Trotz hoher Belastung zufrieden

Studien aus verschiedenen Ländern zeigen Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Leben von Bäuerinnen. Eigentumsverhältnisse stellen Weichen für Mitspracherechte.

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160 Frauen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Südtirol und den Niederlanden nehmen seit Dienstag an der Tagung „Frauen bewegen Landwirtschaft – Landwirtschaft bewegt Frauen“ in Schwäbisch Hall teil. Das Foto wurde bei der Eröffnungsveranstaltung aufgenommen.  Foto: 

Bundesweit wurde 1992 die letzte Studie erstellt, die  aufschlüsselt, wie hoch die Belastung von Bäuerinnen  ist, welche Arbeitsfelder sie beackern, welche Entscheidungsbefugnisse sie haben. Das sagte  Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbands, bei der Tagung „Frauen bewegen Landwirtschaft – Landwirtschaft bewegt Frauen“. Umso wichtiger  sei deshalb die repräsentative Studie, die vergangenes Jahr unter Federführung von Hildegard Kuhlmann von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen erstellt wurde.

In NRW arbeiten  83 Prozent der Frauen in landwirtschaftlichen Familien auf dem Hof mit. 70 Prozent leisten unterstützende Tätigkeiten. Elf Prozent der Bauernhöfe werden von einer Betriebsleiterin geführt, bei weiteren zehn Prozent der Betriebe bewirtschaftet die Bäuerin eigenständig einen Betriebszweig. „Das heißt, mehr als jede fünfte Frau hat eine Führungsaufgabe in den Betrieben inne“, so Kuhlmann.

36 Prozent der Frauen arbeiten außerhalb des Betriebs in einem Beruf. Während der vergangenen zehn Jahre hat sich der Anteil der Frauen, die zusätzlich einer Erwerbstätigkeit nachgehen, verdoppelt. Gleichzeitig sank das Arbeitspensum der Frauen auf dem Hof nur wenig, sprich: Die Arbeitsbelastung steigt.  Bei den jüngeren Frauen bis 39 Jahren ist jede zweite berufstätig.  Gründe dafür: Freude am Beruf und der Wunsch nach eigenständiger Absicherung („Nicht jede Ehe hält bis zur goldenen Hochzeit“). Ob damit auch die sinkenden Erlöse in der Landwirtschaft kompensiert werden sollen, wurde bei der Studie nicht erhoben. Frauen, die zusätzlich einer Erwerbstätigkeit nachgehen, pflegen weniger häufig die ältere Generation.

Durchschnittlich arbeiten Bäuerinnen 61,7 Stunden in der Woche für Haus, Hof und Familie. Damit beträgt das Arbeitspensum 16 Stunden mehr als der Durchschnitt aller erwerbstätigen Frauen in Deutschland, so Kuhlmann.

Mitbestimmung ist inzwischen die Regel. Nur bei vier Prozent der Bauernhöfe in NRW bestimmen ausschließlich Männer. Bei 23 Prozent der Betriebe reden Frauen mit, hat der Mann aber das letzte Wort. Bei 70 Prozent der Betriebe wird gemeinschaftlich entschieden.

Blick über die Grenzen

In Österreich hat Erika Quendler von der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft die Lebenssituation von Bäuerinnen untersucht. Sie hat festgestellt, dass dort, wo der Hof den Männern und Frauen zusammen gehört, auch die Entscheidungen gemeinschaftlich getroffen werden. In Österreich ist es in einigen Bundesländern so, dass Frauen oder Männern, die einheiraten, die Hälfte des Hofs überschrieben wird.

Trotz der Belastung, so stellen Kuhlmann, Quendler und Scherb übereinstimmend fest, sei die Zufriedenheit der Bäuerinnen mit ihrem Leben hoch. Als Glücksfaktor werden vor allem die Kinder erlebt, aber auch, dass das Leben „ganzheitlich“ ist, viele Lebensfelder ineinandergreifen und verwoben sind.

Die gut funktionierenden Netzwerke auf dem Land und das familiäre Zusammenleben auf den Höfen schenken den Frauen Kraft und Zuversicht. Sorgen bereiten dagegen niedrige Erzeugerpreise und das Negativ-Image der Landwirtschaft.

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