Tag der Autobahnkirchen: Eine Tankstelle für die Seele

Die Christophoruskapelle ist ein „besonderer Kraftort Gottes“ – so schreiben es Besucher ins Gästebuch. Sie finden an der A 6 Ruhe und ein offenes Ohr.

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Die Christophoruskapelle an der Autobahn 6 von Heilbronn in Richtung Nürnberg.  Foto: 

„Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb, nehmen mich gefangen, jagen mich.“ An einem Ort wird die in dieser Liedzeile besungene Hast besonders evident: auf der Autobahn. Schnell am Ziel sein, Lenkzeiten einhalten, bloß nicht in den nächsten Stau fahren.

Einen Gegenpol stellt ein Ort dar, der auf einer kleinen Anhöhe liegt. Bäume umspielen das ovale Gebäude. Innerhalb der Mauern ist es schön kühl und ruhig. Die Autobahnkapelle Christophorus ist ein Rückzugsort für Gestresste. Und das 250 Meter entfernt von der Kochertalbrücke, am gleichnamigen Parkplatz an der Autobahn 6 von Heilbronn Richtung Nürnberg.

Zum Beginn der Sommerferien in den ersten Bundesländern fand am Sonntag der Tag der Autobahnkirchen statt. 44 davon gibt es in Deutschland, zwei an der Autobahn 6. Die Christophoruskapelle ist im Jahr 2014 auf Initiative der Christusträger-Schwestern entstanden. Die sieben Schwestern leben auf dem Braunsbacher Hergershof und kümmern sich auch um die Belange geschundener Kraftfahrzeugfahrer. Jeden zweiten Dienstag im Monat widmen sie sich in einem Taizé-Gottesdienst den Anregungen, Fragen und Sorgen, die die Besucher ins Gästebuch der Kapelle schreiben. Und das sind nicht wenige, wie man am Verbrauch der Kerzen erkennen kann, erzählt Schwester Heidrun. „Viele Durchfahrende, aber auch viele aus der Umgebung besuchen die Kapelle.“ Auch Ausflugsgruppen fahren den Parkplatz an, weiß sie. Eine Gruppe von Freiwilligen rund um Dekan Martin Heubach kümmert sich um die Trucker. Einmal monatlich findet der Truckertreff statt, wo es auch etwas zu essen gibt.

Von einer Predigt kann am Sonntag fast keine Rede sein. Schwester Agnes und Diakon Martin Heubach sprechen eher frei von der Leber weg, erzählen Erfahrungen aus ihrem Alltag. Humorvoll berichten sie von Begegnungen, die sie in den vergangenen zwei Jahren in und um die Autobahnkapelle gehabt haben. Von polnischen Truckern, tschechischen Ehepaaren und von Berufstätigen aus dem Landkreis Hall, die nach der Arbeit zum Innehalten kommen. Eines scheint allen Begegnungen gemein zu sein: Man erwartet sie nicht in einer Raststätte an der Autobahn. Viele Besucher sagen, dass die Christophoruskapelle ein „besonderer Kraftort Gottes“ sei, zitiert Schwester Astrid aus Gesprächen. Eben eine Tankstelle für die Seele.

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