Ulrike und Valentin Zajler: Im Behindertenwohnheim kennengelernt, jetzt geheiratet

Ulrike Schlipp hat nach fünf Jahren Zusammensein glücklich „Ja“ gesagt zu Valentin Zajler. Ein besonderes Paar feiert in Hall seinen besonderen Tag.

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Im Wohnheim für Menschen mit Behinderung haben sie sich kennengelernt. Kürzlich heirateten Ulrike, geborene Schlipp, und Valentin Zajler im Rathaus Schwäbisch Hall. Nach fünf Jahren glücklicher Partnerschaft hat sie „Ja“ zu ihm gesagt. Rechts im Bild Ursula Groh, die für das Brautpaar auf dem Marktplatz Drehorgel spielte.  Foto: 

Sie sitzen auf ihrem Wohnzimmersofa. Er rechts, sie links. Sie wirft sich immer wieder zurück, so dass ihr das rosa Herzchenkissen von der Sofakante in den Schoß fällt. Sie macht das, wenn sie lachen muss oder wenn ihr etwas peinlich ist. Oder beides zusammen. Zum Beispiel dann, wenn sie erzählt, wie aufgeregt sie bei der Hochzeit war. Dass sie die Nacht zuvor nicht schlafen konnte. Sie reibt sich über den Bauch. Darin hat es gekribbelt. Ihrem Valentin ging es nicht anders. Er ließ vor Aufregung das Sektglas beim Anstoßen vor dem Rathaus fallen.

Der 13. Mai ist ihr Hochzeitstag. An einem 14. Mai sind sie zusammengekommen, vor fünf Jahren war das. Sie lernten sich im Wohnheim für Menschen mit Behinderung im Teurershof kennen. Da wohnten beide. Als sie einzog und sie sich sahen, sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen. „Gesucht und gefunden“, nennt es Ursula Groh. Sie hat seinerzeit im Wohnheim gearbeitet und eines Tages, da waren die beiden zirka ein Jahr zusammen, sagten sie zu ihr: „Wenn wir mal heiraten, dann spielst du auf der Drehorgel für uns.“

Drei Jahre später schenkte Valentin Zajler seiner Freundin ein Herz aus Holz, selbst gemacht – es ist das Verlobungsgeschenk. Ein Jahr später feiern sie Hochzeit. Wie gewünscht spielt Ursula Groh die Drehorgel auf dem Marktplatz. „Ganz in Weiß“ von Roy Black und „Kalinka“ – speziell für den Bräutigam, der aus Russland stammt. Da kommt auch Oberbürgermeister Pelgrim aus dem Rathaus, sieht die beiden und gratuliert. Dann geht es in die Pizzeria Rose, wo das Paar einen Hochzeitstanz hinlegt und danach Schnitzel, Eis und Hochzeitstorte isst.

Seit einem Jahr wohnt das Paar alleine in einer Wohnung im Teurershof. Sie bekommen Hilfe von ihren Betreuern und helfen sich gegenseitig. „Ich kann nicht kochen“, sagt Ulrike Zajler, und wieder plumpst ihr das Kissen beim Zurückwerfen in den Schoß. „Ich koche“, sagt er. Ein bisschen stolz auch, denn er kocht für sich und „seinen Schatz“.

„Sie kann nicht still sitzen“, sagt er, als seine Frau wieder einmal aufspringt. Er liebt sie auch dafür. Weil sie fleißig ist und immer was zu tun braucht. Manchmal ist sie auch traurig. Das kann Valentin nicht sehen. „Sie hat dann Herzschmerzen und dann bekommt sie Kopfschmerzen“, sagt er. Um sie abzulenken, kitzelt er sie. Sofort lacht sie wieder.

Beide arbeiten in den Beschützenden Werkstätten, beide in der Holzabteilung. Manchmal neckt sie ihn. Sie steckt ihm ein Taschentuch in die Hose. „Wir sind doch nicht alleine“, mahnt er dann. Und wieder lachen beide von ganzem Herzen.

Am Morgen der Hochzeit geht sie zum Friseur. Geschminkt und frisiert kommt sie zurück, zieht im Bad das Kleid an, das sie von einer russischen Schneiderin nähen ließ. Als er sie sieht, muss er weinen. Er steckt sich eine rote Rose ans Revers.

Nun tragen beide einen silbernen Ring am Finger, darin der Name des anderen und das Hochzeitsdatum. Stolz strecken beide die Hand vor. „Meine Ehefrau“, sagt er. Sie kichert. „Ehemann“ zu sagen, fällt ihr noch nicht ganz leicht.

Alles war sehr aufregend für sie. Jetzt kehrt ein wenig Ruhe ein, das gefällt den beiden. In ihrer Wohnung stehen und hängen die Zeugen ihrer Hochzeit: Blumen, Karten, ein Bild mit Fingerabdrücken der Gratulanten. Bald werden Hochzeitsfotos dazukommen, um sie immer an den schönsten Tag ihres Lebens zu erinnern.

Zur Person

Valentin Zajser ist 41 Jahre alt und wurde in Russland geboren. Mit 17 Jahren kam er nach Deutschland. Ulrike Zajser, geborene Schlipp, stammt aus Heilbronn. Sie ist ein „bissel älter“ als er, wie alt möchte sie nicht verraten. Beide arbeiten in den Beschützenden Werkstätten im Aschenhausweg. Sie wohnten einige Jahre im Wohnheim auf dem Teurershof und haben seit einem Jahr ihre eigene Wohnung.

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