Stiller Kavalier und laute Abenteurerin

Renate und Adolf Herrmann feiern heute ihre goldene Hochzeit. Dazu reist das Haller Paar zum höchsten Wolkenkratzer der Welt nach Dubai.

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  • Renate und Adolf Herrmann auf dem Balkon ihrer Wohnung im Reifenhof. Heute feiern sie ihre goldene Hochzeit in Dubai.  1/2
    Renate und Adolf Herrmann auf dem Balkon ihrer Wohnung im Reifenhof. Heute feiern sie ihre goldene Hochzeit in Dubai. Foto: 
  • Das Foto von Renate und Adolf Herrmann entstand zirka zwei Wochen vor ihrer Hochzeit bei einem Ausflug mit Freunden. 2/2
    Das Foto von Renate und Adolf Herrmann entstand zirka zwei Wochen vor ihrer Hochzeit bei einem Ausflug mit Freunden. Foto: 
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Heute, dem Tag an dem sie vor 50 Jahren „für immer“ gesagt haben, sitzen Renate und Adolf Herrmann in einem Restaurant, an einem Tisch mit Fensterblick. Vor ihnen und unter ihnen breitet sich Dubai aus. Sie sitzen im Burj Khalifa, mit 826 Metern das höchste Bauwerk der Welt. Das ist ihr Plan für die Feier der goldenen Hochzeit,

Reisen war schon immer ihre gemeinsame Leidenschaft. Die Bücherregale in der Wohnung im Haller Reifenhof quellen über vor Reiseliteratur. Früher waren sie in der weiten Welt unterwegs, machten geführte Touren durch Indien, bewunderten Ausgrabungen in den Anden, reisten nach Mexiko und China – wochenlang. Seit sie vor zehn Jahren den Ruhestand begannen, haben sie ihren Radius verkleinert. Sie haben ihren Wunsch wahr gemacht und sich ein Wohnmobil gekauft. Mit dem sind sie zirka ein Drittel des Jahres unterwegs: in Europa, der Türkei und in Marokko.

Plötzlich Rücksicht gefragt

Als Adolf Herrmann seine Arbeit als Schwertransportfahrer beendete, hatten sie es erst nicht leicht. Renate Herrmann war zuvor oft alleine und es gewohnt, alle Entscheidungen zu treffen. Plötzlich musste sie aber auf ihn Rücksicht nehmen, es ging nicht nur ihrer Nase nach. Es dauerte eine Weile, bis sich der neue Zustand einspielte. Aber das liegt Jahre zurück. Nun geht es dem Paar sehr gut. Sie wird verwöhnt von ihrem Mann. Er bringt ihr Sekt an die Badewanne, Kaffee an den Schreibtisch und oft grundlos Blumen mit. „Ich bin eindeutig auf der Haben-Seite“, sagt sie bezüglich der kleinen liebevollen Rituale. Dafür ist ihr Mann dankbar, dass sie den ganzen Bürokram und alles Organisatorische erledigt. „Sie sorgt dafür, dass ich ein schönes Leben habe“, sagt der 73-Jährige.

Sie fordern ihn heraus

Die Reisen legt Renate Herrmann fest, sie sucht die Routen und die Sehenswürdigkeiten heraus. Ohne sie hätte er das Taj Mahal wohl nicht gesehen, gibt er zu. Sie geht voraus, er gerne hinterher. Sie redet viel, er hält sich zurück. Manchmal wünscht die vier Jahre Jüngere sich ein bisschen mehr von ihm. Sie fordert ihn heraus, fragt ihn, möchte seine Meinung wissen. Durch das Reisen hätten sie viele gemeinsame Themen, die weit über Stammtischgespräche hinausgehen.

In Hall kennengelernt

Warum das auf den ersten Blick sehr unterschiedlich wirkende Paar sich ineinander verliebt hat, ist den beiden eigentlich gar nicht wirklich bewusst. Es sei klar gewesen, dass sie zusammenkamen und -blieben. Die beiden lernten sich in einer Jugendwirtschaft in Hall kennen. Die heute 69-Jährige lebte damals in Neuenstein, war aber wegen einem Arzttermin in Hall, anschließend in dieser Wirtschaft. Weil die damals 17-Jährige offen gewesen sei und jeden ansprach, hat sie ein Grüppchen junger Leute kennengelernt. Zu denen gehörte ihr Zukünftiger. Sie lebten dann zwei Jahre in Fernbeziehung: sie in Böblingen, er in Hall.

Renate Herrmann arbeitete in der Gastronomie, Adolf Herrmann lernte Stahlbauschlosser. Als sie schwanger wurde, heirateten sie. Später absolvierte sie eine Ausbildung zur Programmiererin und arbeitete  bei der Bausparkasse. Er fuhr Lastkraftwagen. Steffen ist ihr einziger Sohn. Er wohnt in Michelfeld und kommt oft zum Kaffeetrinken. Das Paar hat ein Enkelkind.

Den Haushalt haben sich die Herrmanns aufgeteilt. Er kocht „und sie macht die Sauerei weg“, wie er sagt. Sie habe nie gerne gekocht und musste das in ihrer Ehe nur selten machen. Ihr Mann, und später auch der Sohn, erledigten das. „Und ich habe den Staubsaugerführerschein“, sagt er. Streiten tun sie natürlich hin und wieder, aber nur über Kleinigkeiten. In den großen, grundsätzlichen Fragen sind sich die beiden nahezu immer einig gewesen. Zum Beispiel dass ihr Sohn nie Kriegsspielzeug bekommt, das war für beide klar. Renate Herrmann wundert sich selbst ein bisschen darüber, wie unaufgeregt, aber schön ihre Ehe ist. „Wir sind ganz normal – und das ist vielleicht das Unnormale.“

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