Thaddäus Troll wurde vor 100 Jahren geboren - In Hall erinnert ein Brunnen an ihn

Allerorten wird dieser Tage an den schwäbischen Schriftsteller, Humoristen und Satiriker Thaddäus Troll erinnert. Heute vor 100 Jahren wurde er geboren. Seit 30 Jahren ist in Hall ein Brunnen nach ihm benannt.

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  • Der frühere Haller AOK-Direktor Kurt Hertfelder und die Künstlerin Felicitas Franck betrachten den Thaddäus-Troll-Brunnen in der Unterlimpurger Straße in Hall. 1/2
    Der frühere Haller AOK-Direktor Kurt Hertfelder und die Künstlerin Felicitas Franck betrachten den Thaddäus-Troll-Brunnen in der Unterlimpurger Straße in Hall. Foto: 
  • Dr. Hans Bayer ist als Thaddäus Troll berühmt geworden. 2/2
    Dr. Hans Bayer ist als Thaddäus Troll berühmt geworden. Foto: 
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Munter fließt das Wasser über die drei großen Marmor-Säulen des Brunnens vor dem AOK-Gebäude in der Unterlimpurger Straße. Das gleichmäßige Plätschern dämpft den Verkehrslärm von der benachbarten Straße. Dieser von der Haller Künstlerin Felicitas Franck geschaffene Brunnen ist seit 30 Jahren dem schwäbischen Schriftsteller Thaddäus Troll gewidmet. Der Humorist und Satiriker wurde dereinst auch für die Jury zur Auswahl des Brunnenmodells vorgeschlagen, erinnert sich Kurt Hertfelder, der damalige Haller AOK-Direktor. Die beiden kannten sich aus den Stuttgarter Zeiten Hertfelders, wo dieser Anfang der 70er Jahre für die SPD im Stadtparlament saß. Einen Tag vor seinem Tod, am 4. Juli 1980, hat Troll aus dem Stuttgarter Bürgerhospital noch an Hertfelder geschrieben, dass er in der folgenden Woche entlassen werde und sich erholen müsse. Sein Brief endete mit dem Satz: "Wenn es nicht zu spät ist, bin ich gern als Mitglied der Jury dabei", zitiert Hertfelder.

Es war zu spät. Troll wurde vor allem gegen Ende seines Lebens von schweren Depressionen heimgesucht. "Seine Stimmungsschwankungen haben wir, als Kinder und Erwachsene, natürlich empfunden und versuchten zu helfen. Aber das hat er sehr mit sich selber ausgemacht. Wir ahnten nicht, wie groß die Dunkelheit im Jahr 1979 und 1980 bereits war", schreibt seine Tochter Manuela Bayer in der "Stuttgarter Zeitung". Am 5. Juli 1980 nahm er sich das Leben.

Unsterblich ist aber sein Werk: "Deutschland deine Schwaben". Damit ist Thaddäus Troll, der eigentlich Hans Bayer hieß, 1967 über Nacht bekannt geworden - eine selbstkritische Liebeserklärung an die Schwaben, eine messerscharfe Stammesanalyse jenes Völkchens von "Individualisten, Eigenbrötlern, Käuzen, Bruttlern, Sinnierern und Sektierern". Dem ersten Band ließ Troll fünf Jahre später ein weiteres Werk folgen: "Deutschland deine Schwaben für Fortgeschrittene", so der Untertitel des Buches "Preisend mit viel schönen Reden". Jene Überschrift stammt übrigens aus Justinus Kerners 1818 in Gaildorf geschriebener Ballade "Der reichste Fürst", die als heimliche Hymne der Württemberger eben unter dem Titel "Preisend mit viel schönen Reden" bekannt ist. Überdies würdigt Troll darin im Kapitel "Die heimlichen Regenten" den Gaildorfer Ehrenbürger Hans König: Schwäbische Bürgermeister seien "zuweilen so bemerkenswert wie ihre Residenzen", schreibt Troll und nennt als Beispiel: "In einer Jugendstilvilla in Gaildorf der patente Bürgermeister König . . ."

Laudatio bei Brunnen-Einweihung auf Hohenlohisch

Unmittelbare Beziehungen pflegte Thaddäus Troll auch zu den Freilichtspielen Schwäbisch Hall, die er viele Jahre bis zu seinem Tod als Rezensent kritisch begleitete. Mitte der 90er Jahre hatten die Festspiele übrigens eine szenische Lesung von Trolls "Deutschland deine Schwaben" im Freilandmuseum in Wackershofen im Programm: Auf der Bühne agierten Jörg Adae, Monika Hirschle und Hans Henn. Gemeinsam mit dem damaligen Intendanten Achim Plato besuchten sie auch den Troll-Brunnen vor der AOK.

Laut Kurt Hertfelder waren die Haller die ersten im Ländle, die des großen Schwaben in Form eines Brunnens gedachten. Künstlerin Felicitas Franck erinnert sich, dass ihre Mutter mit Thaddäus Troll bekannt war. Als der Brunnen in Hall in Mai 1984 eingeweiht wurde, war Trolls Witwe Susanne Beyer-Ulrici anwesend und freute sich über einen Strauß Hohenloher Trollblumen. Die Laudatio auf "dr Gsuundbrunna vum Thaddäus Troll" hielt Walter Hampele in Hohenloher Mundart: "Dr Daafling isch an Brunna. . .", zitiert Hertfelder.

Übrigens: Troll hat einst in seinem Schwäbischen Schimpfkalender vom 24. Februar 1971 dem streitbaren Hertfelder mit seiner Definition des Wortes "Heidasakramenter" ein kleines Denkmal gesetzt: "Der Heidasakramenter ist ein Teufelskerl, wobei ein Schuß Bewunderung beigemischt ist. Ich würde es auf den Stadtrat Hertfelder anwenden", weil dieser es durchgesetzt habe, dass in Stuttgart Straßen endlich nach Größen wie Bert Brecht, Thomas Mann und Tucholsky benannt wurden.

Kurt Hertfelder ist jedenfalls überzeugt: "Was Ludwig Thoma für die Bayern, das ist Thaddäus Troll für die Schwaben."

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