Spiel endet mit blutiger Nase

Das Amtsgericht Schwäbisch Hall rollt eine Schlägerei bei einem Steinbacher Fußballspiel vom November 2015 auf. Einer der beiden Haupttäter muss eine Haftstrafe antreten.

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Das Foto zeigt die Tumulte auf dem SC-Sportplatz unmittelbar vor der Gewalttat.  Foto: 

Gewalt auf dem Fußballfeld: Am 15. November 2015 wurde ein Spieler des SC Steinbach-Comburg auf heimischem Platz in einem Tumult von zwei Angreifern übel zugerichtet. Mit einem offenen Nasenbeinbruch kam der heute 34-jährige Sportler, der bei dem Spiel gegen die SSV Schwäbisch Hall als Platzordner eingesetzt war, ins Krankenhaus. Als Täter wurden zwei Reservespieler der SSV ermittelt. Das Haller Amtsgericht rollte den Fall jetzt in einer sechsstündigen Verhandlung noch einmal auf.

In winterlichen kragenlosen Pullovern sitzen die beiden dunkelhaarigen Angeklagten neben ihren Verteidigern. Der Ältere, ein 26-jähriger gebürtiger Türke aus Hall, ist aus freien Stücken pünktlich zur Verhandlung gekommen. Der 24-jährige Jüngere wird in Handschellen aus dem Haller Gefängnis vorgeführt. Der junge Serbe sitzt zur Zeit wegen eines anderen Vorfalls in Untersuchungshaft. Beide Männer sind mehrfach vorbestraft.

Der Tumult auf dem Fußballplatz ist allen noch in Erinnerung: den Angeklagten, dem Opfer und den zehn Zeugen, die vernommen werden. Die Top-Mannschaften der Kreisliga B 1, der SC Steinbach-Comburg und die SSV Schwäbisch Hall, spielten gegeneinander. „Es war voll. Beide Seiten waren gut besucht – 100 bis 200 Zuschauer“, schätzt der ältere Angeklagte. Es stand kurz vor Schluss 1:1, als ein Spieler gefoult wurde. Offenbar sehr erregt, lief der Ersatztorwart der SSV auf den Rasen. Der als Ordner mit einer Warnweste ausgestattete Spieler des SC Steinbach beförderte den Störenfried energisch an die Seite, aber es war schon zu spät: Zuschauer stürmten den Rasen. Auch die Fußballer von der Ersatzbank mischten mit. Der Schiedsrichter soll überfordert gewesen sein.

Insbesondere für vier Sympathisanten der SSV Hall gab es kein Halten mehr. Sie waren schwarz angezogen mit schwarzen Mützen und benahmen sich, sagt ein Augenzeuge, wie „Hooligans“. Zu diesem Quartett gehörten die beiden jetzt angeklagten Gewalttäter. Der Ältere verpasste dem Ordner durch einen ersten Schlag eine schmerzhafte Ohrfeige. Der Angegriffene wehrte sich und nahm den Türken in den Schwitzkasten. Als die Männer mit den Köpfen nach unten miteinander rangen, biss der Türke dem Ordner in einen Finger der rechten Hand.

Aber erst der hinzugeeilte Serbe machte die Szene zum Drama: Mit einem Faustschlag brach er dem Ordner die Nase. Das Gesicht war sofort blutig. Das 34-jährige Opfer erinnert sich vor Gericht: „Der Knorpel war draußen, meine Nase war krumm!“ Als die Schwellung eine Woche später abgeklungen war, wurde er operiert.

Er habe „einfach schlichten“ wollen, beteuert der angeklagte Serbe, sieht aber ein: „Ich habe die Kontrolle verloren!“ Die brutale Attacke gegen den Ordner hat der Trainer vom SC Steinbach gesehen. Als Zeuge vernommen, beschreibt der 41-Jährige den Faustschlag: „Voll ausgeholt von unten raus, voll ins Gesicht!“ Angesichts des blutenden Verletzten habe er „Helfet ihm, helfet ihm!“ gerufen. Das Opfer selbst aber war so aufgebracht, dass es den beiden Tätern noch hinterhersetzte, als die fluchtartig das Weite suchten.

„Mit schlichten nichts zu tun“

Das Wort „schlichten“ ist in dieser Verhandlung oft zu hören, auch von den beiden Angeklagten. Ihnen hält Schwäbisch Halls Erster Staatsanwalt Harald Lustig vor: „Das hat mit schlichten nichts zu tun, das ist letztendlich die Gewalttätigkeit suchen!“ Er fordert für den Türken acht Monate Haft mit Bewährung und elf Monate ohne Bewährung für den Serben, der ohnehin schon hinter Gittern sitzt.

Wäre es nach den Verteidigern Christian Schwerdt und Peggy Eisele gegangen, so wären die beiden Angeklagten freigesprochen worden. Der Türke sei von dem Ordner so eng in den Schwitzkasten genommen worden, dass er habe zubeißen müssen, so Schwerdt. Und Anwältin Eisele meint: Der Serbe habe nur zugeschlagen, weil er dem bedrängten Freund habe helfen wollen.

Richter Jens Brunkhorst verurteilt beide Männer wegen vorsätzlicher Körperverletzung, sieht aber die schwerere Schuld bei dem 24-jährigen Serben. Gegen ihn verhängt Brunkhorst eine achtmonatige Freiheitsstrafe. Der ältere Angeklagte kommt mit einer Geldstrafe davon: 90 Tagessätze zu 30 Euro, also 2700 Euro. Er kann sie in Raten zahlen.

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