Unfallfahrer muss 1500 Euro zahlen

Im Oktober 2016 sind zwischen Vellberg und Talheim zwei Autos ineinander gekracht. Der Verursacher hat nun seine Strafe vor dem Haller Amtsgericht erhalten.

|

Am 26. Oktober vergangenen Jahres geriet ein 26-jähriger BMW-Fahrer auf der Landesstraße 1040 bei Vellberg auf die linke Fahrbahn und stieß mit einem entgegenkommenden Golf zusammen. Während er selbst und sein Begleiter unverletzt blieben, erlitten die vier Insassen des Golfs Brüche und Prellungen. An beiden Autos entstand Totalschaden. Jetzt musste sich der Unfallfahrer vor dem Haller Amtsgericht verantworten.

Ohne Verteidiger, aber mit einer Dolmetscherin an seiner Seite äußert sich der 26-jährige Portugiese nur kurz: „Ich kann nichts sagen. Das war mein Fehler.“ Der schmale Mann mit einem gepflegt geschnittenen dunklen Bart braucht die Übersetzerin nicht, er spricht ausreichend Deutsch. Vor vier Jahren kam er nach Schwäbisch Hall. Er arbeitet als Staplerfahrer. Dass er mit seinem schwarzen Dreier-BMW gerne schnell unterwegs war, erkennt man an seinen beiden Eintragungen im Fahreignungsregister: Zweimal schon bekam er wegen zu hoher Geschwindigkeit  ein Bußgeld von 110 Euro.

Opfer humpelt an Krücken

Für die  Kurve zwischen Vellberg und Talheim, in der es zu dem fatalen Zusammenstoß kam, ist Tempo 50 erlaubt. Mindestens 70 wird er gefahren sein,  genau untersucht wurde es nicht. Die 64-jährige Fahrerin des Golfs, die mit geschätztem Tempo 40 auf der Gegenfahrbahn Richtung Vellberg fuhr, konnte den Unfall trotz einer Vollbremsung nicht vermeiden. Die Frau humpelt jetzt mühevoll an Krücken in den Gerichtssaal. Ihr linkes Bein ist vom Fuß bis fast zum Knie  geschient. Es sieht aus, als trage sie einen klobig wirkenden Skistiefel.

Der Golf war mit vier Senioren besetzt: Die 64-Jährige hatte ihren gleichaltrigen Mann als Beifahrer neben sich, hinter ihnen saß ein gut bekanntes Ehepaar. Nach einem Konzert in Großaltdorf waren sie gegen 23 Uhr auf dem Nachhauseweg. In der Kurve kurz vor Vellberg kam der BMW vollständig auf die linke Fahrspur und traf den Golf am linken Scheinwerfer. Die Front-Airbags im Golf gingen auf. Sie versprühten dabei ein Pulver wie einen Nebel – so berichten es die vier Verletzungsopfer.

„Alles raus!“, rief der Ehemann der Fahrerin. Er fürchtete, das Auto könne in Brand geraten. Sein Brustbein war ebenso gebrochen wie das des Mitfahrers hinter ihm. Der 63-Jährige auf dem Rücksitz bekam keine Luft mehr. „Ich hab‘ Panik gekriegt“, erinnert sich seine Ehefrau, die hinten neben ihm saß. Dass ihr Handgelenk gebrochen war, bemerkte die 62-Jährige erst viel später.

Am schlimmsten aber war die Fahrerin selbst verletzt. Die 64-Jährige konnte nicht  aus dem Auto steigen. Sie erlitt neben einem Rippenbruch und Prellungen einen Trümmerbruch im linken Fuß: „Alle Zehen, alle Fußknochen sind gebrochen!“ Bis heute darf sie den Fuß nicht belasten.

Der Portugiese stand bei der Unglücksfahrt nicht unter Alkoholeinfluss. Er hatte aber zuvor Haschisch oder Marihuana konsumiert. Eine Blutprobe hat das ergeben. Ein gerichtlich bestellter rechtsmedizinischer Gutachter misst dem Haschischkonsum in diesem Fall wenig Bedeutung bei: Der festgestellte Wert sei nicht hoch. Der Mann sei nicht berauscht gewesen.

Führerschein bleibt gesperrt

Grob verkehrswidrig und rücksichtslos nennt Oberstaatsanwalt Peter Bracharz die Fahrweise des Angeklagten. Wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und vierfacher Körperverletzung beantragt er eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 30 Euro. Dazu soll der seit Dezember 2016 beschlagnahmte Führerschein für fünfzehn Monate gesperrt bleiben.

Richter Jens Brunkhorst entscheidet entsprechend dem Antrag des Oberstaatsanwalts. Der Angeklagte kann die Geldstrafe von 1500 Euro in Raten bezahlen. Der Portugiese akzeptiert das Urteil. Die vier Verletzungsopfer, die nach ihrer Vernehmung im Saal geblieben sind, hören die Verkündung des Urteils ruhig an. Sie bleiben in ihrer Art zurückhaltend und zeigen keine Verbitterung. Die durch den Trümmerbruch des Fußes gezeichnete 64-Jährige erzählt im Gerichtsflur: „Ich habe ein Pflegebett daheim. Ich muss mich in der Küche waschen, weil ich keine Treppen laufen kann.“ Saß die Frau beim Unfall noch selbst am Steuer, so ist ihr Ehemann jetzt ihr Chauffeur. Wann sie selbst wieder Auto fahren kann, ist ungewiss.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Notwendige Toilettensanierung in Mainhardter Schule läuft

An der Mainhardter Helmut Rau Schule werden sanitäre Anlagen auf aktuellen Stand gebracht. Die Finanzierung der dort anstehenden 15-Millionen-teuren Gesamtmaßnahme ist noch völlig offen. weiter lesen