Goldene Hochzeit: Still ruht der See

Manfred und Doris Wendelken feiern heute ihren 50. Hochzeitstag. Sie sind ausgeflogen, um den besonderen Tag zu zweit auf Teneriffa zu verbringen.

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  • Im Vorgarten der Wendelkens steht ein Leuchtturm – Zeichen ihrer Heimat Bremerhaven. Tanzen und Heimat verbindet die beiden. 1/2
    Im Vorgarten der Wendelkens steht ein Leuchtturm – Zeichen ihrer Heimat Bremerhaven. Tanzen und Heimat verbindet die beiden. Foto: 
  • Das frisch vermählte Ehepaar bei der kirchlichen Trauung 1967. 2/2
    Das frisch vermählte Ehepaar bei der kirchlichen Trauung 1967. Foto: 
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Wie wollen wir denn unsere goldene Hochzeit feiern? Nu müssen wir doch mal langsam nach ´nem Lokal gucken!“, sagt Doris Wendelken vor Wochen zu ihrem Mann. „Nee, die Goldene feiern wir nicht groß. Wir haben doch schon die Silberne gefeiert“, entgegnet der Mann, mit dem sie seit 50 Jahren glücklich durchs Leben geht. Sie ist ganz entsetzt. Nicht feiern? Stinksauer wird sie und motzt: „Dann feier‘ ich aber meinen 70. Geburtstag mit allem Tsching­de­ras­sa­bum!“ Bevor es zur Krise kommt, legt der Gatte seine geheimen Pläne offen: Er möchte mit ihr wegfahren. Vielleicht noch mal nach Spanien. Sie wollte doch so gerne die Alhambra in Granada sehen. Erleichterung und Riesenfreude bei seiner Frau.

Drei Tage lang Hochzeit gefeiert

So wie schon damals, als er sie nach der silbernen Hochzeit überraschte. Sie haben drei Tage gefeiert. So wie sie auch drei Tage lang geheiratet haben. Polterabend am 11., Standesamt am 12. und kirchliche Trauung am Freitag, den 13. Oktober 1967. Ihre 25 Ehejahre feierten sie sowohl in Wolpertshausen, ihrem jetzigen Wohnort, als auch in Bremerhaven, wo die beiden unüberhörbar herstammen.

Am Morgen nach ihrer Rückkehr vom Norden schleicht er sich morgens aus der Wohnung. Sie wacht auf und ist wütend. Wo ist er denn bloß? Als er kurze Zeit später zur Tür hereinkommt, legt er Reiseunterlagen auf den Tisch. Der 73-Jährige war im Reisebüro und hat eine Bustour nach Frankreich an die Loire gebucht.

Reisen unternimmt das Paar furchtbar gerne. Doris Wendelken ist an Begeisterungsfähigkeit nicht zu überbieten. Voller Emotionen schaut sie sich die Schönheiten der Welt an. Und vergisst dabei zuweilen ihre Umwelt. Ihr Mann passt auf sie auf. So erzählt er, wie sie einmal in der Gruppe verloren ging, weil sie Straßenkatzen fotografierte. Oder wie sie auf einer Reise nach Los Angeles am Strand standen, seine Frau wie gebannt auf den Pazifik sah, und – während alle sich die Schuhe auszogen und die Hosenbeine hochkrempelten – die Doris einfach ins Meer hineinmarschierte. In voller Montur, bis ihr das Wasser über die Knie reichte. Sie war in Gedanken, dachte an ihren Opa, der ihr immer vom Pazifik erzählt hat.

Freiheiten lassen

Liebevoll spricht Manfred Wendelken von dem besonderen Wesen seiner Frau. Nie sei er genervt, wenn sie vor lauter Emotionen Zeit und Raum vergisst. Ihn störten nicht die vielen Katzenbilder, Stofftiere und Figürchen, die in der Wohnung verteilt sind. Auch nicht das „Delphinarium“ im Bad. Gegenseitiger Respekt und dem anderen seine Freiheiten zu lassen, seien Voraussetzung für eine gute Beziehung.

Vor 30 Jahren kamen die Wendelkens mit ihren zwei Töchtern nach Hohenlohe. Berufsbedingt, weil sein Chef mit der Klinkerbaufirma dorthin wechselte. Auch die gelernte Kauffrau fand eine Anstellung. Aber die ersten Jahre hatte sie furchtbares Heimweh. Sie fühlte sich wie im Ausland, verstand kein Wort Schwäbisch. Ihr Mann war als Maurer viel auf Montage. Sie hatte nur ihre Kollegin im Lebensmittelladen Glück im Rollhof zum Reden. Alles wurde gut, als die beiden Tanzbegeisterten zu den Schwäbisch Sweethearts kamen. Sie lernten Squaredance mit Hilfe von Playmobilfiguren am Küchentisch. Und plötzlich hatten sie einen Freundeskreis.

Auf einem Ball haben sie sich vor 52 Jahren kennengelernt. Er mochte ja eigentlich keine Frauen mit Brille, aber ihre Figur gefiel ihm gut. Auch sie war beeindruckt von dem großen, muskulösen Mann. „Er sah aus wie Siegfried“, schwärmt die lebensfrohe 70-Jährige.

Sie war ein arger Putzteufel, „aber den habe ich ihr dann doch austreiben können“, sagt Manfred Wendelken. „Weißt du noch“, sagt sie lachend, „wie du am Anfang immer deine komplette Arbeitskleidung vor der Haustüre ausziehen musstest.“

Es sind viele schöne Erinnerungen, die die zweifachen Großeltern und bereits einfachen Urgroßeltern in sich tragen. „Ehestreit, das Wort kennen wir nicht.“ Es sind nur mal Meinungsverschiedenheiten, die schnell geklärt werden und dann ruht der See wieder still.

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