Ulrike Neidhardt und Willem Tette übernehmen Bauernhof auf Kleincomburg

Auf der Kleincomburg sind neue Pächter eingezogen. Bald werden in der Gärtnerei wieder Biogemüse und landwirtschaftliche Produkte angebaut und zum Kauf angeboten.

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    Willem Tette und Ulrike Neidhardt mit den drei Söhnen Hennes, Vigen und Ole. Foto: 
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    Ein Blick auf die Kleincomburg, die Großcomburg im Hintergrund. Foto: 
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Eine mehr als 100 Jahre alte Tradition endete, als 2013 die JVA-Außenstelle Kleincomburg mit Gemüseanbau und Tierhaltung aus Kostengründen geschlossen wurde. Seither fragten sich viele Haller, wie es dort weitergeht.

Am 1. April zogen Ulrike Neidhardt und Willem Tette zusammen mit ihren drei Söhnen Hennes (8), Vigen (5) und Ole (2) als neue Pächter ein. „Wir reaktivieren den Hof. Auf den Feldern werden wir zunächst Kartoffeln, Erdbeeren und Salat anbauen. In die Gewächshäuser kommen Tomaten, Zucchini und Gurken.“ Die Bioerzeugnisse verkaufen Neidhardt und Tette ab Juni dreimal wöchentlich in der Scheune der Gärtnerei. „Im ersten Jahr können wir noch nicht das ganze Programm anbieten, dazu haben wir einfach zu spät angefangen. Viele Vorarbeiten wären schon im Herbst fällig gewesen. Das müssen wir jetzt nachholen. Leider sind die Felder durch den Regen viel zu nass, das verzögert die Arbeiten zusätzlich“, erklärt das hochmotivierte Paar.

Die neuen Pächter sind erfahrene Agrar-Ingenieure

Da der 20 Hektar große Hof zur Hälfte aus Grünland besteht, ist die Anschaffung von Schafen und Hühnern geplant.  Zusätzlich haben sie die befreundete Landwirtsfamilie Maas als Kooperationspartner gewonnen. „Wir profitieren alle davon. Sie brauchen einen viehhaltenden Betrieb. Wir liefern also Gülle und Mist für die Felder und bekommen dafür Grünfutter für unsere Tiere“, erklärt Matthias Maas. Familie Maas versorgt 50 Milchkühe und 60 Kälber und betreibt einen eigenen Bauernladen in Michelbach. Die Biomilch und weitere Erzeugnisse werden das Angebot des Gärtnereiladens bei der Kleincomburg erweitern. „Zunächst müssen wir die Bodeneigenschaften und Witterungsverhältnisse kennenlernen. Dann wollen wir auch mit Getreidearten wie Emmer und Einkorn experimentieren“, plant Tette.

Die 37-jährige Ulrike Neidhardt entstammt einer Haller Siedersfamilie. Vater Kristian bekleidet seit 2015 das Amt des Haalhauptmanns. Ihr Lebenspartner Willem Tette (33) ist in Gera aufgewachsen. Sie lernten sich während des Studiums in Rostock kennen. „Ich wollte Maschinenbau studieren, aber während eines Praktikums entdeckte ich meine Leidenschaft für die Landwirtschaft und traf auf die richtige Partnerin.“

Idealismus ist es, was beide antreibt. „Bei all dem Gerede von Globalität und Handelsströmen setzen wir auf Regionalität und Saisonalität. Es ist eine große Bestätigung, selbst anzubauen, was wir essen. Bio ist für uns Überzeugung. Wir möchten gesundes Obst und Gemüse ernten, das noch seinen charakteristischen Geschmack hat. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird verharmlost. Wir ernten auch ohne deren Einsatz.“

Neidhardt und Tette bewirtschafteten nach dem Studium in den vergangenen acht Jahren einen Obst- und Gemüsehof in Chieming am Chiemsee. Dann wurde die Wohnung zu klein. Bereits im vergangenen Frühjahr starteten sie ihre Initiativbewerbung. Sechs Monate lebten sie in Ungewissheit, bis im September die Zusage ins Haus flatterte. „Ich hielt das für absolut utopisch und hätte nie gedacht, dass ich nach Hall zurückkommen würde“, lächelt Neidhardt und genießt den fantastischen Blick hinüber zur Großcomburg. Schon jetzt fühlt sich die Familie zu Hause. „Nachbarn und frühere Kunden freuen sich, dass wieder Leben in die Gärtnerei kommt.“

Die Schwäbisch Haller JVA-Außenstelle hat vor einem Jahr ihren Betrieb eingestellt. Nur ein Teil der Gebäude wird  nun wieder genutzt. Den Zellentrakt will die Landesakademie für Fortbildung an Schulen zum Gästehaus umbauen, die Kapelle soll wieder als Ort für Konzerte genutzt werden können.

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