Streit um die Gelbbauchunke

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  • Eine Gelbbauchunke in freier Wildbahn. Zahlreiche Kaulquappen dieser Froschart sind im Sommer im Mainhardter Wald bei einer Umsetzaktion an einer Windrad-Baustelle ums Leben gekommen.  1/2
    Eine Gelbbauchunke in freier Wildbahn. Zahlreiche Kaulquappen dieser Froschart sind im Sommer im Mainhardter Wald bei einer Umsetzaktion an einer Windrad-Baustelle ums Leben gekommen. Foto: 
  • Mit solchen Absperrungen ist versucht worden, die Gelbbauchunken von der Baustelle fernzuhalten. 2/2
    Mit solchen Absperrungen ist versucht worden, die Gelbbauchunken von der Baustelle fernzuhalten. Foto: 
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Das Landratsamt habe es in Kauf genommen, dass im Spätsommer auf einer Windradbaustelle im Mainhardter Wald vom Aussterben bedrohte Tiere ums Leben gekommen sind. Die Kritik kommt vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Konkret geht es um die Windenergieanlage 5 (WEA), die die Ellwanger Firma Uhl Windkraft dort errichtet.

Dort hatten nach starken Regenfällen geschützte Gelbbauch­unken in Wassermulden und auf der Kranstellfläche abgelaicht. Bei einer Umsetzaktion seien, so der BUND, unzählige Kaulquappen getötet worden. „Auf der Baustelle sind unglaubliche Fehler passiert“, sagt Gottfried May-Stürmer, Regionalgeschäftsführer des BUND. „Unser Amphibienfachmann Helmut Genthner hat mich regelmäßig auf dem Laufenden gehalten – auch nach den scheinbar erfolgreichen Ortsterminen, bei denen zweckmäßige Vereinbarungen getroffen wurden, welche später wieder gebrochen wurden.“

Das Bau- und Umweltamt des Landratsamts, das für die Überwachung der Arbeiten zuständig ist, hat eine andere Sichtweise. Der Fachmann habe in Absprache mit der Firma Uhl und einem von ihr beauftragten Büro für Ökologische Baubegleitung (ÖBB) Maßnahmen zum Schutz der Kaulquappen vorgeschlagen. Zum Beispiel sollten Tümpel mit Laich abgepumpt werden, um die Brut woanders auszusetzen.

Hierbei habe es Probleme gegeben, das gibt man zu. „Ein eingesetztes Sieb ist zu groß gewesen, dadurch hat es Verluste gegeben“, sagt Hubert Wiedemann, Leiter des Bau- und Umweltamts. Doch sei es möglich gewesen, noch einen Teil des Laichs zu retten. „Dadurch dürfte sogar die Population der Unken in der Gegend nach oben gegangen sein“, ergänzt der Erste Landesbeamte Michael Knaus. Denn wenn die Flächen wieder ausgetrocknet wären, hätte es kaum eine Quappe überlebt. „Dafür sollten wir eigentlich Lob bekommen.“ Ausgewachsene Tiere seien nicht zu Schaden gekommen.

Man habe das Menschenmögliche getan, so Knaus. Ihm sei klar, dass das Tötungsverbot auch für Kaulquappen gelte, aber wenn man gar nichts getan hätte, wären noch mehr Tiere ums Leben gekommen. Hier könne man auch schon von einem „signifikant erhöhten Tötungsrisiko“ sprechen. „Von 1000 Kaulquappen wachsen etwa zehn aus“, sagt Wiedemann. Und sobald die Tiere in der Laichzeit Wasserflächen  finden, legten sie eben Millionen von Eiern ab.

Dass sich Gelbbauchunken auf der Baustelle der WEA 5 befinden, ist Mitte Mai bekannt geworden. Daraufhin hat die Firma Uhl den Bau gestoppt. Nach einer erneuten Freigabe durch das Regierungspräsidium Stuttgart sind die Arbeiten fortgeführt worden. Die ÖBB hat die Frösche regelmäßig eingesammelt, ein Amphibienzaun wurde erstellt.

Anfang August haben schwere Regenfälle die Kranstellfläche unter Wasser gesetzt. Dieses wurde abgepumpt und die Tiere in Ausgleichgewässer gebracht. Eine letzte Evakuierung von ausgewachsenen Unken hat es Anfang Oktober gegeben. Danach sind Mulden, in denen sie sich befunden haben, verfüllt worden.

„Uns geht es darum, dass solche Dinge in Zukunft nicht mehr passieren“, sagt Naturschützer May-Stürmer. Dazu müsse ein Konzept entwickelt werden, das unter anderem klarstellt, welche Auflagen in den Genehmigungen stehen müssen, welche Aufgaben die Ökologische Baubegleitung hat und welche Verantwortung die Untere Naturschutzbehörde. Außerdem müsse klar sein, dass die Tötung streng geschützter Arten wie der Gelbbauchunke ein Straftatbestand ist. „Da das Problem bei Baustellen im ganzen Land auftreten kann, erwarten wir, dass sich das Umweltministerium darum kümmert und dass es Amphibienschutz-Fachleute aus den Naturschutzverbänden daran beteiligt“, so May-Stürmer. Zur Klärung der Vorfälle im Mainhardter Wald habe daher der BUND-Regionalvorsitzende Jürgen Hellgardt Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

Bei der Firma Uhl ist man von den Vorwürfen überrascht. „Wir weisen das nachdrücklich zurück“, sagt Projektleiter Dr. Matthias Pavel. „Bereits vor dem Bau haben wir Schutzmaßnahmen ergriffen und beispielsweise Ersatzgewässer für die Gelbbauchunken angelegt.“ Als die Amphibien im Baustellenbereich festgestellt worden sind, habe man mit Experten wie dem erwähnten BUND-Fachmann Maßnahmen zum Schutz der Amphibien besprochen.

Durch die ÖBB sei überwacht worden, dass alles entsprechend umgesetzt wurde. „Unser Experte hat in fast 30 Terminen auf der Baustelle sichergestellt, dass alle Naturschutzvorgaben eingehalten werden und den Behörden ausführlich Bericht erstattet“, so Pavel. „Zum Schutz der Unken haben wir großen organisatorischen, zeitlichen und finanziellen Aufwand betrieben.“ Zudem sei die Baustelle neben dem Landrats­amt auch von Fachleuten des RP geprüft worden.

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