie inspirieren sollen: Röhren, Naturmaterialien, Bilder, Weinreben, Metallgitter, Frischhaltefolie. Ihre grundsätzliche Idee – eine gemeinsame Installation – haben sie in vielen Treffen zuvor festgelegt. Zum Thema finden sie auf Umwegen über Arbeitstitel – etwa „Connectedness“ (Zusammenhang), „Netzweben wie die Großmutter“ und „Verbundenheit“. Letztlich wird es „Geflecht“.

So lautet der Titel der Installation, die die Frauen am vergangenen Wochenende zur Langen Kunstnacht präsentieren. „Geflecht“ heißt sie, weil das Wort ihrer Situation entspricht. Sie sind noch nicht lange in dieser Konstellation zusammen. Seit Sommer arbeiten sie gemeinsam im Atelierraum des Club Alphas. Dort verflechten sich die Künstlerinnen, finden im kreativen Tun zusammen, wie sie es ausdrücken.

Folie vom Boden bis zur Decke

Aus all den Materialien fischen sie schließlich die Frischhaltefolie heraus. „Beates Augen leuchteten – da wussten wir: Das ist es“, erzählt Eliska Matousek. Meterweise Folie haben die Kunstschaffenden vom Boden zur Decke gespannt – mal mehr, mal weniger schräg, fixiert an Holzleisten, die von den Frauen, die zum Teil künstlerische Berufe haben, angebracht wurden. Am Boden entsteht eine Art Kokon. Ein von Foliensträngen umgebenes Nest, am Boden liegt und duftet Rindenmulch, getrocknetes Farnkraut scheint zwischen der im Licht glitzernden Folie zu schweben.

„Wow“, sagen nicht nur Halls Kulturbeauftragte Ute Christine Berger und Santiago Gomez, als sie in der Kunstnacht den Alten Schlachtsaal betreten. Laut den Künstlerinnen ist „wow“ das  am häufigsten ausgesprochene Wort des Abends. Sie beobachten die Reaktionen der Menschen, die sich mit der Folieninstallation auseinandersetzen. Ist es für die einen ein sicherer Zufluchtsort – das „Auge des Orkans“, wie es im Gästebuch steht –, kommen andere gleich wieder herausgekrabbelt. Sie fühlten sich eingesperrt in dem Plastikgefängnis. Gefühle kamen hoch, die sie nicht wollten.

Die Installation ist interaktiv. Wer möchte, bekommt schwarzes Klebeband in die Hand und darf die Wände gestalten. Es entstehen Fährten, Berge, eine Meerjungfrau, Herzen, ein Elefant, ein Bauarbeiter. „Es ist Wahnsinn, wie sehr der Mensch das Bedürfnis nach Gegenständlichem hat“, beobachtet Eliska Matousek.

Frühstück und Meditation

Sie und die weiteren Künstlerinnen – Beate Baumann, Ingrid Mettert, Eva Brand, Martina Roet, Nika Seibert und Lydia Jordan – sind sehr glücklich mit ihrer ersten gemeinsamen Aktion. Zwei Tage Aufbau, zwei Tage Ausstellung, ein Tag Abbau – jedes Treffen beginnen sie mit einem Frühstück, einer Meditation und mit Gesprächen über aktuelle Befindlichkeiten. Sie haben etwas Entscheidendes lernen dürfen in diesen Tagen: loslassen und festlegen. Das heißt: Die eigenen Wünsche und Ideen loslassen und sie auf etwas Neues festlegen.

In ihrem Atelierraum im Club Alpha, den sie in gemeinschaftlicher Arbeit renoviert haben, geht jetzt der Alltag los. Die Frauen wollen sich regelmäßig  zum Kunst-Machen treffen – jede für sich oder alle zusammen.

Info Das Frauenzentrum bietet kreative Workshops an. Mehr Informationen gibt es im Internet: www.frauenzentrum-sha.de/ateliergruppe. Die Ateliergruppe „FrauenArt“ im Club Alpha hat noch Platz für weitere Kunstschaffende.

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