Türen ins 16. Jahrhundert

Bei der Premierenfeier nach der Uraufführung zu „Brenz 1548“ weicht die Anspannung bei Schauspielern, Autor und Regisseur. „Man muss seinen Weg finden“, sagt der Hauptdarsteller.

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Anne Weinknecht rutscht auf dem Rücken liegend mit dem Kopf voraus, die Treppe hinab. Von ganz oben bis fast ganz nach unten. „Alles nicht so schlimm“, sagt die Darstellerin, die Margarethe, die Frau von Johannes Brenz, spielt. Bei den ersten Proben hat es für diese Schlussszene zwar blaue Flecken gegeben, „doch das ist alles eine Frage der Übung“. Außerdem wird sie für den Teil des Stücks, der ihre Krankheit und ihren Tod symbolisiert, gut gepolstert.

Bleibt Johannes Brenz oder geht er? Diese Entscheidung am Ende des Stücks ist für Hauptdarsteller Dirk Schäfer einer der Knackpunkte. Ansonsten fühlt sich der 50-Jährige über die gesamte Aufführung, die zwei Stunden dauert, total gefordert. „Das Stück ist anspruchsvoll. Man muss von Anfang an voll dabei sein und seinen Weg finden“, sagt Dirk Schäfer zwei Stunden nach dem Ende der Uraufführung. Das Halbrund der Treppe eröffne viel mehr Ebenen als eine gerade, ebene Bühne. Die Schritte müssen sehr bewusst gesetzt werden, so Schäfer. „Man positioniert sich auf der Treppe, man muss ganz klar und aufmerksam sein“, sagt der Hauptdarsteller.

Geschrieben wurde „Brenz 1548“ von Andreas Gäßler. Zunächst war diese Aufgabe Harald Müller zugedacht. Doch die Kommunikation mit dem Berliner erwies sich als schwierig, auch weil er nicht online ist. So entschieden sich die Freilichtspiele im zurückliegenden Oktober für einen Wechsel. Was war die Herausforderung für den Autoren bei „Brenz“? „Die Schwierigkeit der Aufgabe lag darin, herauszufinden, worin das Drama besteht“, verrät Andreas Gäßler. Sehr gespannt war er, wie sein Stück in Szene gesetzt ist. „Ich kann nur das Gerüst liefern. Das Fleisch aber kommt durch die Inszenierung und die Schauspieler. Sie erst erwecken das Stück zum Leben“, erklärt Gäßler.

Ich habe das Stück gerne gesehen“, sagt Christian Doll. Der neue Intendant der Freilichtspiele führt bei „Brenz“ Regie. „Wir haben lange nach Lösungen und Konturen für die Zeitreise gesucht“ macht Doll eine Herausforderung deutlich, zwei junge Menschen aus dem Jetzt ins 16. Jahrhundert zu verrücken. „Spannend ist für mich, wie die Haller und die Kirchen mit unserem Vorschlag unserer Brenz-Interpretation umgehen“, verrät Doll. Die ersten Resonanzen auf das Stück, die ihn erreicht haben, waren ausgesprochen positiv. „Vielleicht ist es uns gelungen, einige Türen ins 16. Jahrhundert aufzustoßen.“ Doll spricht auch von einem großen Reiz für ihn und die Schauspieler durch die Tatsache, dass „die Orte wirklich direkt hier sind. Die Vorbilder für unser Stück haben hier tatsächlich gewohnt“. Christian Doll erklärt zu seinem grundsätzlichen Verständnis für dieses Historienstück: „Wie historisch wollen wir sein? Wir wollen etwas finden, was die Historie zitiert, an sie erinnert. Wir stellen uns die Zeit vor, wir bilden sie nicht ab.“

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Die Freilichtspiele Schwäbisch Hall zeigen in ihrer 92. Spielzeit unter anderem Goethes „Wahlverwandtschaften“ und das Reformationsstück „Brenz 1548“. Es ist die erste Saison unter dem neuen Intendanten Christian Doll.

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