Untertassen, Zäune und Liebe

Die Kaberettistin und Liedermacherin Uta Köbernick gefällt bei Kultic in Crailsheim mit Poesie und Hintersinn.

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Uta Köbernick führt ein „Handy“-Telefonat mit der Violine, die ihr mitteilt, sie sei nicht dafür gebaut worden, billige Klingeltöne zu spielen.  Foto: 

Auf eine teils poetisch-feinsinnige, teils hintersinnige Art nahm Uta Köbernick am Samstagabend im Crailsheimer Sparkassensaal ihr Publikum nach und nach für sich ein. Heftigen Beifall erhielt sie dafür am Ende.

„Grund für Liebe“ hat die in der Schweiz lebende Berlinerin ihr Soloprogramm genannt. Es schwankt zwischen Politischem und Privatem, zwischen sympathischen Momenten des Alltags und öffentlichem Protest gegen politisches Fehlverhalten.

Manchmal kommt beides zusammen, etwa beim Lied über den Schweizer SVP-Politiker Ueli Maurer, der sechs Jahre lang Vorsteher des „Eidgenössischen Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport“ war. Der warb für den Kauf von 22 neuen Kampfflugzeugen mit den Worten: „Wie viele Gebrauchtgegenstände, die 30 Jahre alt sind, haben Sie noch zu Hause? Bei uns sind das nicht mehr viele, außer natürlich die Frau, die den Haushalt schmeißt.“ „22 fliegende Untertassen“ hat Uta Köbernick deswegen ihr Lied genannt, in dem das Borgen oder Verkaufen gebrauchter Waffen an „gute Freunde“ thematisiert wird – so, als seien es Haushaltsgegenstände.

Schlechter Lohn fördert Hass

Genauso prangert Uta Köbernick das Errichten von Grenzzäunen in einem anderen Lied an oder die „Rattenfänger“ wie „Pegida“. Fast nebenbei setzt sie mit „Sie fahren Taxi“ der Fremdenfeindlichkeit Musikalisches entgegen und deutet an, worin die Aggressivität gegen Ausländer ihren Ursprung hat: oft in schlechter Bezahlung für harte Arbeit und fehlender gesellschaftlicher Akzeptanz.

Bei allem Politischem gibt es auch allgemeiner gehaltene Lieder, etwa das „Vom Wackeln“. Der Stuhl, die Milchzähne, die Wände, das Versprechen, Staaten, Fakten und Thesen wackeln bei der Kabarettistin, und: „Es wackelt am Ende sogar noch der Schluss.“

Wortspielereien sind eine andere Leidenschaft von Uta Köbernick. Heinz Erhardt scheint in vielen sich reimenden Sinnsprüchen durchzuschimmern, etwa wenn Uta Köbernick fragt: „Warum lernen wir in Mathematik nicht, womit wir im Leben rechnen müssen?“ Oder: „Wenn ich mir ein Beispiel nehme, fehlt das dann woanders?“

„Der Grund für Liebe bist du“

Gelegentlich lässt sie ihren Sohn Fragen stellen wie: „War der Urknall der Tod von Gott?“ Darauf, was ein schwarzes Loch sei, gibt’s als Antwort: „Unser Wirtschaftssystem.“ Entsprechend meint sie: „Ich finde, bei so einem Programm mit dem Wort Liebe im Titel muss man erst mal über Geld reden.“ Aber auch Liebe und Beziehungen finden sich im Programm. Das „Lied vom Knoten“ gehört dazu, bei dem es am Schluss heißt: „Ein Ende bleibt mit Knoten zurück und wird am Ende das Ende nie los.“ Das Lied „Grund für Liebe“ endet mit der Erkenntnis: „Der Grund für Liebe bist du.“

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