Überwältigendes Echo auf offenen Brief: Polizei will Biker sensibilisieren

Mit verstärkten Kontrollen will die Polizei Motorradunfällen vorbeugen. Flankierend hat es einen offenen Brief an die Biker gegeben. Das Echo ist positiv, trotzdem hat es schon einige schwere Unfälle gegeben.

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Motorradunfälle im Landkreis Schwäbisch Hall in den letzten zwei Jahren.  Foto: 

Kaum hat die Motorradsaison 2015 angefangen, sind in der Region schon etliche Motorradfahrer bei teils schweren Unfällen verletzt worden. Der Polizeibericht spricht regelmäßig davon. In Abtsgmünd im Ostalbkreis ist in der vergangenen Woche ein 18-jähriger Biker nach einem Unfall gestorben, bei Winnenden sind ein Motorradfahrer und sein Beifahrer schwer verletzt worden und ein 50-jähriger Biker hat sich in Heilbronn lebensgefährliche Verletzungen zugezogen - und das war nur ein Auszug aus der aktuellen Berichtslage.

„Überwältigendes Echo“ auf den offenen Brief

In den vergangenen Jahren ist laut Polizeistatistik im Landkreis Schwäbisch Hall eine Zunahme von Unfällen mit Motorrädern zu verzeichnen gewesen: 24 Prozent mehr sind im Vergleich zwischen 2013 und 2014 registriert worden (siehe Grafik). Die Polizei reagiert darauf unter anderem mit verstärkten Kontrollen.

Aus Präventionsgründen hatte darüber hinaus das für den Landkreis zuständige Polizeipräsidium Aalen einen offenen Brief an alle Motorradfahrer veröffentlicht, in dem recht emotional an die Vernunft der Zweiradfans appelliert worden ist. Das Feedback sei "überwältigend" gewesen, sagt Bernhard Kohn, Pressesprecher des Polizeipräsidiums und Initiator des Schreibens. "In solch einer Fülle erlebe ich das zum ersten Mal", sagt er. Es habe Mails gegeben, ausführliche und persönliche Schreiben und Diskussionen in einschlägigen Motorrad-Internetforen. Sogar deutschlandweit habe der offene Brief Wellen geschlagen: Es habe Presseanfragen beispielsweise aus Berlin und Mainz gegeben.

Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Aalen begleitet jedes Jahr den Start der Motorradsaison. Dabei hatte Kohn in diesem Jahr das Gefühl, die "übliche Routine aufbrechen zu müssen". Dann ist ihm der Idee des offenen Briefs gekommen. "Diese Gedanken, die ich in dem Schreiben äußere, sind immer da", sagt der Pressesprecher, der seine Karriere bei der Verkehrspolizei begonnen hat und dabei auch viele schwere Motorradunfälle erlebt hat. "Ich bin überzeugt, dass so ein Brief sensibilisiert", meint Kohn, das zeigten ja auch die Rückmeldungen. Er hoffe, dass der Brief auch "die Richtigen" erreiche.

Jetzt ginge es erst einmal darum, die Kontrollarbeit weiterzuführen. Die Personalausstattung des Polizeipräsidiums Aalen reiche aus, um wirkungsvoll zu arbeiten. "Es darf immer gerne etwas mehr sein. Aber die Frage stellt sich gar nicht. Eine der klassischen Aufgaben der Polizei ist nun mal die Unfallbekämpfung", so Kohn.

Das Polizeipräsidium setze zur Überwachung der Motorradfahrer auch eine spezialisierte Motorradfahrerstaffel ein. Doch das Anhalten und Kontrollieren sei mit dem PKW einfacher zu realisieren. "Jemanden aus dem fließenden Verkehr herauszuziehen, geht mit dem Motorrad kaum", erklärt Kohn. Zum Einsatz komme auch ein sogenanntes Videokrad, mit dem Filmaufnahmen von fahrerischem Fehlverhalten angefertigt werden können.

Trotz der schweren Unfälle seit Beginn der aktuellen Saison hat man bei der Polizei nicht das Gefühl, "gegen eine Wand zu reden". Das größtenteils positive Echo auf den Brief zeige, dass die Präventionsbemühungen angenommen würden. "Wir geben die Mühe nicht auf, wir verzweifeln nicht", sagt Kohn und ergänzt: "Dass wir explizit die Motorradfahrer ansprechen, heißt nicht, dass wir nicht wissen, dass auch die PKW-Fahrer ihren Teil leisten müssen." Das Problem sei, dass ein Fahrfehler bei einem PKW ganz andere Konsequenzen habe, als einer auf dem Motorrad.

Kohn selber ist übrigens aus Überzeugung kein Biker: "Mir ist das zu gefährlich."

Den offenen Brief der Polizei an die Biker gibt es hier.

Zahlen aus der Polizeistatistik - Häufigste Unfallursache ist zu schnelles Fahren

Kontrollen Im Jahr 2013 hat es laut der Polizeistatistik 2014 im Gesamtbereich des Polizeipräsidiums Aalen - also in den Landkreisen Schwäbisch Hall, Rems-Murr und Ostalb - insgesamt 385 Kontrollaktionen für Motorräder gegeben. 2014 waren es 232. Dabei sind 2013 2690 Zweiräder kontrolliert worden, 2014 waren es 1732.

Verstöße Bei den Kontrollen sind 2013 im Bereich des PP Aalen 715 Verstöße festgestellt worden, 2014 waren es 397. Darunter fallen 2013 394 Geschwindigkeitsverstöße, 2014 waren es 228. Achtmal wurde 2013 das Überholverhalten moniert, viermal 2014. 103 technische Mängel sind 2013 festgestellt worden, 2014 dann 51.

Unfälle Im Fünfjahresschnitt stellt sich das Bild für den Landkreis Schwäbisch Hall folgendermaßen dar: 74 Unfälle unter Beteiligung von Motorradfahrern hat es 2010 gegeben, 2011 und 2012 waren es je 87, 2013 dann 94 und 2014 schon 114. Seit 2010 sind bei Motorradunfällen im Kreis 16 Biker getötet worden, 180 sind bei Unfällen schwer verletzt und 236 leicht verletzt worden.

Ursachen Die häufigsten Ursache bei Motorradunfällen ist erhöhte Geschwindigkeit (71 Prozent in 2014), falscher Abstand (16 Prozent in 2014) und Überholen (16 Prozent in 2014). Unfallschwerpunkte im Kreis sind auf der B 14 und der B 19.

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