Tumult im Hühnerstall

Mit Kindern kommt Leben in die Bude. Und Unfug. Und manchmal kommen auch Hühner und Fuchs. Diese Erfahrung machte jetzt das Ehepaar Beate und Paul Schönerstedt aus Ammertsweiler. Deren Kinder sind zwar schon groß, aber es gibt Enkel. Und die leben in Stuttgart.

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Verschreckt, aber auch verschmitzt schaut der Fuchs vom obersten Regal des Hühnerstalls in die Kamera.  Foto: 

Mit Kindern kommt Leben in die Bude. Und Unfug. Und manchmal kommen auch Hühner und Fuchs. Diese Erfahrung machte jetzt das Ehepaar Beate und Paul Schönerstedt aus Ammertsweiler. Deren Kinder sind zwar schon groß, aber es gibt Enkel. Und die leben in Stuttgart. In der Landeshauptstadt gibt es neben vielen Autos immerhin einen Zoo, aber so richtig hautnah an die Natur kommen die Kinder dort nicht ran.

Deshalb besorgte sich Schönerstedts in Stuttgart lebende Tochter einen Brutapparat sowie vier befruchtete Hühnereier. Mit großer Begeisterung beobachteten die Enkel, wie die Küken schlüpften, erzählt Beate Schönerstedt. Fortan lebte die Kükenschar im Wohnzimmer. Doch aus den possierlichen Küken wurden Jungvögel. Unter den Jungvögeln war auch ein Hahn, der sich im Gockel-Sein erprobte und bald fröhlich zu krähen begann. Morgens um 5.30 Uhr. Mitten in Stuttgart. Das war der Anstoß, sich über einen Ortswechsel des Federviehs Gedanken zu machen.

In solchen Fällen sind Großeltern immer eine gute Adresse - zumal, wenn sie auf dem Land leben. Gesagt, getan: Paul Schönerstedt richtete einen Hühnerstall. Und Beate Schönerstedt kaufte noch zwei Legehennen dazu, damit sie nicht nur die Arbeit mit Füttern und Misten hat, sondern täglich die Freude über zwei Eier.

Das Glück dauerte nicht lange. Im Juli hieß es im Dorf: Ein Fuchs ist da. Der machte bald auch seinem Ruf alle Ehre - im Blutrausch tötete er bei einem Nachbarn der Schönerstedts zwar keine Gans, aber mehr als ein Dutzend Hühner. Wenige Tage später suchte Reinecke Fuchs einen weiteren Nachbarn heim. Dieses Mal mussten zwei Enten dran glauben. Die fröhlichen Gespräche über den gefiederten Familienzuwachs wichen der bangen Frage: "Wird der Fuchs auch unsere Hühner holen?"

Der Hahn krähte und es war klar: Das ist kein Morgengruß

Vor gut einer Woche - es war am helllichten Tag - als der Hahn ganz anders krähte als sonst, wusste Beate Schönerstedt gleich: "Das ist ein Warnruf." Sie rannte zum Hühnerhof und war zunächst erleichtert. Alle Hühner scharrten im Hof. Alle? Oh Schreck - eines fehlte. Beate Schönerstedt schaute durch die Holzluke, durch welche die Hühner aus dem Stall ins Freie können, und erstarrte: Im Halbdunkel erkannte sie einen Fuchsschwanz. Schnell schloss sie die Klappe und rief ihren Mann. Durch die vergitterte Tür des Hühnerstalls beobachteten Schönerstedts den Fuchs. Der hatte sich in eine Ecke verzogen. Also wagten sie es, die Türe kurz zu öffnen. Das Huhn - das inzwischen ordentlich Federn gelassen hatte, aber immerhin noch am Leben war - lief gackernd ins Freie.

Jetzt war guter Rat teuer. Der Nachbar wurde befragt. Der ist Jäger und hat vielleicht eine Lebendfalle, hoffte Beate Schönerstedt. Nein, leider nicht, winkte dieser ab. Lebendfallen müssten ebenso wie ein Gewehr angemeldet werden. Auf Empfehlung des Jägers schossen sie mit einigen Platzpatronen in den Hühnerstall. Die Überlegung: Wenn der Fuchs sich jetzt ordentlich erschrickt, kommt er nie wieder hier her. Das Erschrecken klappte - der Fuchs reagierte wie ein Angsthase und verzog sich über zwei Nester hoch auf das oberste Regal neben ein Deko-Strohhuhn.

"Der Fuchs war fix und fertig", erzählt Beate Schönerstedt. Da tat er ihr leid und sie fing an, mit ihm zu verhandeln. "Wenn du dich mit meinen Hühnern gut verträgst, darfst du hier wohnen bleiben." Doch der Fuchs schaute so verschmitzt drein, dass sie diesen Gedanken wieder verwarf. Die beiden Ammertsweilerer entwickelten daraufhin einen "Jagdplan". Beate und Paul Schönerstedt nagelten einen Sack an die Hühnerklappe, zündeten an der Eingangstüre zum Hühnerstall Schwefelschnittchen an (Beate Schönerstedt ist Imkerin und hat deshalb solche zu Hause). Der Fuchs roch quasi Lunte und rannte zur inzwischen geöffneten Hühnerklappe. Dort war es wegen des Sacks zwar dunkel, aber es gab frische Luft.

So eingesackt wurde der Beutel oben verschnürt, in eine Motorrad-Packtasche gesteckt, und gemeinsam fuhr das Ehepaar Schönerstedt in den Wald. "Komm' ja nicht wieder", rief Beate Schönerstedt Reinecke Fuchs nach, als er im Untergehölz verschwand. Ob der Fuchs wohl richtig zugehört hat? - Wenige Tage später spazierte erneut ein Fuchs über den Hof. Beate Schönerstedt vermutet: "Es muss eine große Sippe sein."

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