Über den Kampf um die Christen

Die katholische Kirchengemeinde St. Maria, Königin des Friedens in Hessental feiert das 50. Kirchweihjubiläum. Ein Konzert und ein Vortrag von Stadtarchivar Andreas Maisch bilden den Schlusspunkt der Feiern.

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Das Thema "Die Geschichte der Katholiken in Hessental nach der Reformation" lockte am 28. Januar etwa 45 Interessierte ins Gemeindehaus der katholischen Kirchengemeinde St. Maria in Hessental. Stadtarchivar Dr. Andreas Maisch veranschaulichte die Geschichte der Einwohner von Steinbach und Hessental vom 16. Jahrhundert bis zum 19. Jahrhundert. Hessental war eines der Dörfer in der Umgebung von Hall, in denen verschiedene Herrschaften Rechte hatten. In Hessental handelte es sich um die Reichsstadt Schwäbisch Hall und das Ritterstift Comburg, die ihre jeweiligen Einflussbereiche abgrenzen mussten. Als Schwäbisch Hall nach 1522 evangelisch geworden war, hatte sie auch schrittweise ihr Landgebiet reformiert. Spätestens ab den 1540er-Jahren waren alle Dörfer, auch Hessental und Steinbach, evangelisch.

Wie Maisch recherchierte, war das Zusammenleben der Dörfler, die unterschiedlichen Herrschaften unterstanden, nicht einfach. Sie konnten zwar versuchen, die beiden Herrschaften gegeneinander auszuspielen, aber sie saßen auch häufig zwischen allen Stühlen.

Im Übrigen erforderte das dörfliche Zusammenleben und Wirtschaften ein Mindestmaß an Regelungen und Gemeinsamkeiten. Über Dorfordnungen, die die beiden Herrschaften für die Dörfer erließen, in die aber auch die Vorstellungen der Dörfler eingingen, versuchte man, Verfahrensregeln vertraglich festzulegen. Die Bestimmungen zerlegten Hessental in jeweils drei Teile. Örtlich: Es gab hällische und comburgische Güter sowie einen allgemeinen Bereich (Straßen und Gassen), bei dem beide Herrschaften mitredeten. Ebenso gab es drei Gruppen von Personen - comburgische, hällische und fremde. Für die drei Kategorien von Orten wie von Personen galten jeweils unterschiedliche Rechtsverhältnisse. Trotz der konfliktreichen Herrschaftsgeschichte in Hessental gab es bis Ende des 16. Jahrhunderts um ein Themenfeld keine Auseinandersetzung: die Konfession. Das änderte sich aber unter einigermaßen dramatischen Umständen.

Zunächst gelang es der Reichstadt Hall ihre Untertanen und die comburgischen Einwohner von Hessental, der Rekatholisierung zu entziehen. 1594 sollten die evangelischen Einwohner der Kirche von Tüngental zugeteilt worden sein, die katholischen blieben bei Steinbach. 1595 wurde Steinbach wieder katholisch. Zwar hatten die Einwohner selbst in Würzburg gegen die Rückkehr zur katholischen Kirche protestiert. Unter anderem wegen des neuen Kalenders: Der gregorianische Kalender galt zu diesem Zeitpunkt nur für Katholiken, sodass der 28. Januar im evangelischen Hessental der 7. Februar im katholischen Steinbach war. Doch diese Einwände wurden am Ende abgelehnt.

Im Dreißigjährigen Krieg unternahmen Würzburg und Comburg einen ersten Versuch, zur gewaltsamen Rekatholisierung Hessentals, der aber angesichts der militärischen Entwicklungen im Krieg scheiterte. Ab 1680 allerdings ersetzte Comburg dann systematisch seine bisherigen evangelischen Bauern durch katholische, sodass am Ende des Jahrhunderts zirka zwei Drittel von Hessental katholisch waren. Der Zusammenhalt der katholischen Untertanen des Ritterstifts wurde durch Prozessionen auf den Einkorn gefestigt. Diese lösten massive Gegenreaktionen in Hall aus.

Autor Kirchengemeinderätin Gabriele Gronert hat in dem Text den Vortrag von Stadtarchivar Andreas Maisch zusammengefasst.

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