Verantwortung als Schulfach

Eine Schule, geprägt von Wertschätzung, Anerkennung und Wahlmöglichkeit: Die Gemeinschaftsschule bietet die Chance dazu, meint Margret Rasfeld. Die Werkrealschule am Schulzentrum Ost will sie nutzen.

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Margret Rasfeld hat 2007 in Berlin eine Gemeinschaftsschule gegründet, die so erfolgreich ist, "dass wir ständig woanders darüber berichten könnten", so die Pädagogin. Im Schulzentrum Ost informierte sie Eltern und Lehrer über ihr Konzept. "Wir müssen uns fragen, was unsere Kinder brauchen und was die Welt braucht", stellt sie klar. Unsicherheiten würden die Menschen herausfordern, meinte sie mit Blick auf Veränderungen, etwa in der Berufswelt, aber auch auf die ökologischen Probleme.

Ihr Rat: Weg von der Konkurrenz, hin zur Gemeinschaft. In der Schule müsse Raum für Begegnungen und Bindungen geschaffen werden. Die Gemeinschaftsschule ermögliche es, die Verschiedenheit der Schüler als Schatz zu begreifen, so die passionierte Lehrerin. Sie fördere nicht nur die Schwächeren. Der Lernzuwachs sei auch bei guten Schülern höher als an anderen Schulen. "Für Kinder ist es selbstverständlich, sich gegenseitig zu helfen. Sie können den Stoff oft besser erklären als die Lehrer", hat Rasfeld festgestellt.

"Mir macht es total Spaß, mein Wissen weiterzugeben", erzählt Anselm Bresgott, ein 14-Jähriger aus Rasfelds Schule, der zusammen mit der Zehntklässlerin Lara-Luna Ehrenschneider aus der Schule berichtet. Die Jugendlichen sprechen frei und selbstbewusst vor den rund 100 Zuhörern, die sich beeindruckt zeigen.

Lob und Anerkennung schreibt Rasfeld groß, das motiviere. Auf Schulversammlungen verteilen Schüler und Lehrer öffentlich Lob, etwa für besondere Anstrengungen oder den Einsatz für einen kranken Mitschüler. "Wir beginnen unsere Lehrerkonferenz mit einer Lobrunde. Das macht eine positive Stimmung", so Rasfeld.

Für Mathematik, Deutsch, Englisch sowie Natur und Gesellschaft gebe es Lernbüros. Die Reihenfolge der Themen sei nur grob festgelegt. In drei Jahren müssten sie aber alle bearbeitet werden. Wem das zu viel Freiheit ist, dem gebe der Lehrer mehr Struktur. Tests schreiben Schüler erst, wenn sie sich fit fühlen. Das nehme Angst, so die frühere Gymnasiallehrerin. "Bei Ihnen heißen die Lernbüros Lerngemeinschaften", sagt sie in Richtung von Rainer Herrmann, dem Rektor der Werkrealschule Schenkensee. Dort laufe jetzt schon vieles ähnlich wie an ihrer Schule. So arbeiten in den Lerngemeinschaften die Schüler von Klasse 5 und 6 zusammen. Es gibt überwiegend Doppelstunden. Die Haller Schule hat das Ziel, 2014 Gemeinschaftsschule zu werden.

Die Berliner Schule geht mit neuen Fächern einen Schritt weiter. Für "Verantwortung" suchen sich die Siebtklässler eine gesellschaftliche Aufgabe. "Ich war einmal pro Woche in einem Kindergarten, das war anstrengend, aber eine tolle Erfahrung", schildert Anselm Bresgott. Highlight ist das Fach "Herausforderung". Drei Wochen lang arbeiten die Kinder in einem Projekt, meist außerhalb der Stadt. Kürzlich habe man ein Haus gebaut, das später zu einem Dorf für Jugendliche gehören soll, so der Schüler. Eine körperliche und emotionale Herausforderung sei das gewesen, denn nie gehe alles nach Plan, bekannte er.

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