Tschüss-Sagen gilt nicht für Karl Lang

Karl Lang hat Zeit seines Lebens wichtige Ämter in Michelfeld und darüber hinaus bekleidet. Dass er sich nun zurückziehen will, glauben ihm die Weggefährten noch nicht so recht.

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Man muss sehr gut aufpassen, wenn man am Ende eines Telefonats mit Karl Lang noch ‚Tschüss‘ sagen möchte“, schmunzelt Wolfgang Binnig, „meistens liegt sein Hörer schon auf der Gabel, bis man als Normalsterblicher soweit ist“. Mit dieser kleinen Charakterskizze beginnt der Bürgermeister von Michelfeld seine Rede bei der Verabschiedung Langs als Vorsitzender des Bundes der Selbstständigen (BDS) in der Gemeinde.

Das Publikum reagiert vergnügt. Alle im Raum kennen das und wissen, dass ihr Karl es nicht böse meint. „Ich höre das oft, aber mir ist gar nicht bewusst, dass ich mich so verhalte“, stellt das Michelfelder Urgestein mit hochgezogenen Augenbrauen fest. Wahrscheinlich steckt es halt tief in ihm drin: Wenn eine Sache abgeschlossen ist, dann gilt es, ohne Umschweife die nächste in Angriff zu nehmen.

Genug zu tun gab es schließlich immer, im Lauf seines nunmehr 68 Jahre währenden Lebens. Wollte man alle Ämter minutiös aufzählen, die er schon mit seiner starken Persönlichkeit ausgefüllt hat, und dazu noch alle Auszeichnungen, die es dafür gab, wäre die Seite schon voll. Beschränken wir uns also auf das Wichtigste. Was sieht er als seinen persönlichen Meilenstein? Mit so einer Frage gerät man bei Karl Lang an den Falschen: „Ich hatte immer Freude an allem, was ich gemacht habe“, stellt er klar, dass er bei seinem politischen und ehrenamtlichen Engagement nichts und niemandem bevorzugt.

„Man hat halt geschaut, dass in der Gemeinde was vorwärts geht“, ist eine seiner Lieblingsaussagen, mit der er in vielen Artikeln über seine Person zitiert wird. Auch hier darf dieser Satz nicht fehlen. 34 Jahre und drei Bürgermeister lang hat er als Gemeinderat daran mitgearbeitet, dass in Michelfeld was vorwärts ging, sieben Jahre davon als Stellvertreter des Gemeindeoberhaupts.

Vor 30 Jahren stampfte er zusammen mit seinem Freund Helmut Kübler den Bund der Selbstständigen aus dem Boden. Die Bank und den damaligen Bürgermeister Klaus Schönfeld hätten sie auch noch „eingespannt“, berichtet Lang. 24 Unterschriften bekamen die beiden bei der Gründungsveranstaltung, zwei Jahre später waren es dann schon mehr als 40 Mitglieder.

Als das Gewerbegebiet Kerz Thema wurde, sei das Ergebnis „ein bissle anders“ gewesen, als ursprünglich gedacht: „Wir wollten eigentlich ein Gebiet, in dem sich das Handwerk und kleinere Betriebe ansiedeln können, aber dann kamen der Röther und McDonalds“. Aus der landwirtschaftlich geprägten „Schlafgemeinde vor den Toren Halls“, wie Lang es nennt, ist ein prosperierender Ort geworden.

Zimmermann baut viel

Auch außerhalb von Michelfeld finden sich seine Spuren: Als Vorstandsmitglied der Zimmerei-Innung Hall war der Zimmerermeister an Planung und Bau des Globe-Theaters beteiligt. Wie findet er es, dass das Gebäude jetzt weg ist? „Sehr schade“, sagt er aus tiefstem Herzen, und dabei bleibt es. Kein Vorwürfe, kein Geschimpfe.

Kommunale Gebäude hochziehen, das gehörte über Jahrzehnte hinweg zum Tagesgeschäft des Holzbauunternehmers. Dabei hat er gelernt, dass Hinterherjammern niemandem nutzt: „Wenn man als Unternehmer einen Fehler macht, dann muss man sagen, das ist jetzt passiert, basta, da pass ich halt beim nächsten Mal besser auf.“

Vor fünf Jahren übergab er seine Firma an einen langjährigen Mitarbeiter. Der Name Lang wurde aber beibehalten und der alte Chef gibt zu, dass er den neuen immer noch tatkräftig.unterstützt.

Vielleicht liegt es auch daran, dass die Weggenossen es ihm noch nicht ganz glauben, wenn Lang sagt, dass er seine Ämter jetzt alle endgültig niedergelegt hat. Also fast alle: Im Gutachterausschuss der Gemeinde ist er schon seit 34 Jahren, und alle hoffen, dass sein „Tschüss“ dort noch eine Weile auf sich warten lässt.

Karl Lang wurde 1949 in Michelfeld geboren. 1968 trat er den Junioren des Handwerks Hohenlohe bei, von 1987 bis 1990 arbeitete er im Vorstand des Vereins. 1987 war er Mitbegründer des BDS Michelfeld, den er bis Mai 2017 durchgehend leitete. Ab 1991 wirkte er zudem als Vorstandsmitglied der Zimmerei-Innung Schwäbisch Hall. Von 1980 bis 2014 war Karl Lang Gemeinderat, von 2007 bis 2014 stellvertretender Bürgermeister. Er erhielt die Ehrennadel in Gold des Gemeindetags. Die silberne Ehrennadel wurde ihm bereits 2000 angesteckt. Bis heute lebt Karl Lang mit seiner Frau Hermine in Michelfeld. Auch der gemeinsame Sohn wohnt im Ort.

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