Türsteher soll Handys von Disko-Besuchern verkauft haben

Ein Haller Türsteher ist angeklagt worden, das Handy einer Diskotheken-Besucherin gefunden und unterschlagen zu haben. Vor dem Haller Amtsgericht beteuert der 30-jährige Mann aber seine Unschuld.

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"Man wird geliebt und man wird gehasst, das ist normal in meinem Beruf", sagt der groß gewachsene Mann, der sich vor dem Amtsgericht wegen Unterschlagung verantworten muss.

Der 30-Jährige arbeitet als fest angestellte Sicherheitsfachkraft in einer Haller Diskothek: "Ich bin der Chef von der Türe." In der Anklage sieht er eine Kampagne: "Da gibt es Gäste, die bei mir nicht reingekommen sind, die wollen mir was anhängen."

Einer dieser abgewiesenen Besucher will dem Türsteher auf die Schliche gekommen sein. Er verbreitet in seinem Bekanntenkreis, der Mann verkaufe liegen gebliebene Handys auf der Straße weiter. Deswegen haben mehrere Frauen, die ihr Mobiltelefon in der betreffenden Diskothek eingebüßt haben, den Türsteher bei der Polizei angezeigt.
 

Der Angeklagte sieht eine Kampagne gegen sich

Der letzte Vorfall ereignete sich am 16. März dieses Jahres. Eine 19-jährige Besucherin hatte eigentlich nur Alkohol-Mischgetränke zu sich genommen, fiel aber plötzlich um und lag bewusstlos auf dem Boden. "Wahrscheinlich hat man mir K.-o.-Tropfen eingeflößt", berichtet sie als Zeugin vor Gericht (zur Wirkung von K.-o.-Tropfen: siehe Infokasten). Ein Rettungswagen brachte die junge Frau ins Krankenhaus. Als sie am nächsten Morgen wieder bei Sinnen war, fehlte in ihrer Tasche ihr iPhone 5 - das Gerät hatte einen Zeitwert von etwa 300 Euro. Eine Nachfrage in der Diskothek ergab nichts.

Tags darauf durchsuchten Polizeibeamte gleich früh die Wohnung des verdächtigen Türstehers. In einem Schrank fanden sie das gesuchte iPhone der 19-Jährigen - ohne SIM-Karte. "Ich wollte es abgeben", beteuert der Angeklagte. Er habe das Handy in der Diskothek auf einem Zigarettenautomaten gefunden: "Das lag offen da."

Weil man dem Mann schwer widerlegen kann, dass er das iPhone der jungen Frau beim Ordnungsamt abgeben wollte, erklärt sich Staatsanwalt Tobias Krautwasser mit einer Einstellung des Verfahrens einverstanden - nicht zum Nulltarif, sondern gegen eine Geldauflage. Verteidiger Michael Fust ist offen für den Vorschlag: "Ich komme nicht umhin, hier die Verdachtsmomente zu sehen", meint Fust. Der Angeklagte ist einverstanden.

Im Gegenzug zur Einstellung des Verfahrens setzt Richter Jens Brunkhorst eine Auflage von 350 Euro fest. Der Türsteher kann den Betrag in sieben Raten begleichen. Die finanzielle Situation des Mannes ist angespannt, weil er derzeit noch eine Geldstrafe wegen Körperverletzung abstottern muss.

K.-O.-Tropfen setzen einen Betroffenen außer Gefecht

Kampfunfähigkeit Eine Zeugin sagt in der Gerichtsverhandlung, dass ihr K.-O.-Tropfen verabreicht worden seien (siehe Haupttext). Doch was sind K.-O.-Tropfen, und welche Wirkung haben sie?

K.-O.-Tropfen enthalten chemische Wirkstoffe, die ein ahnungsloses Opfer für Stunden bewusstlos machen können. Die Tropfen werden unbemerkt unter Getränke oder Speisen gemischt. Man kann sie nicht sehen, riechen und nur kaum wahrnehmbar schmecken. Die Opfer können sich später an das Geschehen kaum erinnern. "K.-O." steht für "knock-out" - das Wort steht im Boxsport für Kampfunfähigkeit.

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