Mühsamer Umstieg aufs Rad

Öko-Aktivist Dieter Wolfarth fordert von der Stadtverwaltung, mehr für Radler zu machen. Im Doppelhaushalt sind dafür eine Million Euro vorgesehen.

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Dieter Wolfarth (Zweiter von links) erläutert gestenreich, was sich er und die anderen Mitglieder des Radclubs wünschen.  Foto: 

Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren. Das soll John F. Kennedy einmal gesagt haben. Obwohl erste Regentropfen fallen, ist bei der verkehrspolitischen Radtour am Donnerstag die Freude an der schnellen Bewegung zu spüren. SPD-Stadtrat Nikolaos Sakellariou drängt auf den Startschuss: Er möchte Rad fahren und nicht Radherumstehen. Baubürgermeister Peter Klink fährt sowieso täglich per Pedelec zur Arbeit. Und Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim setzt sich stolz auf sein Ersatzfahrrad, ein „Nishiki Continental“, mit dem er schon auf Zeltreisen Südfrankreich und Skandinavien erkundete.

Doch die 13 Teilnehmer haben sich ein strammes Programm vorgenommen. 12,5 Kilometer soll es von Steinbach bis zur Weilerwiese, hoch zur Ostumfahrung und über den neuen Kreisverkehr in Hessental wieder runter nach Hall gehen.

Dieter Wolfarth vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub leitet die Gruppe. Er teilt ein kleinbedrucktes Blatt (er ist schließlich Umweltschützer) mit einer Liste aus, die 27 Forderungen umfasst. Alle hundert Meter sieht er in Hall einen Missstand: Büsche ragen in den Radweg, Poller stehen im Weg, Schilder fehlen. Der Pädagoge im Ruhestand kann sich nicht erklären, warum ein so „tolles Potenzial“ nicht genutzt wird. Seit der Erfindung von Funktionsbekleidung und Elektro-Rädern sollte doch jedermann aufs Rad umsteigen.

Tut er aber nicht. „Haben Sie während der ganzen Tour einen anderen Radfahrer außer uns gesehen?“, fragt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Alle denken nach. Doch niemand hat einen anderen Radler gesehen. Auf weniger als zwei Prozent wird deren Anteil am gesamten Verkehrsaufkommen in Hall beziffert, berichtet Pelgrim.

Die verkehrspolitische Radtour entwickelt einen gewissen Unterhaltungswert: Wolfarth scheint oft einzig die Radler im Blick zu haben. Warum räumt man dem ökologisch und gesundheitlich sinnvollsten Fortbewegungsmittel so wenig Vorfahrt ein?

Zum Beispiel in den Ackeranlagen: Statt der Kieselsteinwege sollte man eine Strecke auf drei Meter Breite asphaltieren. Dann werden die Radler bei Nässe nicht mehr dreckig und kommen schneller voran.

Doch es gibt auch eine andere Sichtweise. Bessere Wege bedeuten: Mehr Radler fahren schneller durch den Park. Pelgrim: „Die Ackeranlagen sind primär für Fußgänger da.“ Dem stimmt Diplom-Ingenieur Uwe Petry zu, der das vor fünf Jahren beschlossene Radwegekonzept für Hall ausgearbeitet hat: „Hall ist für Fußgänger attraktiv. Die sollen nicht von Radlern weggeklingelt werden“. Daher lautet die Idee:  Schritt für Schritt Routen um die Ackeranlagen herum attraktiv zu machen, wie zum Beispiel die Strecke über die Unterlimpurger Straße. Auch die Verlegung des Kocher-Radwegs gehört dazu: Weg von den schmalen Holzbrücken bei den Stadtwerken, hin zum Bereich am Verkehrsübungsplatz.  Radfahrexperte Petry bescheinigt den Hallern, schon viel gemacht zu haben. So sei es einzigartig, dass die Verwaltung an vielen Stellen den Radverkehr auf Gehwegen und in der Fußgängerzone zulässt.

Neben vielen Details, die bei der Tour angesprochen werden, geht es auch um größere Berge, die den Radlern im Weg sind: Halls Steigen. Wie kommt ein Radler die Crailsheimer Straße sicher hoch und wieder runter?

Baubürgermeister Klink versichert, dass man die Belange der Radler berücksichtigt, im neuen Doppelhaushalt 500 000 Euro dafür bereitstellt und auch Fördergeld vom Land nutzen will (Bericht folgt). Mit dem Radweg an der Bühlertalstraße sei zuletzt viel erreicht worden. Das wertet auch Wolfarth positiv. Sein Vorschlag, die Parkgebühren für Autos in den defizitären Tiefgaragen zu erhöhen, um so indirekt das Radeln zu befördern, erntet allerdings Kopfschütteln.

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