Tausende Besucher bei Weihnachtsmärkten in Hall – Kritik aus der Gelbinger Gasse

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Elke Hummel und Ramona Schmiederer kaufen bei Juliane Schmidt leuchtende Sterne. Im Hintergrund: Rathaus und weitere Buden.  Foto: 

Die Funken sprühen in alle Richtungen. Der zweijährige Rio hält sich beide Hände vor sein Gesicht. Aber die Faszination ist größer, immer wieder reckt er seinen Kopf nach vorne, um die lodernden Flammen im Feuerkorb zu bestaunen. Seine Mutter Hiltrud Schäfer hat bereits einen Glühwein beim Kunsthandwerklichen Weihnachtsmarkt getrunken. „Das Angebot hier ist toll“, sagt sie. „Jetzt bin ich voll in Weihnachtsstimmung – obwohl mir in Wirklichkeit Weihnachten gar nicht so wichtig ist.“

Nebenan hat Karin Fäth zugeschlagen: ein Holzspiel, ähnlich wie Sudoku. „Der Markt ist wunderschön“, sagt die Bietigheimerin. „Leider ist zu wenig Zeit. Ich könnte den ganzen Tag hier verbringen – und arm werden.“

Steffen Mühlhäuser, der die Spiele verkauft, kann sich über brummende Geschäfte freuen. Der Hospitalhof, die Hospitalkirche und die Flächen drumherum sind dicht. „Das läuft ganz gut“, sagt seine Mitarbeiterin, während der Chef Kinder mit weiteren Spielen unterhält.

Auf dem Weg zum Marktplatz schallt den Gästen das Lied „Winter Wonderland“ aus den Lautsprechern entgegen. Bei frostigen Temperaturen wärmen sich etliche Gäste mit Glühwein. Ausnahme: Christa Sanwald (48) und ihre Söhne Fabian (19) und Philipp (22) aus Bibersfeld. Sie naschen aus einer Tüte gebrannte Mandeln, während sie zwischen den Buden entlang gehen. „Das Angebot ist gut, das gefällt mir mehr als im vergangenen Jahr“, sagt die Mutter.

Kurzzeitig wird es am Samstagabend dunkel: Stromausfall. Aber nicht alle Buden sind betroffen. Die Händler helfen sich mit Taschenlampen aus. Elke Hummel aus Ilshofen und Ramona Schmiederer aus Hessental wollen nicht im Dunkeln bleiben. Sie decken sich mit bunt leuchtenden Sternen ein. Wichtig ist der Hessentalerin, dass die Angebote in einem Markt vielseitig sind. „Das passt in Hall! Essen ist da für mich nur nebensächlich.“

Das sieht Jutta Beuttinger etwas anders. „Essens- und Glühweinstände fehlen“, sagt sie. Sie betreibt den letzten Stand in der Gelbinger Gasse – auf Höhe der Eisdiele. Die Menschenmassen bleiben sowohl am Samstag als auch am Sonntag in der Weihnachtsgasse aus. Beuttinger kritisiert die Stand-Anordnung. „In der Gasse sind ein paar Buden, am Säumarkt weitere. Wer will den diesen Weg schon gehen?“, fragt sie. Nebenan stehen Uwe und Dagmar Freitag an ihrem Stand. „Die neben uns haben schon eingepackt“, sagt der Westheimer. Gleich zwei Stände sind am Sonntag ganz verwaist.

Auch Maria und David Wire, die am Säumarkt Motorsägenkunst anbieten, klagen. „Das ist alles sehr lieblos, keine Tannenbäume als Dekoration und kein echter Übergang vom Marktplatz bis hierher“, sagt der Stimpfacher. „In Ellwangen stehen Stände an Stände, ohne diese großen Lücken.“ Für das letzte Adventswochenende sei ihnen ein Platz an der Eisdiele angeboten worden. Die beiden haben verzichtet und wollen nun auf einem anderen Markt verkaufen.

Während in der Gelbinger Gasse der Frust tief sitzt, schlürfen einige hundert Meter entfernt die Gäste weiterhin Glühwein. Aus den Lautsprechern schallt „Last Christmas“. Passanten bleiben stehen und bewundern die Lichter an den Bäumen und die verschneiten Buden auf dem Marktplatz. „Die Adventszeit fängt erst an“, bemerkt Hiltrud Schäfer. „Wir haben noch wunderschöne Wochen vor uns.“

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