Theater ohne kulturelle Grenzen

Überraschungsshow in der Bausparkasse zum Ende des sechsten Jugendtheaterfestivals in Hall: Die Teilnehmer aus mehreren Ländern zeigen den Besuchern, was sie in den Workshops gelernt haben.

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  • Studenten, Schüler und Schauspieltalente aus mehreren Ländern spielen im vollbesetzten Raiffeisen-Schulze-Delitzsch-Saal der Bausparkasse. "Sin.KinO Coop" - so heißt das Projekt, das das Ensemble "Sinora" aus Thessaloniki vergangene Woche beim Internationalen Jugendtheaterfestival in Hall vorstellte. 1/2
    Studenten, Schüler und Schauspieltalente aus mehreren Ländern spielen im vollbesetzten Raiffeisen-Schulze-Delitzsch-Saal der Bausparkasse. "Sin.KinO Coop" - so heißt das Projekt, das das Ensemble "Sinora" aus Thessaloniki vergangene Woche beim Internationalen Jugendtheaterfestival in Hall vorstellte. Foto: 
  • Zauberhafter Tanz: Das russische Ensemble des "Theaters für junge Zuschauer" in der Haalhalle. 2/2
    Zauberhafter Tanz: Das russische Ensemble des "Theaters für junge Zuschauer" in der Haalhalle. Foto: 
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Dem Wetter sei Dank: Die erste Aufführung bei der Abschlussshow konnte unter freiem Himmel, im Hof der Bausparkasse, gezeigt werden. Die Dozentin Fé André (31) hatte in der vergangenen Woche den Teilnehmern ihres Workshops den philippinischen Stockkampf-Tanz beigebracht. Stolz führen die jungen Leute das Gelernte vor, ebenso einen brasilianischen Kampftanz.

Die gebürtige Ungarin Fé lebt seit acht Jahren in Deutschland und ist das dritte Mal beim Theaterfestival in Hall dabei. Sie ist immer wieder begeistert: "Es ist unglaublich zu sehen, wie die Jugendlichen aus aller Welt lernen wollen." Wie ein Schwamm würden die Teilnehmer das Wissen und Können der Dozenten aufsaugen. "Das Miteinander und der Zusammenhalt war so großartig. Wir waren wie eine große Familie."

Eine "ultragalaktische Eskalation"

Bei der Show gab es weitere Aufführungen. So wird eine Geschichte erzählt, in dem Teilnehmer Lieder in verschiedenen Sprachen singen. Eine andere Gruppe hatte die Woche über zum Thema Improvisation gearbeitet. Ein Teilnehmer dieses Workshops, Umutcan Karatas (17) aus Balikesir in der Türkei, erzählt: "Ich liebe diese Veranstaltung. Es gibt niemanden, mit dem ich mich nicht verstanden habe. Schwäbisch Hall ist eine schöne Stadt. Die Ausstellung in der Kunsthalle hat mich inspiriert. Dort hängen so berühmte Bilder in so einer kleinen Stadt."

Berfin Cevirme (18) aus Oberrot sagt: "Ich bezeichne diese Veranstaltung als eine ultragalaktische Eskalation. Jeder ist nett, aufgeschlossen und erzählt von seiner Kultur. Ich habe zum Beispiel viel mit den Kenianern über ihre Bräuche, Sitten und ihr Leben in den Slums in Afrika geredet und habe Tänze von ihnen gelernt."

Auch Festivalleiter Georg Kistner zieht ein Fazit der Veranstaltung: "Es begeistert mich, wie schnell eine derartige Harmonie zwischen allen Teilnehmern aufkam und neue Freundschaften geschlossen wurden. Es gab keine kulturellen Grenzen". Jeder Gast der nach Schwäbisch Hall komme, habe andere Erwartungen und unterschiedliche Ansätze, Theater zu verstehen. Deshalb könne jeder von jedem lernen. "Sprachbarrieren wurden durch Bewegungen, Tanz oder Übersetzer überwunden. Die schöne Zeit in Hall wird gerade von den Teilnehmern genossen, die wieder in schwierige Verhältnisse zurückkehren müssen."

"Die Überwindung": Ergreifendes Tanztheater in der Haalhalle

Tschaikowski Tanztheater pur, das schon balletthafte Züge annahm, konnten die Zuschauer in der Haalhalle am Freitagabend bei der letzten Aufführung des sechsten Internationalen Jugendtheaterfestival erleben.

"Zauberhaft" oder "herzergreifend" - diese Worte waren nach der Aufführung von "Die Überwindung" des "Theaters für junge Zuschauer" aus dem russischen Ort Tschaikowski von einigen der begeisterten Zuschauer zu hören. "Poetisch" und "akrobatisch" waren andere Einschätzungen.

Novelle Die jungen Darsteller aus der russischen Partnerstadt von Halls Partnerstadt Neustrelitz hatten sich unter der Regie von Marina Korsun eines Werks von Iwan Bunin angenommen: der 1925 entstandenen Novelle "Mitjas Liebe", die entfernt an den tragischen Helden aus Goethes "Die Leiden des jungen Werther" erinnert.

Der Student Mitja ist in Katja verliebt. Aus dem zärtlichen Miteinander, sehr einfühlsam getanzt, entsteht aber mehr und mehr ein Eifersuchtsdrama aufgrund eines reichen Gegenspielers. Der versucht das in einem Pas de deux hochstilisierte Glück zu zerstören und kauft die Freunde des Helden.

Schließlich gelingt es dem wohlhabenden "selbstgefälligen Schauspieler" und Frauenhelden, auch Katja für sich zu gewinnen und zu heiraten. Mitja bleibt die Erinnerung an die Liebe mit Katja.

Inszenierung Immer wieder aufkommende Eifersucht wurde in der Inszenierung schön durch Piazzolla-Tangoklänge eingefangen, meist in dunklerem, ins Rötliche gehende Licht, und im Ensemble getanzt.

Musikalisch reichte die Auswahl von Popsongs bis zu russischen Folklore-Anklängen, die auch in tänzerischen Momenten ihr Pendant fanden - etwa, wenn sich die ehemaligen Freunde Mitjas in wundervoller Komik habgieriger Frauen erwehren mussten. So entstanden hervorragend abgestimmte Ensemblemomente.

Kampf Der Höhepunkt der Aufführung war schließlich ein getanzter Kampf um Katja zwischen Mitja und dem reichen Gegenspieler. Wunderbarer Ausdruckstanz bis hin zu komplizierten Hebefiguren mit der Hauptdarstellerin als Spielball zwischen der männlichen Lust und Liebe nach ihr bestimmten diese Auseinandersetzung.

Gier Am Ende siegt der Reiche - vielleicht ist das Kritik an einer materiell geprägten Gesellschaft. Für den Reichen ist die Gier das Entscheidende. Nachdem er Katja besitzt, verliert er das Interesse an ihr. Katjas Abschiedsbrief rettet Mitja vor dem Selbstmord. Er sucht sein Heil am Ende im Kloster.

SNU

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