Susanne Knobloch-Böltz ist Beraterin in der Flüchtlingsarbeit der Diakonie

Als Ansprechpartnerin in der Flüchtlingsarbeit hilft Susanne Knobloch-Böltz, Not zu lindern. Die erste Aufgabe im neuen Job: Alle Beteiligten kennenlernen.

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Sie ist schon ein bisschen aufgeregt. Gleich wird sie vorne an den Altar gehen, zusammen mit ihrem Chef Wolfgang Engel, und sich vorstellen. Nun steht sie dort oben, und Nervosität ist ihr kein bisschen anzumerken. „Weil vor mir die Männer aus Albanien, die so wenig Deutsch konnten, auch am Altar sprechen mussten. Die hatten‘s schwer, da sollte das für mich doch kein Problem sein“, sagt sie später.

So erzählt Susanne Knobloch-Böltz frei und fröhlich von ihren bisherigen Erfahrungen an ihrem neuen Arbeitsplatz. Wie sie immer und immer wieder in den Unterkünften zum Tee eingeladen wird und erstaunt ist über so viel Gastfreundschaft der anderen Kulturen. Sie lässt die Zuhörer teilhaben an ihrer Yoga-Erfahrung beim Kurs mit geflüchteten Frauen. Dort mussten sie sich paarweise zusammentun. Knobloch-Böltz dachte: Jetzt kommt es wie damals in der Schule, und sie findet keinen Partner. Doch dann nimmt eine jesidische Frau ihre Hand.

Ihre Hauptaufgabe in den ersten Wochen als Beraterin in der Flüchtlingsarbeit ist das Kennenlernen der Ehrenamtlichen, der Flüchtlinge und der Institutionen. Bei letzteren hat sie leichtes Spiel, denn durch ihre bisherige Tätigkeit bei dem Haller Bildungsträger inab (Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft) kennt sie die sozialrelevanten Netzwerke. Sie hat dort Jugendliche in eine Ausbildung vermittelt, zehn Jahre lang. Dann waren ihre zwei Söhne groß, zogen aus, und ihr stand der Sinn nach Umorientierung. Da entdeckte sie die Stellenanzeige der Diakonie. Sie war zwar mit ihrem bisherigen Job zufrieden. Der Platz, den sie seither innehat, erfüllt aber noch mehr das Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit, das Bedürfnis, Not zu lindern.

Ihr Hauptaugenmerk liegt auf den Ehrenamtlichen. „Viele sind jetzt an ihren Grenzen“, sagt sie. Die Diakonie bietet eine Supervision an, außerdem Wege der Entlastung bis hin zu der Ermutigung, die Tätigkeit beenden zu können, wenn es nicht mehr geht. „Darf ich aufhören?“, schrieb ihr neulich eine Ehrenamtliche in einer Mail. Es geht auch darum, neue Ehrenamtliche zu finden und ihnen den geeigneten Platz zuweisen zu können.

Es kommt auch vor, dass sie Fahrdienste übernimmt – zum Beispiel, um mit dem Diakoniebus Flüchtlingsfrauen aus den Unterkünften zum Nähkurs abzuholen.

Ihre jetzige Stelle wurde von der Diakonie neu geschaffen. Bald wird Knobloch-Böltz weitere Kolleginnen zur Unterstützung bekommen. In den drei Monaten, die sie als Beraterin in der Flüchtlingsarbeit aktiv ist, habe sich ihr Blickfeld erweitert.

Sie hat die schöne Erfahrung gemacht, so viele engagierte Menschen im Ehrenamt zu erleben. Bei all dem Fokus auf Flüchtlinge verliert Knobloch-Böltz aber auch die Menschen, die schon länger hier leben und in Bedrängnis sind, nicht aus dem Blick.

Im Gottesdienst legt Dekanin Anne-Kathrin Kruse die Hände auf ihren Kopf und segnet sie für ihre neuen Aufgaben. „Das habe ich gerne angenommen, als Herr Engel mich gefragt hat, ob ich in einem feierlichen Gottesdienst eingesetzt werden möchte“, sagt Knobloch-Böltz. Kein Wort Arabisch habe sie bisher gelernt, und auch die ausländischen Namen wollen ihr nur schwer im Kopf bleiben. Aber sie ist ja auch erst am Anfang.

Zur Person

Susanne Knobloch-Böltz ist 55 Jahre alt und kommt aus Gnadental. Sie lernte in Hall den Beruf der Erzieherin, arbeitete einige Jahre in ihrem Beruf und studierte dann in Freiburg Sozialpädagogik. Ihr Schwerpunkt an den folgenden Arbeitsplätzen lag auf der Arbeit mit psychisch Kranken. Nach 20 Jahren des Unterwegsseins kam sie zurück nach Hall und arbeitete beim Bildungsträger inab. Seit 1. April ist sie als Beraterin in der Flüchtlingsarbeit bei der Diakonie. Sie ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in Michelfeld. sasch

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