Üppige Pracht aus Wien blüht in der Kunsthalle Würth auf

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Antike Schönheit in Gips: In dem nobel inszenierten Raum unterm Sudhaus lässt sich anhand der gezeigten Büsten auch entdecken, wie unterschiedlich das Material Gips wirken kann.  Foto: 

Hier fehlt noch eine Beschriftung, dort müssen noch die Scheinwerfer richtig eingestellt werden: Zwischen Leitern und Montagewagen gewährt die Kunsthalle Würth am gestrigen Freitag den Pressevertretern einen ersten Einblick in die neue Ausstellung. Erst am heutigen Samstag um 17 Uhr wird Vernissage gefeiert. Rund 1000 Gäste hätten sich angemeldet, ist zu erfahren. Ab morgen, Sonntag, ist die Schau dann bis 8. April regulär zugänglich.

Mehr als 400 Werke in Hall

Bereits mitten im Aufbau-End­spurt zeigt sich, dass in der Kunsthalle Würth erneut eine opulente Ausstellung geboten wird: „Verborgene Schätze“ heißt sie – und sie bringt tatsächlich Kunstschätze ans Licht, die in Wien zuweilen eher im Verborgenen blühen. Denn dort gibt es für die Sammlungen kein eigenes Museumsgebäude. Die Akademie der bildenden Künste Wien hat in der Donaumetropole einen mehr als 400 Arbeiten umfassenden Querschnitt ihrer Sammlungen eingepackt und an den Kocher geschickt. Gemäldegalerie, Kupferstichkabinett und Glyptothek der Wiener Akademie geben in der Kunsthalle Würth in Hall ein fast siebenmonatiges Gastspiel. Kunsthallendirektorin Sylvia Weber verspricht einen „Reigen der Namen“, der sich beim Blick in die Ausstellung auch einlöst.

Im so genannten Holzgeschoss stimmt der „Aktsaal der Wiener Akademie im St.-Anna-Gebäude“, von Martin Ferdinand Quadal 1787 in Öl auf Leinwand festgehalten, die Besucher auf die prächtigen Porträts ringsum ein. Darunter auch ein um 1810 entstandenes Selbstbildnis des aus Heilbronn stammenden Heinrich Friedrich Füger. Er ist zudem mit einem reizenden Porträt seines vierjährigen Sohnes Heinrich Adam vertreten: Der Bub hält stolz seine Ärmchen und Hände mit Pinsel und Palette in die Höhe.

In der Reihe der Kinderporträts aus dem 17. und 18. Jahrhundert aus der Akademiesammlung taucht zudem Picassos „Bekröntes Mädchen mit Schiff“ von 1939 auf – eine Arbeit aus der Sammlung Würth. Das gehört zum festen Ausstellungskonzept in Hall: die eigene Sammlung quasi nach möglichen Dialogpartnern zu durchstreifen, erklärt die stellvertretende Museumsleiterin Beate Elsen-Schwedler. Immer wieder werden so Bezüge zur Sammlung Würth geschaffen: Alfred Hrdlickas Torso „Sterbender“ steht neben einem Gipsabguss eines „schlafenden oder sterbenden Sklaven“, und Andy Warhols kühl-grafischer „Friedrich II“ von 1986 blickt auf große Herrscherporträts von Kaiser Maximilian I. und Kaiser Karl V. aus der Rubens-Werkstatt.

Rubens und italienischer Barock

Überhaupt Rubens: Von dem flämischen Maler, dem wohl gefragtesten seiner Zeit (1577 – 1640), sind in der Ausstellung nicht nur kleine, fast modern wirkende Ölskizzen zu sehen, sondern auch das großformatige Stillleben „Bacchanal – Der träumende Silen“ – eine schwelgerische, mit Begierde und Triebhaftigkeit aufgeladene Trauben- und Weinorgie.

Die gezeigten Werke aus der Gemäldegalerie bieten einen lustvollen Streifzug durch unterschiedliche Genres von Porträt über Landschaft bis zum Stillleben. „Auch für die italienische Barockmalerei gibt es ein Faible“, erklärt Julia Nauhaus, Direktorin der Akademie-Sammlungen aus Wien. Im Untergeschoss kommen die gebauschten Tücher und nackten Leiber dem Betrachter ganz nah.

Doch es gibt noch viel mehr zu sehen: beispielsweise eine Auswahl von Gipsbüsten aus der Glyptothek der Wiener Akademie. „Er ist liebenswürdig und bescheiden“, schrieb Friedrich Eggers (1819 – 1872) über den oft gescholtenen Werkstoff. In Hall sind die Büsten im Raum unterm Sud­haus vor dunkelroten Wänden nobel inszeniert – und sie zeigen auch, wie vielfältig dieser Gips sein kann.

Das Kupferstichkabinett der Akademie verfügt über eine Fülle von Druckgrafik-Blättern, Fotografien und Zeichnungen, „es ist das visuelle Gedächtnis der Akademie“, erklärt Julia Nauhaus. Spannende Einblicke bieten feine Porträtzeichnungen, Skizzen von Klimt und Schiele, detaillierte Architekturzeichnungen des Wiener Stephansdoms, Stiche von Albrecht Dürer und vieles mehr.

Die Üppigkeit der neuen Ausstellung in der Kunsthalle Würth legt den Schluss nahe: Ein Besuch wird wohl nicht reichen.

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