Hallia Venezia: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt

Tausende Besucher kommen, um Maskenträger und Verkleidete beim stillen Gang durch die Haller Gassen zu begleiten und zu fotografieren.

|
Die Fotografen und die Maskenträger beim Stelldichein auf dem Grasbödele: Die Schwäbisch Haller Schokoladenseite bietet die beste Kulisse, der Sonnenschein tut sein übriges zum Gelingen der Bilder.  Foto: 

Ganz verhalten startet Hallia Venezia. Seit dem frühen Sonntagmorgen sind die Saubermänner des Werkhofs dabei, in der Altstadt die Spuren der Samstagnacht zu beseitigen. Flaschen, Zigarettenschachteln und sonstiger Müll landen in den blauen Säcken. Die Stadt muss sauber sein. Schließlich werden wieder tausende Gäste aus nah und fern zu dem stillen Karneval erwartet, wie er eigentlich in Venedig gefeiert wird.

Wahrscheinlich haben vor 20 Jahren nicht einmal die  Organisatoren daran gedacht, dass so viele Maskenträger einst durch Schwäbisch Hall schreiten würden. Tun sie aber. Schon um kurz nach 9 Uhr schleichen erste Fotografengruppen durch die Stadt. Ihr „Futter“ lässt sich noch eine habe Stunde Zeit für den großen Auftritt. Dann kommen die Freunde des venezianischen Karnevals in einer ungeheuren Menge.

„So viele war noch nie da“, sagt Joachim Odenwälder, der die Musik für das Defilee auf der Großen Treppe vor St. Michael auflegt. In der Tat: In der Neuen Straße ist gegen Mittag kein Durchkommen mehr. So dicht gedrängt hat man die Menschenmassen noch nicht gesehen. Alle Parkplätze in der Nähe sind mit Autos aus dem Süddeutschen Raum zugestellt.

200 Maskenträger unterwegs

Nicht ohne Grund: Maskenträger in prächtigen Kostümen, ob Rokoko oder Barock oder der reinen Phantasie entsprungen, in allen Farben und Formen, mit Handspiegeln, Stäben oder Fächern, die Hüte mit Federn oder anderen Sonderheiten geschmückt, das sieht man nicht alle Tage. Auch wenn sie keiner gezählt hat: Um die 200 Frauen und einige Männer schreiten würdevoll, mit Anmut, Gelassenheit und dem Gestus der Erhabenheit durch die Altstadt. Ständig sind sie umringt von Fotografen. Einige der Fotokünstler holen sich bei den Pro­tagonisten mit einem Nicken, das erwidert wird, das Einverständnis. Doch die meisten knipsen drauflos. Vor allem die mit den Handys.

„Das ist ganz großartig“, lautet der Kommentar einer vielköpfigen Reisegruppe aus Ulm. Zuerst besuchen die Gäste die Kunsthalle Würth und dann geht es zu Hallia Venezia. Gegen 13 Uhr ist das Grasbödele das Zentrum des Geschehens. Die Masken- und Kostümträger bringen sich vor der Schwäbisch  Haller Schokoladenseite in Positur. Die Sonne kommt durch und verleiht der Szene die besondere Note.

Dort steht auch der Hobby-Fotograf Kurt Sepke aus Rottweil. Seit neun Uhr ist er in Hall und hat schon um die 1000 Motive im Kasten. Er kennt Hallia Venezia, es ist nicht sein erstes Mal. „Es wird nie langweilig. Es gibt immer neue Situationen“, sagt er. Das Defilee schenkt er sich. „Da müsste man mit einem 600-er Objektiv mit einem Stativ fotografieren. Doch dazu fehlt der Platz“, meint der Fachmann.

Venezianische Gepflogenheiten

„Der schwarze Vogel“, sagt ein Mann, der sich hinter seinem schwarzen Kostüm verbirgt. Mehr ist ihm nicht zu entlocken. Er hält sich an die venezianischen Gepflogenheiten und schweigt. Andere sind auskunftsfreudiger. „Mein Vater hatte die Idee“, gibt Hannah Mohring (16) aus Mannheim offen zu. Ihr Kostüm, und das auch ihrer Eltern, sticht heraus. Als Kopfbedeckung dient ein Flügel, der Hula-Hoop-Reifen um die Taille stellt die Tastatur da. „Das hat meine Oma genäht, die ist Schneiderin“, sagt sie.

In diesem Jahr sind auch viele Männer unter den Masken. So wie ein Vellberger, der seinen Namen nicht nennt. „Es ist schon etwas Besonderes, wenn ich von Bekannten fotografiert werde, die aber nicht wissen, dass ich es bin“, umschreibt er die für ihn reizvollen Situationen.

„Wahnsinn“, entfährt es einer jungen Frau, die mit ihrem Freund auf dem Marktplatz steht. Tausende warten auf das große Defilee. Pünktlich mit dem Glockenschlag um 14 Uhr erklingen Lieder von Vivaldis Venezianischer Messe. Das ist das Zeichen für die Kostümierten, dass die Große Treppe für etwa eine halbe Stunde ihnen gehört. Tausende Augenpaare schauen ihnen gebannt zu. Und vermutlich werden hunderttausende Fotos geschossen.

Ganz ähnlich ist die Szenerie am Nachmittag an der Treppe am Froschgraben. Mit dem dortigen Defilee geht ein bunter und stiller Sonntagnachmittag zu Ende.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Bike-Park am Gartennest

In Gschlachtenbretzingen soll demnächst der Bau mehrerer Pumptrack-Strecken nach Enslinger Vorbild beginnen. Die Einweihung ist für Mitte 2018 geplant. weiter lesen