Transatlantische Beziehungen auf der Probe

Die Politik-AG des Haller Gymnasiums bei St. Michael diskutiert über die Auswirkungen der Präsidentschaft von Donald Trump auf die deutsche Wirtschaft.

|
Vorherige Inhalte
  • Die Politik-AG des Gymnasiums bei St. Michael: Deborah, Matti, Magnus, Johannes, Anna, Jenle und Timo. 1/2
    Die Politik-AG des Gymnasiums bei St. Michael: Deborah, Matti, Magnus, Johannes, Anna, Jenle und Timo. Foto: 
  • 2/2
    Foto: 
Nächste Inhalte

Seit dem 20. Januar ist es offiziell: Donald Trump, einer der momentan wohl umstrittensten Männer der Welt, ist neuer und damit 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Spätestens seit seinem Wahlkampf, der weltweit für Diskussionsstoff sorgte, kennt jeder den Mann, der zu den reichsten seines Heimatlandes zählt. Doch was bedeutet die Präsidentschaft Trumps eigentlich für uns Deutsche und für die deutsch-amerikanische Freundschaft, die unter Obama gehegt und gepflegt wurde? Unter diesem Aspekt hat die Politik-AG des Gymnasiums bei St. Michael diskutiert, ob eine Verschlechterung der Handelsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland in Zukunft zu befürchten ist.

Ehe die offene Debatte beginnt, nennt Deborah, die die Diskussion leitet, die Regeln, an die sich jeder der sechs Teilnehmer zu halten hat. Die Jungen und Mädchen sind in zwei Teams unterteilt: Magnus, Matti und Jenle rechnen mit einer Verschlechterung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA, während Timo, Anna und Johannes gegenteiliger Meinung sind und in Trump keine Gefährdung für Deutschlands Wirtschaft sehen.

Magnus, der die Debatte eröffnet, spricht die vielen Arbeitsplätze sowie den Profit an, den die deutsche Wirtschaft aus den Handelsbeziehungen mit Amerika schöpft. Würde Donald Trump die transatlantischen Beziehungen nicht wie bisher weiterführen, würde dies der deutschen Wirtschaft enorm schaden. Rund 1,5 Millionen Menschen könnten schätzungsweise ihren Arbeitsplatz verlieren.

Andererseits habe sich die Beziehung zwischen der Bundesrepublik und Amerika in den vergangenen Jahren intensiviert, so Timo. Sowohl amerikanische als auch deutsche und europäische Firmen hätten Interesse daran, miteinander zu arbeiten. Somit würde sich Donald Trump, der selbst ein Unternehmen führt, mit der Isolierung Amerikas ins eigene Fleisch schneiden.

Doch es muss auch bedacht werden, dass Trump schon während seines polarisierenden Wahlkampfes gegen das Freihandelsabkommen wetterte. Nur wenige Stunden nach Beginn seiner Amtszeit blieb er seinem politischen Kurs treu und unterzeichnete ein Dekret gegen die Transpazifische Partnerschaft (TTP), woraufhin alle weiteren Verhandlungen auf Eis gelegt wurden, merkt Matti an. Der Neuntklässler ist eines der jüngsten Mitglieder der Politik-AG. Doch nicht nur der Präsident selbst, sondern auch seine Berater nehmen erheblichen Einfluss auf die Politik Amerikas. „Einige Berater Trumps, wie der neue Finanzminister oder der neue Chefökonom, sind offen für Handelsbeziehungen mit der Bundesrepublik“, meint Elftklässlerin Anna.

Jenle, die von einer Verschlechterung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA ausgeht, ist überzeugt: „Trump ist unberechenbar, wir haben alle keine Ahnung, zu was er fähig ist.“ Außerdem wolle er die Wirtschaft im Inland stärken, die Globalisierung „zurückschrauben“ und verringert Waren nach Amerika importieren, was die Weltwirtschaft erheblich beeinflussen würde.

Parlamente entscheiden mit

Was aber oft vergessen wird, ist die Tatsache, dass die amerikanische Staatsform nach wie vor eine demokratische ist. Das heißt, wie Johannes anmerkt, dass Trump seine Ziele ohne Zustimmung des Senats und des Repräsentantenhauses nicht durchsetzen kann. Nur die beiden Parlamente sind bemächtigt, die von Trump geforderten Strafzölle zu erlassen. Des Weiteren zählen viele Mitglieder der amerikanischen Oberschicht zu den Anhängern Trumps. Eine Abschottung der USA wäre ebenso wenig im Interesse der amerikanischen Unternehmer wie im Interesse der heimischen deutschen Firmen.

Die Androhung von Strafzöllen, wie beispielsweise gegen die deutschen Automobilhersteller BMW oder VW, die in Mexiko produzieren, sorgt in Deutschland für Aufsehen. Trump müsse jedoch beachten, dass das Verhängen von Strafzöllen gegen internationales Recht verstoßen kann, so Anna. Auch Timo, der ebenfalls nicht von dauerhaften Schäden der deutschen Wirtschaft durch Trump ausgeht, betont die Verbindlichkeit der Gerichte während der lebhaften Debatte. „Es kann so weit gehen, dass Senat und Repräsentantenhaus gegen den Präsidenten stimmen und Stimmung machen“, erklärt der Politikbegeisterte. Denn Trumps politische Forderungen sind nicht nur im amerikanischen Volk, sondern auch in seiner eigenen Partei umstritten.

Das Verhängen eines Einreiseverbots für Muslime aus den Staaten Iran, Irak, Syrien, Libyen, Somalia, Sudan und dem Jemen (Herkunftsländer vieler Flüchtlinge) zeigt, wie ernst es Trump ist, seine Wahlkampfversprechen zu halten. Außerdem erklärte er bereits offiziell beglaubigte und vom Staat ausgestellte Aufenthaltsberechtigungen, sogenannte Greencards, in einem Dekret für nichtig, woraufhin der Bundesgerichtshof in New York einschritt. Über alles Weitere wird der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, der Supreme Court, entscheiden.

Trump sorgt für Verunsicherung

Abschließend kommen die sechs Diskutierenden zu dem Schluss, dass Trump nicht nur in Amerika, sondern weltweit für Verunsicherung sorgt. Für die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika sieht die Zukunft keineswegs rosig aus. Verhängt Amerika Strafzölle für deutsche Firmen, wird die Bundesrepublik vermutlich ebenfalls mit Sanktionen reagieren. Die deutsch-amerikanische Freundschaft wird sich unter der Präsidentschaft Trumps jedoch auf alle Fälle verändern, da sind sich die Schüler der Politik-AG am Ende ihrer lebhaften Diskussion einig.

Derzeit treffen sich die zehn politisch interessierten Jugendlichen, von der Klassenstufe 9 bis 11 einmal wöchentlich, um über die jüngsten politischen Ereignisse zu diskutieren und ihre Meinungen auszutauschen. Die Oberstudienrätin und Leiterin der Politik-AG, Elisabeth Matthes, ist von ihren Schützlingen begeistert: „Wenn man bedenkt, dass einige erst die 9. Klasse besuchen, ist es wirklich beeindruckend, was sie an Wissen parat haben. Ich bin wirklich stolz.“

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Neue Kläranlage für Michelbach/Bilz

Für 4,47 Millionen Euro erweitert Michelbach ihre Kläranlage und schließt die Steinbrücker über eine Druckleitung an. weiter lesen