Unter der Woche in Freising

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Von links: Kreisvorsitzender Michael Schenk, Generalsekretärin Judith Skudelny und Bundestagskandiat Valentin Abel.  Foto: 

Auf Platz 23 der FDP-Landesliste geht Valentin Abel bei der Wahl am 24. September ins Rennen. Die Chancen, über die Zweitstimmen in den Bundestag einzuziehen, sind somit nicht allzu groß. „Dafür müsste die FDP mehr als 20 Prozent bekommen“, sagt der 26-jährige Künzelsauer. Einen Zweitstimmenwahlkampf möchte er ohnehin nicht führen. „Ich will mit meiner Person für die Inhalte der FDP werben“, sagt Abel. In den kommenden Monaten wird er in etlichen Fußgängerzonen in der Region um Wählerstimmen kämpfen.

Allein auf die Karte Bundestag setzt Valentin Abel nicht. Im Sommer 2016 beendete er sein Management-Studium in Mannheim. Seit November arbeitet er als kaufmännischer Angestellter in der Halbleiterindustrie bei Texas Instruments in Freising bei München. „Ich pendele derzeit sehr viel, bin am Wochenende und einmal unter der Woche daheim“, sagt Abel.

Übermüdet wirkt er beim Wahlkampfauftakt der FDP-Kreisverbände Schwäbisch Hall und Hohenlohe am Freitagabend im Braunsbacher Gasthaus „Löwen“ allerdings nicht. Abel spricht frei, die Haare sind gestylt, ein Drei-Tage-Bart lässt ihn ein paar Jahre älter wirken, als er ist. Seine Rede beginnt er mit einer Attacke auf den potenziellen Koalitionspartner CDU: „Deutschland ist gerade in einer Position der Stärke, aber wir machen nichts, um das Land fit für die Zukunft zu machen.  Damit der Lebensstandard in Deutschland nicht ins Mittelmaß abrutsche, seien deutlich höhere Ausgaben bei der Bildung notwendig. „Wir wollen, dass künftig der Bund statt die Länder für die Bildungspolitik zuständig ist“, betont Abel.

Ausbau der digitalen Infrastruktur im ländlichen Raum, Bekenntnis zu Freihandel, strenge Einhaltung der Euro-Stabilitätskriterien, Investitionen in Energienetze, dafür zunächst kein Wort zu Steuersenkungen. Abel scheint voll und ganz die Linie der Bundes-FDP zu vertreten: unbedingt wegkommen vom alten Image, eine reine Klientelpartei der Besserverdienenden zu sein.

Judith Skudelny, nach Abel die zweite Rednerin des Abends, steigt mit dem Thema soziale Gerechtigkeit ein. Die „linken Parteien“, zu denen die frühere Bundestagsabgeordnete und heutige Landes-Generalsekretärin auch die CDU zählt, würden unter dem Begriff nur noch die Verteilung von Ressourcen verstehen.  Die FDP hingehen verstehe unter sozialer Gerechtigkeit auch die Verteilung von Rechten und Möglichkeiten: „Wir wollen die weltbeste Bildung haben und den Mittelstand entlasten“, so Skudelny. So sollen Unternehmen künftig erst dann Umsatzsteuer abführen, wenn sie vom Auftraggeber Geld erhalten haben. Zudem fordert sie, die Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge zu streichen. „Mit großen Steuersenkungsversprechen sollten wir uns im Wahlkampf aber zurückhalten“, mahnt die 41-Jährige.

Bevor sie die Abschaffung des Solis 2019 und den Verkauf der vom Bund gehaltenen Telekom-Aktien fordert, wird sie von einer Kellnerin unterbrochen. „Einmal den Schwarzwurzelsalat und die Linsen mit Spätzle. Entschuldigen Sie, dass ich störe, aber sonst wird das Essen kalt.“ Während Abel und Skudelny reden, bekommen rund 30 Parteikollegen Essen und Getränke serviert. Die Atmosphäre im kleinen Konferenzraum ist eher familiär als kämpferisch.

Bei der abschließenden Diskussion herrscht Einigkeit: nur dann eine Koalition mit der Union eingehen, wenn die Handschrift der FDP deutlich erkennbar ist. Falls nicht, lieber in die Opposition gehen. 2013 hatte die FDP nur 4,8 Prozent erhalten und war aus dem Bundestag geflogen. Am Wiedereinzug zweifelt beim Wahlkampfauftakt in Braunsbach niemand.

Anlauf steht hier, hier die Erklärung

Valentin Abel wurde 1991 im Kün-
zelsauer Ortsteil Westernhausen geboren, besuchte das Ganztagsgymnasium Osterburken und studierte bis 2016 Betriebswirtschaftslehre in Mannheim, Edinburgh und Maastricht. Seine politischen Ämter: stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP Hohenlohe, Mitglied im Bezirksvorstand der FDP Franken, Mitglied im Landesvorstand der FDP Baden-Württemberg und Vorsitzender der Jungen Liberalen Baden-Württemberg.

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